Am Wielenbach werden somit die für den Gewässerschutz wichtigen Kriterien der EU-Wasserrahmenrichtlinie erfüllt, nach der Flüsse bis spätestens 2027 über freie Wanderwege für Fische und andere Gewässerorganismen verfügen müssen, wenn dies für das Erreichen eines guten ökologischen Zustands notwendig ist. Bachforelle, Groppe und andere heimische Fische können nun ungehindert durch den Bach wandern. Der Rückbau hilft, die Artenvielfalt zu erhalten – oder sie sogar zurückzubringen.
Ruhig schlängelt sich der Wielenbach auf seinen 15 Kilometern Länge zunächst durch ein Moorgebiet, durchfließt dann eine Waldschlucht bevor er im Ortsgebiet der Gemeinde Birkland/Peiting in den Lech fließt. Doch wie so viele Gewässer in Deutschland ist der Wielenbach zerschnitten. Der WWF will das ändern und hat bereits mit dem Rückbau von Hindernissen begonnen.
Zerschnittene Idylle
In Bayern unterbricht rechnerisch alle 500 Meter ein Hindernis den Lauf der Fließgewässer. Am Wielenbach waren es zwei sogenannte Querbauwerke. Ein Absturz hinter einer freigespülten einbetonierten Trinkwasserleitung (Düker) und ein Wehr machten es bisher unmöglich, dass sich Fische und andere Gewässerlebewesen ungehindert bewegen konnten. Und genau das soll sich nun ändern. Dafür rücken im März 2026 wieder die Bagger an. Am Ende wird der Wielenbach auf ganzer Länge bis zu seiner Mündung im Lech weitgehend frei von künstlichen Barrieren sein – eine Seltenheit in Deutschland.
Freie Flüsse für die Fische
Schon im August 2025 wurde das erste Hindernis beseitigt. Das 1,80 Meter hohe Gefälle zwischen dem natürlichen Bachbett und der quer laufenden einbetonierten Trinkwasserleitung (Düker) wurde ausgeglichen. Über drei Tage transportierten Lkws 400 Kubikmeter Kies und Gesteinsmaterial an den Bach, um dort von einem Bagger neu verteilt zu werden. Es entstand ein naturnaher Abstieg mit Kies, Gestein und Wurzelstöcken.
Im März 2026 wird das Wehr abgetragen, das nur wenige Meter flussaufwärts vom Düker liegt. Anschließend wird eine Rampe aus Steinen und Kies auf einer Länge von 50 Metern errichtet.
Die Arbeit auf der Baustelle kann über eine Zeitraffer-Kamera live verfolgt werden. Schauen Sie rein!
Macht uns der Biber einen Strich durch die Rechnung?
Etwas flussabwärts der Baustelle ist auch der Biber aktiv und baut eindrucksvolle Dämme. Er erhöht damit den Wasserstand im Wielenbach und hält ihn konstant. Dies dient primär dem Schutz vor Feinden; der Eingang zum Biberbau muss stets unter Wasser liegen. Zudem erleichtern die aufgestauten Bereiche den Transport von Nahrung (Holz).
Macht der Biber also unseren Bemühungen um einen frei durchgängigen Wielenbach einen Strich durch die Rechnung? Jein. Biberdämme sind zwar auch Barrieren, welche die Wanderung der Fische einschränken können, vor allem in Trockenzeiten. Doch im Gegensatz zu betonierten Wehren bestehen sie nicht dauerhaft, sondern meist nur temporär. Zudem können sie leichter von Fischen überwunden werden, insbesondere an naturnahen Gewässern wie dem Wielenbach, wo sich das Wasser seitlich einen Weg am Damm vorbei bahnen kann. Insgesamt entstehen durch die Aktivitäten von Bibern kleinräumig miteinander vernetzte Gewässerlandschaften, welche die Artenvielfalt an natürlichen Gewässern stark erhöhen können.
Alternativen zur historischen Nutzung der Wasserkraft am Wielenbach
Die Nutzung der Wasserkraft am Wielenbachwehr bestand bereits seit 1887. Zunächst war ein Wasserrad im Einsatz, dann wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eine Turbine eingebaut. Durch sie wurde Quellwasser aus der Waldschlucht in einen Hochbehälter gepumpt und in der Gemeinde Birkland verteilt. Nun wird die Wasserkraftnutzung beendet und die Pumpe mit Strom aus dem öffentlichen Netz betrieben.
Verantwortlich für den Rückbau des Wehres am Wielenbach ist der örtliche Wasserbeschaffungsverband (WBV) Birkland. Der WWF hat beide Renaturierungsmaßnahmen mit rund 55.000 Euro aus seinem Lebendige-Flüsse-Projekt unterstützt, das maßgeblich von der Deutschen Postcode Lotterie und zu kleineren Teilen auch von der PSD Bank München und der Heizungsfirma Vaillant finanziert wird. Die restlichen Kosten teilen sich der WBV Birkland und die Gemeinde Peiting.
WWF befreit auch andere Flüsse
Der Wielenbach steht natürlich nicht alleine: Der WWF baut auch an anderen Gewässern Barrieren ab, um Flüsse zu renaturieren, ihre natürliche Dynamik wiederherzustellen und Lebensräume für Fische und andere Wasserlebewesen zu schaffen. Denn Wehre, Abstürze oder Verrohrungen unterbrechen die Wanderwege von Fischen, was die Populationen schwächt. Sie zersplittern Flüsse in getrennte Abschnitte, blockieren den natürlichen Transport von Sedimenten und stören den natürlichen Wasserfluss.
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