Die Internationale Rote Liste der bedrohten Arten ist ein wichtiges Instrument, um den Zustand der Artenvielfalt auf der Erde zu erfassen und den Schutz gefährdeter Arten voranzutreiben. Herausgegeben wird die Rote Liste in regelmäßigen Abständen von der Weltnaturschutzunion IUCN. Für die Erstellung Roter Listen werten Expert:innen auf wissenschaftlichen Grundlagen alle relevanten und zugänglichen Daten aus. Die Darstellung in Gefährdungskategorien stellt die komprimierteste Form der naturwissenschaftlichen Analyse dar.

April 2026 | Antarktische Arten stärker bedroht

Der antarktische Seebär (Arctocephalus gazella) ist stark gefährdet
Der antarktische Seebär (Arctocephalus gazella) © Natalie Bowes / WWF-Canada

Die IUCN hat am 9. April 2026 ein Update ihrer Roten Liste veröffentlicht. Darin werden mehrere antarktische Tierarten als stärker bedroht eingestuft.

Hauptursache ist der durch die globale Erderhitzung verursachte Verlust des Meereises. Ohne stabile Eisflächen fehlen Rückzugsorte zur Jungenaufzucht, zur Nahrungssuche und zur Erholung.

Zusätzlich werden generell die Polargebiete durch das schwindende Eis immer mehr für Menschen zugänglich, was Gefahren durch Schifffahrt, Unterwasserlärm, Rohstoffförderung, Jagd und Fischerei weiter verstärkt.

Besonders eisabhängige Arten in der Antarktis seien stark gefährdet. Es wird dringend zu mehr Klimaschutzmaßnahmen und besserer Überwachung der Tierpopulationen aufgerufen. Der Hauptfaktor ist das frühzeitige Aufbrechen und der Verlust des Meereises, das seit 2016 Rekordtiefstände erreicht hat.

  • Der Kaiserpinguin wurde von „potenziell gefährdet“ auf „stark gefährdet“ (Endangered) hochgestuft. Hauptursache ist der Rückgang des Meereises, das für Brut und Mauser lebenswichtig ist. Prognosen zeigen, dass sich die Population bis in die 2080er Jahre halbieren könnte.

    Kaiserpinguine sind auf sogenanntes Festeis angewiesen – also Meereis, das an der Küste, am Meeresboden oder an auf Grund liegenden Eisbergen „verankert“ ist – als Lebensraum für ihre Küken und während ihrer Mauser, in der sie nicht wasserdicht sind. Wenn das Eis zu früh aufbricht, kann das tödliche Folgen haben. Auch wenn es schwierig ist, beobachtete Tragödien – wie etwa den Zusammenbruch einer Brutkolonie ins Meer, bevor die Küken schwimmen können – in konkrete Populationsveränderungen umzuwandeln, zeigen Modellrechnungen unter Berücksichtigung verschiedener zukünftiger Klimaszenarien, dass die Bestände der Kaiserpinguine in diesem Jahrhundert schnell zurückgehen werden, sofern die Treibhausgasemissionen nicht abrupt und drastisch reduziert werden.
     
  • Auch der Antarktische Seebär gilt nun als stark gefährdet, nachdem seine Population seit dem Jahr 2000 um über die Hälfte gesunken ist. Grund dafür ist vor allem Nahrungsmangel, da steigende Meerestemperaturen die Krill-Bestände beeinflussen.
     
  • Der Südliche See-Elefant wurde auf „gefährdet“ (Vulnerable) hochgestuft. Hier spielt insbesondere die Ausbreitung der Vogelgrippe (HPAI) eine große Rolle, die vor allem Jungtiere stark trifft. Die IUCN warnt, dass diese Entwicklungen ein deutliches Signal für die Folgen des Klimawandels sind.

Die aktuellen Zahlen vom Oktober 2025

Am 10. Oktober 2025 hat die Weltnaturschutzunion (IUCN) die neueste Aktualisierung der IUCN Roten Liste der bedrohten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten vorgestellt.

Insgesamt werden derzeit 172.620 Arten erfasst. Von diesen sind mehr als 48.600 Arten in den drei als bedroht geltenden Kategorien eingestuft. Das bedeutet, dass fast ein Drittel aller erfassten Arten bedroht ist! 

Oktober 2025 | Arktische Robben in Gefahr, die Grüne Meeresschildkröte gibt Grund zur Hoffnung

Junge Bartrobbe
Junge Bartrobbe © Kit Kovacs

Die im Oktober 2025 veröffentlichte Aktualisierung der Roten Liste zeigte alarmierende Entwicklungen in der Arktis: Drei Robbenarten wurden hochgestuft und sind bedrohter als zuvor.

Besonders kritisch ist die Lage der Klappmütze (Cystophora cristata), die von „gefährdet“ auf „stark gefährdet“ heraufgestuft wurde. Auch die Bartrobbe und die Sattelrobbe gelten neuerdings als „gering gefährdet“ (zuvor: „nicht gefährdet“) – ein Warnsignal, dass sich ihre Bestände verschlechtern.

Auch das Walross wurde erneut bewertet. Sein Status als „gefährdet“ bleibt zwar unverändert, die neuen Daten bestätigen aber den hohen Druck, unter dem die arktischen Meeressäuger stehen. 

Ein seltener Erfolg: Die Grüne Meeresschildkröte erholt sich

Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas)
Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) © Nicolas J. Pilcher

Für positive Schlagzeilen sorgt die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas): Dank jahrzehntelanger internationaler Schutzbemühungen wurde sie von „stark gefährdet“ auf „nicht gefährdet“ herabgestuft – eine Verbesserung um gleich drei Kategorien! Seit den 1970er Jahren ist der Gesamtbestand um etwa 28 Prozent gewachsen.

Dieser Erfolg ist das Ergebnis wirksamer Maßnahmen wie dem Schutz von Niststränden, Gemeindeprojekten gegen die übermäßige Entnahme von Schildkröten und ihren Eiern als Nahrung, dem Einsatz von Turtle Excluder Devices in Fischereinetzen und dem Stopp des internationalen Handels. Besonders erfolgreich waren Programme auf Ascension Island, in Brasilien, Mexiko und Hawaii.

Grüne Meeresschildkröten sind Schlüsselarten in tropischen Meeresökosystemen wie Seegraswiesen und Korallenriffen und haben seit Jahrtausenden für Menschen weltweit eine kulturelle Bedeutung.

Trotz der Erholung bleibt die Gesamtpopulation jedoch deutlich kleiner als vor der Zeit intensiver Ausbeutung.

Weltweit schrumpfen Vogelpopulationen

Gelbbauchjala (Philepitta schlegeli)
Gelbbauchjala (Philepitta schlegeli) © Bradley Hacker

Bei Vögeln zeigt sich eine besorgniserregende Entwicklung: 61 Prozent aller Vogelarten nehmen in ihrem Bestand ab – deutlich mehr als bei der letzten umfassenden Bewertung. 2016 waren es 44 Prozent der weltweiten Vogelarten. Die Entwicklung über alle Kategorien hinweg ist erschreckend.

Verantwortlich ist vor allem die Zerstörung von Lebensräumen durch die Ausweitung und Intensivierung der Landwirtschaft sowie Abholzung. Dabei sind Vögel unverzichtbar für stabile Ökosysteme – als Bestäuber, Samenverbreiter, Schädlingsbekämpfer und Aasbeseitiger.

„Die Anstrengungen zum Schutz der Meeresschildkröten dürfen nun nicht nachlassen. Noch immer gilt die Mehrheit der Meeresschildkrötenarten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Zum Schutz der Tiere tragen die Beaufsichtigung von nistenden Weibchen und ihren Nestern an Stränden und die Eindämmung des illegalen Handels bei. In der Fischerei helfen spezielle Ausschlussvorrichtungen dabei, dass Meeresschildkröten nicht in den Fischernetzen ertrinken. Auch die Klimakrise bedroht die Schildkröten, deshalb profitieren auch sie von ambitionierterem Klimaschutz.“

Heike Zidowitz, Artenschutzexpertin beim WWF Deutschland

Die Gefährdungskategorien der Internationalen Roten Liste

  • EX – Ausgestorben (Extinct): Keine Individuen mehr vorhanden.
  • EW – In freier Wildbahn ausgestorben (Extinct in the Wild): Die Art kommt nur noch in menschlicher Haltung, in Kultur oder außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes vor.
  • CR – Vom Aussterben bedroht (Critically Endangered): Extrem hohes Risiko, dass die Art in naher Zukunft ausstirbt.
  • EN – Stark gefährdet (Endangered): Sehr hohes Risiko, dass die Art in naher Zukunft ausstirbt.
  • VU – Gefährdet (Vulnerable): Hohes Risiko, dass die Art in naher Zukunft ausstirbt.
  • NT – Potenziell gefährdet (Near Threatened): Aktuell noch nicht bedroht, aber kurz davor.
  • LC – Nicht gefährdet (Least Concern): Aktuell nicht bedroht.
  • DD – Daten unzureichend (Data Deficient): Zu wenige Informationen für eine Einstufung.

Arten in den drei Kategorien „vom Aussterben bedroht“, „stark gefährdet“ und „gefährdet“ gelten als bedroht.

Vergangene Veröffentlichungen der IUCN

Unzählige Arten sterben jedes Jahr aus

Der Verlust der Artenvielfalt stellt heute eine der drängensten Probleme weltweit dar. Etwa zwei Millionen Tier- und Pflanzenarten sind bislang beschrieben worden. Doch acht Millionen Arten soll es auf der Erde geben, vielleicht auch mehr. Unzählige davon verschwinden jedes Jahr.

Erhebungen gehen davon aus, dass sich die Aussterberate durch menschliche Einflüsse mittlerweile um den Faktor 100 - 1.000 gegenüber der natürlichen Rate erhöht hat. Zu den weltweit wichtigsten Bedrohungsfaktoren für die Artenvielfalt zählen vor allem Lebensraumverlust und die massive Übernutzung der natürlichen Ressourcen wie etwa durch Überfischung oder auch Wilderei. Hinzu kommen Umweltverschmutzung, Klimakrise und die Verdrängung der heimischen Flora und Fauna durch invasive Arten.

Auch der Mensch ist dadurch bedroht

Das Aussterben einer Art ist unumkehrbar und schafft unkalkulierbare Risiken. Tiere und Pflanzen haben neben ihrem Eigenwert eine Funktion im Ökosystem. Gerät dieses durch Artensterben durcheinander, so wird dies auch Folgen für den Menschen haben. Nahrung, Wasser und Medizin hängen in weiten Teilen der Erde direkt von einem funktionierenden und gesunden Ökosystem mit einer hohen Artenvielfalt ab. Wird dieses Ökosystem durch Artenverlust zerstört, so gerät auch die Existenzgrundlage eines großen Teils der Weltbevölkerung unmittelbar in Gefahr.

So können Sie die Artenschutzarbeit des WWF unterstützen

Weitere Informationen und Downloads

  • Bengal-Tiger in der indischen Steppe © naturepl.com / Andy Rouse / WWF Artensterben

    Bereits im letzten Artenschutzbericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) der UN zeichnete sich Dramatisches ab: Rund eine Million Arten könnten innerhalb der nächsten Jahrzehnte verschwinden, wenn sich der Zustand unserer Ökosysteme weiterhin verschlechtert. Weiterlesen...

  • Amur-Tiger © Ola Jennersten / WWF Schweden Bedrohte Tierarten aktiv schützen

    Immer mehr Tierarten sind durch menschliches Handeln vom Aussterben bedroht. Der WWF arbeitet daher daran, bedrohte Arten zu schützen. Weiterlesen...

  • Przewalski-Pferde © Hartmut Jungius / WWF-Canon Ein Lichtblick: Bis zu 48 Arten vor dem Aus bewahrt

    Seit 1993 sind laut einer Studie weltweit bis zu 32 Vogel- und 16 Säugetierarten vor dem Aussterben bewahrt worden. Weiterlesen...

  • Biene © Martin Dohrn / WWF UK Biodiversität - Bedeutung und Bedrohung

    In unserem kostenlosen Onlinekurs werfen wir einen genauen Blick auf diese Entwicklung: Was ist Biodiversität? Wie funktioniert sie und warum ist sie so wichtig für uns alle? Zum Kurs

Melden Sie sich jetzt zum Newsletter an!

Sie wollen zum Thema "Biodiversität" gern auf dem Laufenden bleiben und über Projektfortschritte und Erfolge informiert werden? Dann abonnieren Sie jetzt unseren regelmäßigen Newsletter!

Der aktivierte Wert ist ungültig. Bitte überprüfen Sie Ihre Eingabe.
Die Anfrage darf nicht maschinell verarbeitet werden.

Wir benötigen Ihre Zustimmung, um den Service zu laden!

Wir verwenden einen Service eines Drittanbieters. Bitte lesen Sie die Details durch und stimmen Sie der Nutzung des Service zu, um diese anzeigen zu lassen.

powered by Usercentrics Consent Management Platform