Auf einer Fläche von rund 2.300 Hektar will der WWF Deutschland entlang der Mittleren Elbe wilde Auenlandschaften wiederherstellen. Der WWF engagiert sich seit Jahren in der Region und hat bereits viele Flächen erworben, die renaturiert werden können: 48 Prozent der Projektfläche sind schon im Besitz des WWF Deutschland.
Durch das Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“ sollen Deutschlands Flüsse und Auen wieder naturnaher werden. So entstehen Lebensräume für Tiere und Pflanzen und Landschaften, die Erholung für uns Menschen bieten. Der WWF setzt im Rahmen dieses Programms das Projekt „Auenrenaturierung an der Mittleren Elbe“ um.
Der WWF verfolgt eine langfristige Vision für die Landschaft an der Mittleren Elbe. Diese Vision bildet die Grundlage für alle Projekte, die der WWF im Rahmen des Bundesprogramms Blaues Band Deutschland durchführt.
So auch im aktuellen Projekt: Das Projektgebiet – und darüber hinaus das gesamte Naturschutzgebiet Mittelelbe zwischen Mulde und Saale – soll zu einem Referenzgebiet für naturnahe Auenlandschaften werden. Es soll beispielhaft zeigen, wie natürliche Auenlandschaften aussehen und funktionieren. Und welchen Wert solche gesunden Landschaften haben – für Mensch, Tier und Natur. Unterstützen Sie das Projekt mit Ihrer Spende und helfen Sie den Tieren, Menschen und der Natur vor Ort.
Ziele des WWF-Projekts an der Mittleren Elbe
Oberstes Ziel ist es, den Zustand der Auen im gesamten Gebiet langfristig so zu verbessern, dass die Auen dort die Zustandsklasse „sehr gering verändert“ erreichen.
Im Rahmen des Projekts sollen dazu unter anderem Auen-Biotope hergestellt werden, eine Extensivierung der Flächennutzung erreicht werden und ein angepasstes Bewirtschaftungsmanagement entwickelt werden. Dazu kommt die Förderung einer nachhaltigen Regionalentwicklung.
Lage: Das Projektgebiet liegt in der Auenlandschaft der Mittleren Elbe, westlich von Dessau und grenzt hier nördlich direkt an die Ortschaft Großkühnau. Es erstreckt sich weiter in westlicher Richtung bis zur Stadt Aken. Nach Norden und Osten wird das Gebiet durch den Flussverlauf der Elbe begrenzt. Es umfasst den Elbabschnitt zwischen den Flusskilometern 262 bis 272 in Fließrichtung, wobei nur die linke Ufer- und Auenseite zum Projektgebiet gehören.
Größe: 2.300 Hektar
Lebensräume: Hartholzauenwald, Weichholzauenwald, Feuchtgrünland, Uferregion (Röhrichtzonen) und Gewässer (Altwasser, Fluss)
Projektträger ist das WWF-Büro Mittelelbe in Dessau, gefördert wird das Projekt durch das Förderprogramm Auen im Bundesprogramm Blaues Band Deutschland des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Vorgängerprojekte waren unter anderem das Naturschutzgroßprojekt „Mittlere Elbe“.
Die Auen der Mittleren Elbe sind bedroht
Große Teile der Auen im Projektgebiet haben laut dem letzten Auenzustandsbericht bereits die Klasse „gering verändert“ erreicht. Langfristig gesichert ist dieser Zustand allerdings nicht. Insbesondere die anhaltende Trockenheit der letzten Jahre sowie langfristige Entwicklungen wie die Klimakrise und die fortschreitende Sohle-Erosion der Elbe stellen erhebliche Gefahren für den derzeitigen Zustand der Auen dar. Die Trockenheit führt unter anderem zu einem sinkenden Grundwasserspiegel, Hochwasserereignisse, die die Auen speisen, werden seltener und die Bäume durch den Trockenstress anfälliger für Schädlinge.
Wenn es doch zu Extremniederschlägen und Hochwasserereignissen kommt, bietet eine intakte Aue wiederum dem Wasser ausreichend Platz zur Ausbreitung. Ähnlich wie bei einem Schwamm wird das Wasser aufgenommen und gespeichert. Dadurch muss weniger Wasser über den Fluss abgeleitet werden. Die Fließgeschwindigkeiten werden reduziert, die Hochwasserlage entspannt und Schäden in flussabwärts gelegenen Gebieten können verringert oder sogar verhindert werden.
Sowohl in den Wäldern als auch in den Grünlandbeständen und den Auengewässern sind bereits jetzt erhebliche Beeinträchtigungen zu verzeichnen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und den Status quo zu erhalten bzw. den Zustand langfristig sogar weiter zu verbessern, braucht es geeignete Maßnahmen – und die Akzeptanz in der Bevölkerung.
Das Wissen um den Wert naturnaher Auen muss in der Gesellschaft verankert werden. Deshalb bezieht der WWF im Projekt „Auenrenaturierung an der Mittleren Elbe“ die lokalen Akteur:innen von Anfang an mit ein. Die Menschen und Entscheidungsträger:innen vor Ort gestalten mit und werden direkt am Projekt beteiligt. Dazu gehört auch die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung der Region und den Tourismus und die Menschen vor Ort mit einzubinden.
Lust mehr zu erfahren? Hier geht`s zu unseren Veranstaltungen
- Flussauen und ihre Tierwelt - eine Wanderung
Wanderung in der Auenlandschaft
Wanderweg Großkühnau an der mittleren Elbe © Bernd Eichhorn / WWF Zusammen entdecken wir besondere Tiere der Elbauen und was die Landschaft hier so wertvoll macht. Wie sieht ein Biberrevier aus? Wie unterscheide ich See- und Fischadler? Woran erkenne ich eine Wildkatze und was macht der Dachs bei uns im Wald? Diese und viele weitere spannende Fragen könnt ihr mit zur Wanderung bringen!
Wann?
Sonntag 19.04.2026, 9 Uhr bis 13 Uhr
Wo?
Wir starten in Großkühnau, am Parkplatz Burgreinaer Straße, Ecke Friedrichsplatz.
Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Wir bitten um Voranmeldung via event-dessau@wwf.de
- Fahrradexkursion ab Aken
Lödderitzer Forst an der mittleren Elbe © Ralph Frank / WWF Der malerische Lödderitzer Forst ist zurück aus dem Winterschlaf und freut sich darauf zu zeigen was in ihm steckt. Lange Zeit vom Hauptstrom der Elbe abgetrennt, wurde er vor zwei Jahren endlich wieder mit frischem Wasser versorgt. Dank der Deichrückverlegung sind die Lebensräume nun wieder mit dem Fluss vernetzt. Was das für Folgen hat und wie es dem Deich in den letzten Jahren ergangen ist, das erfahrt ihr hier.
Wir fahren eine Rundstrecke durch die Natur der Auenwälder im Lödderitzer Forst und kommen nach etwa 20km wieder in Aken an.
Wann?
Samstag 16.05. 2026, 10 Uhr-13 Uhr
Wann?
Fähre Aken
Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Wir bitten um Voranmeldung via event-dessau@wwf.de
- Was uns Wiesen alles erzählen können
Orchidenwiese an der mittleren Elbe © Mirko Pannach / WWF Was wächst da vor unserer Haustür? Gemeinsam mit einem Botaniker lassen sich jede Menge interessante Pflanzen auf den Wiesen der Elbaue entdecken. Egal ob Alant oder Kuckucks-Lichtnelke, hier wachsen jede Menge spannender Arten mit noch spannenderen Geschichten.
Wann?
31.5.2026, 10-12 Uhr
Wo?
Großkühnau am Parkplatz Burgreinaer Straße Ecke Friedrichsplatz
Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Wir bitten um Voranmeldung via event-dessau@wwf.de
- Im Reich des Elbebibers
Biber an der mittleren Elbe © Thomas Stephan / WWF Wusstet ihr, dass an der Mittleren Elbe die letzten Elbebiber überlebt und so das Aussterben ihrer Art verhindert haben? Mehr als 30 Jahre intensive Schutzbemühungen haben zu einer Stabilisierung der Population an einem der größten Flüsse Europas geführt. Mittlerweile gibt es unzählige spannende Geschichten aus dieser Zeit zu erzählen. Von Anfang an mit dabei gewesen ist Peter Ibe, erster amtlicher Ranger der DDR.
Wann?
Sonntag, 7.6.2026, 10-12 Uhr
Wo?
Steckby, Ecke Steutzer Str./Am Pfaffensee
Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Wir bitten um Voranmeldung via event-dessau@wwf.de
- Schule der Naturentdecker
Fuchs-Spuren im Sand © Christopher Snape / iStock / GettyImages In Zusammenarbeit mit dem Ferienspaß der Stadt Dessau-Roßlau bieten wir auch dieses Jahr wieder eine Schule der Naturentdecker von 8-12 Jahren an. Kommt zu uns ins Vor-Ort Haus und lernt alles über Tierspuren, Papier schöpfen, Mimikry und Mimose.
Wann? Mittwoch 22.7.2026, 8-15 Uhr
Wo: Vor-Ort Haus, Dessau-Roßlau
Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Wir bitten um Voranmeldung via event-dessau@wwf.de
- „Du Schleimkopf“ – und andere Beleidigungen aus dem Wald
Pilze Wilde Elbe © Melissa Friebe / WWF Herbstzeit ist Pilzzeit. Kommt mit nach draußen und lernt spannende Dinge über die leckeren Funde am Wegesrand - bei der geführten Pilzwanderung mit der Pilzsachverständigen aus Dessau-Roßlau.
Wann?
Samstag 17.10., 12-14 Uhr
Wo?
Großkühnau am Parkplatz Burgreinaer Straße Ecke Friedrichsplatz
Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Wir bitten um Voranmeldung via event-dessau@wwf.de
Naturnahe Auen an der Mittleren Elbe – wie das gelingt
Doch wie erreicht der WWF nun das Ziel, die Auen an der Mittleren Elbe zu erhalten und ihren Zustand zu verbessern und langfristig zu sichern?
Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick
- Flutrinne anbinden
Ziel dieser Maßnahme ist es, zwei Flutrinnensysteme wiederherzustellen. Sie fördern die Vernetzung des Flusses mit der Aue und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Auenzustands sowie eines naturnahen Abflusses der Elbe. Es ist die Hauptmaßnahme im Projekt.
- Weichholzauen-Standorte wiederherstellen
Weichholzauen sind an der Mittleren Elbe nur noch reliktartig ausgeprägt, aber essenziell für eine naturnahe Auenlandschaft. Deshalb soll auf einer Fläche von etwa 14 Hektar ein großflächiges, dynamisch überflutetes und reich strukturiertes Mosaik aus Baum- und Strauchweiden sowie anderen für Weichholzauen typischen Pflanzenarten entstehen. Auf vier Hektar wird als Intitialpflanzung neuer Weichholzauenwald angelegt.
- Entwässerungssysteme anpassen
Für die nachhaltige Entwicklung und Sicherung von Auenwiesen und Feuchtlebensräumen muss der Wasserhaushalt großflächig verbessert werden. Denn diese Lebensräume sind zunehmend von Austrocknung betroffen. Das derzeitige Entwässerungssystem wirkt sich weiter negativ auf die Auenwiesen und Feuchtgebiete aus, deshalb soll großflächig wieder ein günstiger Wasserhaushalt hergestellt und Wasser in der Landschaft gehalten werden.
- Kleingewässer anlegen
Unter anderem durch gezielte Abgrabungen soll ein Biotopkomplex aus Röhricht-, Hochstauden- und Feuchtwiesenbereichen entstehen, der von etwa 25 Kleingewässern und Flutmulden durchzogen wird. So entsteht wertvoller Lebensraum für Arten wie Rotbauchunke und das Tüpfelsumpfhuhn.
- Auengrünland entwickeln
Im Projektgebiet gibt es 120 Hektar Auengrünland, das unterschiedlich bewirtschaftet wird. Es soll mit Hilfe verschiedener Maßnahmen aufgewertet und angepasst bewirtschaftet werden. Um das zu erreichen, wird ein Grünland-Entwicklungskonzept erarbeitet: So werden unter anderem standorttypische Pflanzen gesät; und das Gebiet soll von Schafen und Rindern zur Landschaftspflege beweidet werden.
- Altgewässer renaturieren
Ziel dieser Maßnahme ist es, durch Entnahme eines Wegedammes, der durch das Altgewässer Obersee / Untersee verläuft, die ökologische Verbindung zwischen beiden Gewässerteilen vollständig wiederherzustellen.
- Mehr Hartholzauenwald schaffen
Auf einer Fläche von etwa drei Hektar soll neuer Hartholzauenwald entstehen. Vorgesehen sind vor allem Stiel-Eichen, aber auch Wildobstbäume sowie auentypische Staucharten wie Schlehe, Weißdorn und Hartriegel. Außerdem gibt es im Projektgebiet zahlreiche forstlich geprägte Waldbestände, darunter auch etwa sechs Hektar nicht standortgerechte Kiefern-Monokulturen. Davon sollen etwa 3,5 Hektar in gesunden und artenreichen Auenwald umgewandelt werden.
Umsetzung der ersten landwirtschaftlichen Maßnahme zur Entwicklung von Auengrünland
„Es reicht nicht mehr, nur Naturschutz zu wollen. Deshalb schützen wir mit dem 'Blauen Band' die Natur entlang der Mittleren Elbe. Viele seltene Arten und Lebensräume haben hier ein Zuhause gefunden, das man im dicht zersiedelten Deutschland lange suchen muss.“
Florian Kaduk vom WWF-Büro Mittelelbe
Weitere Informationen und Downloads
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Auen: Artenreichtum entlang der Flüsse -
Auenwiesen Mittlere Elbe -
Naturschutzgroßprojekt Mittlere Elbe