Die Pegnitz ist ein klassischer Mittelgebirgsfluss in Franken. Ihre Quelle befindet sich in der Stadt Pegnitz am Osthang des Schloßbergs. Nach einem fast 113 Kilometer langen Lauf vereint sie sich in Fürth mit der linken Rednitz zur Regnitz. Unter anderem wegen der vielen Querbauwerke und Sedimenteinträgen aus der Landwirtschaft wird der ökologische Zustand des Gewässers als „mäßig“ eingestuft. Trotzdem gibt es hier noch diverse ökologisch anspruchsvolle Fischarten wie Äsche, Bachforelle, Döbel oder Mühlkoppe. Die rückzubauende Stauanlage, ein ökologisch nicht durchgängiges Wehr im Besitz der Stadt Pegnitz, liegt im Oberlauf, etwas südlich der Stadtgrenze.

Umbau der Stauanlage Hainbronn an der Pegnitz

Wehr an der Pegnitz © Anne Schmitt
Wehr an der Pegnitz © Anne Schmitt

Das Wehr hatte noch vor Jahrzehnten dem Ortsteil Hammerbühl zur Wasserversorgung gedient. Vom rund 100 Jahre alten Wehr verlief ein etwa 330 Meter langer unterirdischer Kanal zu einem 1926 errichteten Pumphäuschen. Von dort wurde das Wasser mit einer turbinengetriebenen Pumpe in einer Rohrleitung 430 Meter nach Hammerbühl gepumpt. Mittlerweile wird die Wasserversorgung anderweitig sichergestellt. Das Pumphäuschen wurde im Jahr 2000 abgerissen, während das Wehr noch immer den Weg der Fische blockiert. Das Wehr und das Pumphäuschen gehörten dem „Wasserversorger Pegnitzgruppe“, der bereits Ende der 1990er Jahre aufgelöst wurde. Rechtsnachfolger ist die Stadt Pegnitz, die aufgrund vieler anderer Aufgaben nicht in erforderlichem Maße in den Gewässerschutz investieren kann. Mit dem über den Wettbewerb finanzierten Wehrrückbau soll nun der Erwärmung der Pegnitz entgegengewirkt und die Verschlammung des Flusses oberhalb des Wehres verringert werden.

Renaturierung an der Pegnitz

Das Renaturierungsprojekt wurde unter anderem deshalb zur Finanzierung im Flussbefreier-Wettbewerb ausgewählt, weil Stadträtin Susanne Bauer aus Pegnitz den Wehrrückbau angestoßen hatte. Beim „Main FlussFilmFest“ des Vereins „Flussparadies Franken e.V.“ im März 2023 hatte sie Filme über den Zustand der Flüsse, beziehungsweise die Wirkung von Querbauwerksrückbauten gesehen, dazu den Werbeclip zum WWF-Flussbefreier-Wettbewerb. Die Option der Geldakquise über den Wettbewerb veranlasste Bauer dazu, aktiv zu werden und sich nach ungenutzten Barrieren in ihrer Stadt umzuschauen. Sie wurde fündig, bei der ungenutzten Stauanlage Hainbronn.

Aufgrund der Lage des Wehres an der Bahnlinie Nürnberg waren die Planungen jedoch aufwändiger als erwartet. Zunächst wurde eine Machbarkeitsstudie mit drei Umsetzungsvarianten, dann ein hydraulisches Gutachten beauftragt. Nach Einigung auf eine Variante und grünem Licht für die Sicherheit des Bahndamms liegt nun seit Ende 2025 die Umsetzungsplanung vor. Der letzte Genehmigungsschritt kann jetzt in Angriff genommen werden. Derzeit fehlt der Gemeinde jedoch noch ein Restbetrag für die Umsetzung, denn die Wettbewerbsmittel wurden durch die umfangreichen Planungsschritte bereits aufgebraucht. Die Gemeine Pegnitz, das WWA Kronach und der WWF suchen derzeit gemeinsam nach Wegen, die Umsetzung zu ermöglichen.

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