Balsaholz ist extrem leicht, weich, elastisch und lässt sich einfach bearbeiten. Das macht es zu einem begehrten Rohstoff der Industrie. Das formbare Holz wird beispielsweise in den Rotorblättern von Windkraftanlagen verbaut. Es stammt hauptsächlich aus Ecuador, wo die enorme Nachfrage nach Balsaholz zum Problem für die indigene Bevölkerung wird.

Wo und wie wächst Balsaholz?

Balsabäume wachsen schnell und können schon nach wenigen Jahren geerntet werden. In den ausgedehnten Regenwäldern des ecuadorianischen Amazonasgebietes gehören sie zur natürlichen Pioniervegetation und wachsen dort, wo sie Platz finden. Das Land an der Westküste Südamerikas bietet mit seinem feucht-warmen Klima, fruchtbaren Böden und einer ganzjährig nahezu gleichbleibenden Sonneneinstrahlung ideale Bedingungen für die 30 bis 50 Meter hohen Laubbäume mit ihrer ausladenden Krone. Deshalb ist Ecuador heute der wichtigste Lieferant für Balsaholz in alle Welt. Mehr als 90 Prozent des weltweit gehandelten Balsaholzes stammen Angaben der Environmental Investigation Agency (EIA) aus Ecuador. Zwischen 2013 und 2022 wurden durchschnittlich 56.000 Tonnen Balsaholz pro Jahr exportiert.

Der Wert, den Balsaholz im Moment hat, ist destruktiv. Es herrscht eine Goldgräberstimmung, die zu Übernutzung und sozialen Verwerfungen in den Gemeinden führt.

Roberto Maldonado, Südamerika-Referent beim WWF Deutschland

Balsaholz im Windrad

Balsaholz ist ein kritisches Material für die Energiewende. Doch im Gegensatz zu Lithium, Kobalt und Seltenen Erden findet Balsaholz und vor allem seine Herkunft t sowie die damit verbundenen Probleme wenig Beachtung: Die hohe Nachfrage nach Balsaholz geht auf Kosten der wilden Balsawälder und der indigenen Gemeinschaften in Ecuador. Dieses Problem ist zwar gut dokumentiert, wird jedoch ignoriert.

Das leichte Holz findet sich nicht nur in Windkraftanlagen. Seine Eigenschaften machen es auch für den Modellbau, als Isoliermaterial und zur Herstellung von Booten, Kleinflugzeugen und Surfbrettern interessant. Das Wort „Balsa“ bedeutet auf Spanisch „Floß“. Denn die Menschen in seinen Ursprungsländern nutzen das leichte Holz schon sehr lange für den Floßbau. Im Inneren der Rotorblätter von Windkraftanlagen wird Balsaholz häufig als Kernmaterial eingesetzt, da es bei aller Flexibilität eine hohe Festigkeit aufweist. Dabei werden für ein einziges Rotorblatt hunderte Kilogramm Balsaholz benötigt.

Balsaboom in Ecuador

Balsabäume sind sehr anpassungsfähig und nicht sehr empfindlich © IMAGO imagebroker
Balsabäume sind sehr anpassungsfähig und nicht sehr empfindlich © IMAGO imagebroker

Balsabäume sind nicht wählerisch. Als Pionierbaumart wie unsere Birke sind sie besonders anpassungsfähig, um neue Gebiete zu besiedeln. In kürzester Zeit greifen sie Raum von freien Flächen im Wald und bewachsen zum Beispiel Überschwemmungsinseln, die nach der Regenzeit brachliegen. Doch so schnell sie gekommen sind, so schnell sind die vielen Flecken Balsaholzes im ecuadorianischen Regenwald auch wieder gefällt. Denn der Handel mit Balsaholz ist lukrativ. „So lukrativ, dass man möglichst rasch möglichst viel aus dem Wald holt“, so Roberto Maldonado vom WWF. „Die Produzent:innen müssen dafür immer weiter in die Wälder hineinfahren. Denn an vielen Stellen gibt es gar kein Balsaholz mehr.“ Diese Vollentnahme ist umweltschädigend. Noch größer aber sind die sozialen Probleme, die der indigenen Bevölkerung Ecuadors durch den Balsaboom entstehen.

Living Amazon Report

Wenn Plantagen nicht mehr ausreichen

Bis Ende der 2010er Jahre stammte das meiste Balsaholz laut Ermittlungen der EIA aus dichten Balsaplantagen an der Küste Ecuadors. In den Jahren 2019–2020 änderte sich dies jedoch rasch, da chinesische Provinzen im Zuge des Fünfjahresplans 2015–2020 ihre Ausbauziele für die Windenergiekapazität mit hoher Priorität vorantrieben.

Der sprunghafte Anstieg der Nachfrage nach Balsaholz führte schnell dazu, dass die Plantagen nicht mehr ausreichten. Insbesondere von den vier bis sechs Jahre alten Bäumen, die aufgrund ihrer Holzstruktur für die Herstellung von Rotorblättern entscheidend sind, gab es zu wenig.

In der Folge wichen Holzfäller zunehmend in die Wälder des ecuadorianischen Amazonasgebiets aus. Berichte über illegale Abholzung sowie Eingriffe in Schutzgebiete und indigene Territorien häuften sich. Laut Erkenntnissen der EIA drangen illegale Holzfäller sogar in das UNESCO-Biosphärenreservat Yasuní vor. Dieses zählt zu den artenreichsten Waldgebieten der Erde und ist Lebensraum unkontaktierter indigener Gruppen.

Da ältere Balsabäume in Ecuador immer knapper wurden, verlagerten sich die Aktivitäten zudem in benachbarte peruanische Wälder. Das dort illegal geschlagene Holz wird nach Ecuador geschmuggelt und als Balsaholz aus Ecuador deklariert.

Balsaholz-Plantagen im Regenwald

Siedlung am Amazonas © Clêiton Ramos / COIAB / WWF-Brasil / DSEI
Siedlung am Amazonas © Clêiton Ramos / COIAB / WWF-Brasil / DSEI

Mit dem Balsaholz lockt das schnelle Geld – und so mehrt sich inzwischen der Balsaholz-Anbau in den traditionellen Waldgärten der indigenen Bewohner:innen des Regenwaldes. Um nicht mehr nur auf wild wachsende Balsabäume angewiesen zu sein, ermuntern Zwischenhändler:innen die Indigenen der Region, Balsaholz anzupflanzen. Vor allem junge Männer nehmen die verführerischen Angebote gerne an. Doch damit gefährden sie die Ernährungssicherheit ihrer Familie, schaden der Gemeinschaft und schüren große soziale Konflikte.

Als Selbstversorger:innen sind die Indigenen auf Lebensmittel aus ihren Waldgärten, den sogenannten Chakras, angewiesen. Wächst dort nur noch Balsaholz, entsteht eine gefährliche Abhängigkeit. Zu oft schmälern die Zwischenhändler den Erlös im Nachhinein, niemals erhalten die Indigenen einen fairen Anteil am Gewinn und zu selten wird das Geld tatsächlich für Nahrungsmittel oder eine langfristige Planung ausgegeben.

Kehrtwende beim Windradbau?

Vor allem aus Kostengründen schwenken einige Unternehmen bereits auf Kunststoffe um. Ein Ende des Balsa-Booms in einigen Jahren ist also möglicherweise in Sicht. Doch das vergrößert noch die Gefahr für all jene, die sich heute in den Regenwäldern Ecuadors und anderer südamerikanischer Länder von kleinen Balsa-Plantagen in ihren Waldgärten abhängig machen. „Es darf nicht sein, dass große Firmen für wenige Jahre die Strukturen der indigenen Gemeinden derart durcheinanderbringen und danach genauso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen sind“, so Roberto Maldonado. Der Anbau von Balsaholz in den Waldgärten der Indigenen muss gestoppt und darf nicht weiter angetrieben werden. Die Entnahme der Hölzer aus dem Regenwald bedarf – wenn überhaupt – konkreter Managementpläne und die Lieferketten von Balsaholz müssen fair, langfristig und eindeutig nachvollziehbar werden.

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