Dichter, fast unberührter Regenwald, traditionell lebende indigene Bevölkerungsgruppen wie die Mundurucu und die Kayabi plus eine vor Artenvielfalt strotzende Regenwald- und Flusslandschaft: All das prägt das Dreiländereck der brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso, Amazonas und Pará im südlichen Amazonasgebiet, wo die Flüsse Teles Pires und Juruena wie ein umgedrehtes „Y“ zum Amazonas-Nebenfluss Tapajos zusammenfließen.

Augusto Fälle des Rio Juruena © Zig Koch / WWF
The Augusto Falls on the Juruena River. Juruena National Park, Brazil. June-July 2006.

Doch die Idylle trügt. Wo vor Kurzem noch undurchdringlicher Dschungel vorherrschte, sind heute oft nur noch verwüstete Flächen mit verkohlten Baumstümpfen und frisch eingesätem Grasland zu finden. Denn wo kein offizielles Schutzgebiet oder Indigenes Territorium ausgewiesen wird, fällt der Regenwald der näher rückenden Entwaldungsfront zum Opfer. 

Die Bundesländer Rondonia, Mato Grosso und der südliche Teil Amazonas, in denen sich das Projektgebiet befindet, gehören zu den Gebieten mit den höchsten Entwaldungsraten des gesamten Amazonasbioms. Die illegale Holznutzung und die Rodung von Wäldern werden oft unter dem Einsatz gewalttätiger Mittel durchgesetzt. In der Folge werden Rinderweiden aber auch zunehmend agro-industrielle Soja-Felder angelegt. Neben dieser flächendeckenden Rodung des Waldes werden vor Ort auch illegal Gold, Halbedelsteine und andere Bodenschätze gefördert.  

Eine weitere Bedrohung für das Gebiet bedeuten die mehr als 20 Wasserkraftwerkprojekte und die dazugehörigen Hochspannungsleitungstrassen. Am Teles Pires Fluss wurden bereits zwei Kraftwerke gebaut.

WWF Deutschland

Wie Perlen an einer Kette sollen daher eine Reihe von Nationalparks und anderen Schutzgebieten im Süden des brasilianischen Regenwaldes die vorrückenden Bagger und Motorsägen stoppen.

Schutzgebiete in einem riesigen Mosaik

Am 5. Juni 2006 wurde der Juruena-Nationalpark ausgewiesen. Mit einer Fläche von über 1,9 Millionen Hektar ist er so groß wie das Bundesland Sachsen. Im Jahr 2011 konnte das Schutzgebietsmosaik Amazonia Meridional geschaffen werden. Dieses besteht aus 40 Schutzgebieten, einschließlich mehrerer Nationalparks. Insgesamt sind hier sieben Millionen Hektar Amazonas Regenwald unter Schutz gestellt. Das entspricht einer Fläche so groß wie das Bundesland Bayern. 

Unter Bolsonaros Politik wurde der Beirat des Mosaiks – so wie alle anderen Beiräte des Landes –aufgelöst. Somit ist die aktive Partizipation der lokalen Bevölkerung in der Verwaltung der Schutzgebiete defacto gestoppt worden. Ein Beirat ist ein Gremium, durch welches sich die Zivilgesellschaft und andere private Akteur:innen an der Politik beteiligen können. Im Fall von Schutzgebieten musste es bis vor Kurzen ein Beirat geben, da laut brasilianischem Recht die Parkverwaltung nicht ohne aktive und formelle Beteiligung der Betroffenen gemanagt werden darf.

Aktuelle Ziele und Ergebnisse im Rahmen eines vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) geförderten Projektes

Das Ziel des Projektes ist der Schutz der Biodiversität bei gleichzeitiger nachhaltiger sozio-ökonomischer Entwicklung der lokalen Bevölkerung im Schutzgebietsmosaik Mosaico da Amazonia Meridional (MAM). 

Die Lebensbedingungen von 1.200 Familien im südlichen Amazonas Regenwald sollen verbessert werden. Dies geschieht durch intensivere Partizipation im Schutzgebietsmanagement und gleichzeitig der Möglichkeit für die Bevölkerung, ein höheres, nachhaltiges Einkommen aus dem sieben Millionen Hektar großen Schutzgebietsmosaik zu erwirtschaften. 

Bis zum Projektende im August 2021 sollen lokale Kapazitäten und Strukturen für ein partizipatives, effektives Management des MAM gestärkt sein. Die nachhaltigen Einkommensmöglichkeiten der lokalen Bevölkerung sollen durch die Nutzung natürlicher Ressourcen der MAM-Schutzgebiete steigen. 

Beispielhafte Maßnahmen

  1. Durchführung von Informationsverbreitungs- und bewusstseinsbildenden Aktivitäten in Bezug auf die Bedeutung des Juruena Nationalparks für den Schutz natürlicher Ressourcen und die Vorteile der öffentlichen Nutzung der MAM-Schutzgebiete. Das Informationsmaterial wurde in Schulen und öffentlichen Bibliotheken verteilt, zudem verfügt die Brasilianische Schutzgebietsbehörde ICMBio über ein internes Verteilungssystem für die unentgeltliche Verbreitung von Material.

  2. Die Gemeinde erstellt einen Businessplan für Tourismus

  3. Jugendliche der traditionellen Gemeinde lernen, das Internet zur nachhaltigen Entwicklung zu nutzen

  4. Die Gemeinden erhalten Ausrüstungen zur Steigerung nachhaltiger Paranussproduktion.  

  5. Es wird Unterstützung beim Bau, der Instandsetzung und der Schaffung einer Gemeindetourismusinfrastruktur gewährleistet. 

  6. Aus- und Fortbildungen im Bereich Unternehmensführung, Organisationsbildung, gemeinschaftliche Projekte und Marketing für die Gemeindetourismusaktivitäten werden bereitgestellt. Außerdem gibt es Fortbildungen hinsichtlich Paranussernte, -trocknung, -lagerung und - transport.

  7. Im Jahr 2018 konnten Inventarisierung der aktuellen Paranussbestände in den Schutzgebieten, die Erstellung eines Businessplans und Fortbildungen im kaufmännischen und Marketing-Bereich erreicht werden.

  8. In der Durchführung ist die Installation einer Paranussproduktionsanlage in der Gemeinde Barra de São Manoel, die von dieser geführt wird. Das Trocken- und Lagerhaus ist bereits fertiggestellt. Die Gemeinde kann dadurch etwa 87 Tonnen Paranüsse als Jahresernte bearbeiten. Die Gemeindemitglieder haben diese unter Anwendung der gelernten neuen Hygiene- und Qualitätsstandards getrocknet und gelagert. Anschließend konnten die ersten Einnahmen durch den Verkauf in Apuí und Jacareacanga erzielt werden. Die Tische, Nussknacker usw. für das Weiterverarbeiten der Paranüsse sind gekauft und vor Ort.

Im Rahmen der Covid-19-Pandemie kam es zu ungeplanten Notmaßnahmen, die 2020/2021 durchgeführt werden

  1. Nothilfe für die Bevölkerung, insbesondere die Grundversorgung mit Lebensmitteln: Es werden über 7.000 Familien, bzw. über 30.000 Indigene, traditionelle Gruppen und Notleidende vor Ort, die freiwillig in Isolation leben, für mindestens zwei Monate mit Lebensmittel versorgt. Hierzu werden  knapp 7.000 Notrationen im Projektgebiet verteilt. 

  2. Notausstattung für Gesundheitsbehörden: Das lokale Gesundheitspersonal von zehn Gesundheitsbehörden der Landkreise im Projektgebiet soll mit dem Nötigsten ausgestattet werden. Diese Maßnahmen finden aktuell statt. 

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