Jedes Jahr fliegen Abermillionen Monarchfalter aus Kanada und den USA in die Bergwälder Zentral-Mexikos, um dort zu überwintern – ein beeindruckendes Naturschauspiel. Ihre Zahl ist so gewaltig, dass sich die Äste von Kiefern, Tannen und Zypressen unter dem Gewicht der federleichten Monarchen verbiegen. Der WWF Mexiko prüft jedes Jahr, wie es um die Bestände dieser wunderschönen Schmetterlinge steht und macht auf Gefahren aufmerksam.

Das Video zeigt einzigartige Aufnahmen dieses spektakulären Naturschauspiels: Zu Zehntausenden lassen sich die zarten Falter auf den Ästen der Bäume nieder, die Luft ist erfüllt vom rot-orangem Flügelschlag der Schmetterlinge. Die Aufnahmen lassen erahnen, wie beeindruckend die riesigen Schwärme der Monarchfalter in den Wäldern Zentralmexikos wirken.

So beeindruckend, dass die Ankunft der Tiere für die Menschen in Mexiko seit jeher eine tiefe kulturelle Bedeutung hat: In Mexiko gelten die Monarchfalter als Symbol für die Rückkehr der Seelen Verstorbener. Ihre Ankunft fällt in etwa mit dem „Día de los Muertos“ zusammen – einem Tag, an dem der Verstorbenen gedacht wird.

Wie geht es den Monarchfaltern?

Tausende Monarchfalter (Danaus plexippus) in der Sierra Chincua in Mexiko © Mirabile McDonald / WWF US
Tausende Monarchfalter (Danaus plexippus) in der Sierra Chincua in Mexiko © Mirabile McDonald / WWF US

Mehr als 4.000 Kilometer legen die Monarchfalter auf ihrer Reise nach Mexiko zum Teil zurück. Sie dauert so lange, dass es mehrere Generationen der Falter braucht, die nur wenige Wochen leben, bis die gesamte Population die Reise hinter sich gebracht hat.

Wie genau die Schmetterlinge ihr Ziel finden, ist bis heute nicht vollständig erforscht. Gut dokumentiert ist hingegen, wie es um ihre Bestände steht.

Seit 1993 führt der WWF Mexiko gemeinsam mit indigenen Partner:innen jährliche Bestandsaufnahmen durch. Einzelne Tiere werden dabei nicht gezählt – das wäre angesichts der riesigen Schwärme kaum möglich. Stattdessen messen Naturschützer:innen die Waldfläche, auf der sich die Tiere niederlassen. Sie verteilen sich dabei auf mehrere kleine Waldgebiete.

Die Zahlen der Saison 2025/2026 stimmen vorsichtig optimistisch: Nachdem die Bestände in der Saison 2013/2014 einen historischen Tiefstand erreicht hatten, belegten die Monarchfalter zuletzt wieder insgesamt 2,93 Hektar Waldfläche – ein Plus von 64 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es ist die zweite Saison in Folge, in der die Naturschützer:innen einen Anstieg registrieren.

Das signalisiert zwar eine spürbare Erholung, doch die Population bleibt fragil, denn der langfristige Trend zeigt leider weiterhin nach unten.

„Die Wanderung der Monarchfalter gehört zu den beeindruckendsten Naturschauspielen der Erde. Millionen Tiere legen gemeinsam Tausende Kilometer zurück, ohne dass wir bis heute genau verstehen, wie sie ihr Ziel finden. Der Verlust dieses Phänomens wäre ein irreparabler Schaden für die globale Biodiversität. Es ist ein bedrohtes Wunder, dessen Geheimnisse wir noch nicht entschlüsselt haben.“

Dirk Embert, Lateinamerika-Referent beim WWF Deutschland

Die Monarchfalter bleiben bedroht

Ein Monarchfalter (Danaus plexippus) in der Sierra Chincua in Mexiko
Ein Monarchfalter (Danaus plexippus) in der Sierra Chincua in Mexiko © Mirabile McDonald / WWF US

Vor allem der intensive Einsatz von Herbiziden in der Landwirtschaft und Veränderungen in der Landnutzung setzen den Monarchfaltern zu. Oder besser: der Seidenpflanze – einer Pflanzengattung, die für die Schmetterlinge überlebenswichtig ist. Die Weibchen legen ihre Eier ausschließlich auf ihren Blättern ab. Dort finden die Raupen Nahrung und sind zugleich besser vor Fressfeinden geschützt. Gibt es weniger dieser Pflanzen, fehlt den Schmetterlingen ihre Kinderstube.

Hinzu kommt die Erderhitzung, die die fein abgestimmten Abläufe der Natur durcheinanderbringt. Verschobene Blütezeiten können dazu führen, dass sich auch die Migration verändert oder die Falter ihre Rast- und Nahrungsgebiete zu früh oder zu spät erreichen. Gleichzeitig nehmen Dürren, Stürme sowie ungewöhnliche Kälte- und Hitzeperioden zu – Ereignisse, die die Sterblichkeit der Tiere direkt erhöhen.

„Wir brauchen dringend strengere Regulierungen beim Herbizideinsatz in Nordamerika, mehr nachhaltige Forstwirtschaft in Mexiko und mehr Einsatz für den Klimaschutz. Andernfalls wird die aktuelle positive Entwicklung nur eine kurze Zwischenblüte bleiben, bevor die Populationen erneut in einen kritischen Abwärtstrend rutschen, aus dem es bald vielleicht kein Zurück mehr gibt.“

Dirk Embert, Lateinamerika-Referent beim WWF Deutschland

Wälder schützen, Zukunft sichern

Damit sich auch künftige Generationen vom Flug der Monarchfalter verzaubern lassen können, engagiert sich der WWF Mexiko gemeinsam mit lokalen und indigenen Gemeinden für den Schutz und die Wiederherstellung der Wälder in den Überwinterungsgebieten der Schmetterlinge. Neue Bäume werden gepflanzt und geschädigte Waldflächen wieder aufgeforstet. Denn um die Zukunft der Monarchfalter zu sichern, braucht es gesunde Ökosysteme und entschlossenen Klimaschutz.

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