Vor mehr als 100 Jahren begannen wir, Flüsse zu zerstören, indem wir Bauwerke in ihnen errichteten, ihren Fluss verlangsamten und ihren Lauf veränderten. Schon viel zu lange bringen Bauwerke wie Dämme, Wehre und Abstürze ganze Ökosysteme durcheinander. Wir haben Europas Flüsse mit mehr als einer Million Bauwerken verstopft.

Unsere Flüsse leiden

Das Leucherhofwehr blockiert die Baunach © Olaf Obsommer / WWF
Das Leucherhofwehr blockiert die Baunach © Olaf Obsommer / WWF

Auch in Deutschland fließen die Flüsse längst nicht mehr frei: Die große Mehrheit unserer Fließgewässer ist verbaut, eingedeicht und in nicht mehr miteinander verbundene Abschnitte getrennt.

Dabei sind es nicht immer nur die großen Staudämme, die Probleme bereiten, sondern vor allem die Vielzahl der kleinen Hindernisse im Fluss.

Ein Querbauwerk, ob groß oder klein, bedeutet immer eine abrupte Sackgasse für einen Fisch – ohne Vorwarnung. Es verändert alles, bremst die natürliche Strömung des Wassers und blockiert die Wanderung der Fische. Aale, Störe oder Lachse: Wir müssen uns klarmachen, wie ökologisch wertvoll wandernde Fische sind und dass viele Arten ernsthaft bedroht sind. Dazu sollten wir verstehen, was sie brauchen, um ein normales Leben zu führen. Eben keine Wanderblockaden, begradigte Ufer, Netze oder Industrieabfälle! 

Viele dieser Hindernisse haben heute keinen Nutzen mehr, sie sind nichts weiter als in der Natur zurück gelassener Zement.

Die blockierte Baunach

Genau so einen Fall gibt es in Bayern: das schon lange ungenutzte „Leucherhofwehr“ an der Baunach, ein altes Wiesenbewässerungswehr das – knapp oberhalb der Mündung in den Main gelegen – für die Wassertiere die flussaufwärts wandern möchten, eine unüberwindbare Barriere darstellt. Diesen Sommer soll das alte Wehr endlich entfernt werden, damit die Baunach wieder frei fließen kann. 

Naturparadies Baunach

Naturparadies Baunach, Bayern © Olaf Obsommer / WWF
Naturparadies Baunach, Bayern © Olaf Obsommer / WWF

Die Baunach mäandriert über 54 Kilometer von ihrer Quelle im Fränkischen Schichtstufenland bis zu ihrer Mündung in den Obermain nördlich von Bamberg.

Obwohl die Landschaft im Einzugsgebiet der Baunach durch eine intensive landwirtschaftliche Nutzung geprägt ist, fasziniert die Natur und reizvolle Landschaft eine Fülle an Tourist:innen und Erholungssuchende. Die naturnahen Gewässerabschnitte und vor allem die ausgeprägten Mäanderstrecken, Mager- und Feuchtwiesen sind von überregionaler Bedeutung.

An der Baunach kommen seltene Arten wie Heller und Schwarzblauer Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Laubfrosch, Grüne Keiljungfer, mehrere Fledermausarten und zahlreiche wiesenbrütende Vogelarten vor. Aufgrund des hohen Biotopanteils und des naturschutzfachlichen Wertes sind an der Baunach fünf Natura 2000-Gebiete als Teil eines europaweiten Netzes an Schutzgebieten ausgewiesen. In der Baunach selbst kommen weitere seltene Tiere wie die Bachmuschel (Unio crassus) und schützenswerte Kleinfische wie die Bachschmerle (Barbatula barbatula) und der Schneider (Alburnoides bipunctatus) vor.

Alte Stauanlagen schaden der Natur

Trotz ihres teils unverbauten Verlaufs ist die Baunach durch Einträge von Feinsedimenten und Pflanzenschutzmitteln aus den umliegenden Äckern und Wiesen beeinträchtigt sowie durch sogenannte Querbauwerke: Vor allem Wehre zur Wasserkraftnutzung und zur ehemaligen Bewässerung der Wiesen unterbrechen den Flusslauf im Abstand von wenigen Kilometern.

Sie stauen das Wasser auf, wodurch sich Nährstoffe ablagern und sich das Gewässer unnatürlich stark erwärmt. Vor allem aber sperren sie die Fische, Amphibien und Insektenlarven in kleinen Teilstücken der Baunach ein, wie ein Käfig einen Vogel. So können die Fische nicht mehr zu ihren Laichhabitaten wandern, aber auch ungünstige Habitate nicht mehr verlassen, um in geeignete Bereiche zu migrieren.

Gemeinsam entfernen wir das Wehr

Rivers Unlocked © WWF-NL
Rivers Unlocked © WWF-NL

Der ursprüngliche Besitzer des Wehres war eine Wässer- und Wiesengenossenschaft. Sie hätte das Wehr umbauen oder zurückzubauen müssen, falls es nicht mehr genutzt wird. Die Genossenschaft existiert aber schon lange nicht mehr; und es fand sich bisher kein Verantwortlicher, um hier einzugreifen und der Natur ein Stück Freiheit zurückzugeben. Von staatlicher Seite sind für den Rückbau keine Gelder vorgesehen. Mit Ihrer Hilfe können wir die notwendigen Mittel sammeln, um in Kooperation mit dem Wasserwirtschaftsamt Kronach den Rückbau anzugehen.

Schon im August wird ein Abbruchbagger das alte Wehr zerkleinern und die Betonreste aus der Baunach entfernen. Bald darauf kann die Baunach hier nach Jahrzenten wieder frei fließen, eine über sechs Kilometer frei durchwanderbare Fließstrecke entsteht – bis zum nächsten Wehr.

Mit dem Rückbau des „Leucherhofwehrs“ ist der Anfang gemacht, weitere sollen folgen – bis die Baunach wieder komplett durchgängig ist, und alle Gewässerlebewesen wieder frei zwischen dem Main und der Baunach wandern können. Unser Ziel ist es, eine freie Fließstrecke von der Baunach bis in den Main zu schaffen.

Helfen Sie mit, dass die Baunach wieder frei fließen kann:

Der Rückbau des Staudamms ist aufwändig und kostenintensiv. Insgesamt werden 35.000 Euro benötigt, um das Leucherhofwehr an der Baunach komplett zu entfernen. Helfen Sie mit, das Ziel zu erreichen und erfahren Sie den aktuellen Stand der Spendenaktion.