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Stand: 02.07.2018

Ein Naturparadies im Herzen Deutschlands

Seit 2001 engagiert sich der WWF an der Mittleren Elbe. Es ist das größte Projekt des WWF in Deutschland. Mit dem durch die EU geförderten "Life+ Projekt" in den Elbauen bei Vockerode wird dieses Engagement in dem Natura 2000-Gebiet erweitert.

LIFE+ NATUR-Projekt „Elbauen bei Vockerode

Das rund 800 Hektar große Projektgebiet liegt im Biosphärenreservat Mittelelbe zwischen Dessau und Vockerode in Sachsen-Anhalt und ist wesentlicher Bestandteil des einzigartigen Weltkulturerbes „Gartenreich Dessau-Wörlitz“. Hier gibt es noch Auenwälder und Auewiesen mit ihren Solitäreichen und den Altarmen des Elbelaufs – Lebensraum und Rückzugsmöglichkeit für viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Das ganze Gebiet ist geprägt durch das Hochwasserregime der Elbe und der Mulde. 

Fünf Jahre nach der Flut: Naturschutz Hand in Hand mit Hochwasserschutz

Das EU LIFE+Projekt „Elbauen bei Vockerode“ im Biosphärenreservat Mittelelbe feiert seinen Abschluss

Berlin, Dessau-Roßlau 06.06.2018: Vor fast genau fünf Jahren erreichte das letzte extreme Hochwasser mit 7,33 m am Pegel in Dessau seinen Höchststand. Auch den Bewohnerinnen und Bewohnern rund um Vockerode boten sich 2013 beängstigende Bilder von großen, überfluteten Flächen hinter den Deichen. Heute ist das kleine Dorf viel besser geschützt und auf den gleichen Flächen flattern seltene Schmetterlinge über bunte Auenblumen und die Laubfrösche quaken. Diese Artenvielfalt ist das Ergebnis des vom WWF und seinen Partnern umgesetzten EU LIFE+Projekts „Elbauen bei Vockerode“, das am 06. und 07. Juni seinen Abschluss feiert.

„Ökologischer Hochwasserschutz braucht langen Atem, er ist jedoch der beste Weg um Mensch und Natur langfristig zu sichern. Dieses Projekt ist Vorreiter für diese wichtige Entwicklung“, sagt Prof. Dr. Diana Pretzell, Leiterin Naturschutz Deutschland beim WWF. Der Erfolg sei vor allem der guten Zusammenarbeit zu verdanken, wie sie weiter ausführt: „Naturschutz und Hochwasserschutz müssen Hand in Hand gehen und die Politik sowie Landwirte, Waldbesitzer und Anwohner aktiv in die landschaftliche Umgestaltung einbezogen werden.“ Während der Projektlaufzeit errichtete der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt einen neuen Deich unter Nutzung des Autobahndamms der A9. Der alte, zu niedrige Gatzer Bergdeich wurde geöffnet und gibt der Elbe bei hohen Wasserständen nun wieder mehr Raum. Gleichzeitig schuf der WWF vielfältige Lebensräume für seltene und bedrohte Pflanzen und Tiere. Auf dem früheren Acker entstanden Auenwiesen, -wälder und -gewässer. Die Landwirtschaft passte die Nutzung an: Überflutungen richten nun keinen Schaden mehr an. Und bei allem hatten auch die Belange des UNESCO Weltkulturerbes Gartenreich Dessau-Wörlitz hohe Priorität.

Das Hochwasser von 2013 half bei dem Projekt sogar ein bisschen mit: Dort, wo der Deich damals brach, sollte er ohnehin entfernt werden. Das Wasser bahnte sich also auf natürliche Weise seinen Weg auf die heutigen Auenflächen. “Hochwasser können sich nun im Biosphärenreservat Mittelelbe auf weiteren 212 Hektar ausbreiten. Gleichzeitig haben wir zusätzlichen Lebensraum für selten gewordene Tiere und Pflanzen wiederhergestellt und gesichert“ freut sich die Umweltministerin von Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Claudia Dalbert. „Das Projekt ist Bestandteil der Hochwasserschutzkonzeption 2020 des Landes und dient als Vorbild für die 27 potenziellen Maßnahmenstandorte im Hochwasserschutzprogramm ‚Mehr Raum für unsere Flüsse‘. Wir werden die zahlreichen guten Erfahrungen nutzen, um weitere Auenflächen umzugestalten und zu gewinnen und Sachsen-Anhalt so zu einem Vorbild für naturgerechten Hochwasserschutz machen.“

Impressionen der Abschlussfachtagung

Abschlussfachtagung: im Vordergrund v.l. Frau Dalbert, Herr Puhlmann, Frau Mang, Herr Rast © Mirko Pannac
Abschlussfachtagung: im Vordergrund v.l. Frau Dalbert, Herr Puhlmann, Frau Mang, Herr Rast © Mirko PannacLupe
Abschlussfachtagung: Frau Prof. Dr. Claudia Dalbert und Frau Prof. Dr. Diana Pretzell © Mirko Pannac
Abschlussfachtagung: Frau Prof. Dr. Claudia Dalbert und Frau Prof. Dr. Diana Pretzell © Mirko PannacLupe
Abschlussfachtagung: v.l. Herr Puhlmann, Frau Dalbert, Frau Mang © Mirko Pannac
Abschlussfachtagung: v.l. Herr Puhlmann, Frau Dalbert, Frau Mang © Mirko PannacLupe
Abschlussfachtagung: v.l. Herr Behrens, Frau Schuboth, Frau Musiol, Frau Baasch, Frau Eichhorn, Herr Ziegler © WWF
Abschlussfachtagung: v.l. Herr Behrens, Frau Schuboth, Frau Musiol, Frau Baasch, Frau Eichhorn, Herr Ziegler © WWFLupe
Abschlussfachtagung: v.l. Frau Pretzell, Herr Henning, Herr Rast, Herr Puhlmann © Mirko Pannac
Abschlussfachtagung: v.l. Frau Pretzell, Herr Henning, Herr Rast, Herr Puhlmann © Mirko PannacLupe
Abschlussfachtagung: Exkursion auf der Auenwiesenentwicklungsfläche © WWF
Abschlussfachtagung: Exkursion auf der Auenwiesenentwicklungsfläche © WWFLupe
Abschlussfachtagung: Exkursionsteilnehmer © WWF
Abschlussfachtagung: Exkursionsteilnehmer © WWFLupe
 
 
© Bernd Eichhorn / WWF
© Bernd Eichhorn / WWF

Die wichtigsten Projektvorhaben sind:

1. Erwerb der Ackerflächen im derzeitigen Polder und deren Umwandlung in Auengrünland (u.a. Brenndolden-Auenwiesen);

2. Wiederbewaldung von 10 Hektar Ackerfläche zu naturnahem, sehr lichtem Auenwald unterschiedlicher Waldgesellschaften für licht- und wärmebedürftige Käfer- und Schmetterlings-Arten (beispielsweise Heldbock, Eremit, Hirschkäfer);

3. Umwandlung von Waldbeständen, welche aus nicht heimischen Baumarten bestehen (Rotesche und Hybridpappel) in standortgerechte Wälder;

4. Schaffung von Feuchtgebieten innerhalb des heutigen Polders als auch im Bereich der künftigen Schlitzung des Gatzer Bergdeiches zur Förderung bestimmter Amphibien (etwa der Rotbauchunke) und Vogelarten (wie dem Kranich);

5. Tieferlegung eines verlandeten Altarmes zur Schaffung einer größeren, nahezu ganzjährigen Wasserfläche und damit eine Verbesserung des Lebensraumes für Fisch- und Seeadler, Rot- und Schwarzmilan, aber auch für verschiedene Fischarten, wie Schlammpeitzger oder Amphibienarten wie Rotbauchunke;

6. Zur Information der Gebietsbesucher wird ein Auenlehrpfad angelegt.

 

Durch den Projektpartner Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) werden parallel folgende Maßnahmen durchgeführt:

1. Schlitzung des „Gatzer Bergdeiches“, auch „Vasenwall“ genannt, und damit Schaffung eines zusätzlichen natürlichen Hochwasserrückhalteraumes von einer Größe von 212 Hektar als Vorhaben der Hochwasserschutzkonzeption Land Sachsen-Anhalt;

2. Ertüchtigung des bestehenden Autobahndammes der A9.  

Abziehendes Hochwasser von der Ackerfläche im LIFE+ Projektgebiet, Juni 2013 © WWF
Abziehendes Hochwasser von der Ackerfläche im LIFE+ Projektgebiet, Juni 2013 © WWF

Ein Projekt dieser Größe kann nur durch die Zusammenarbeit vieler Projektpartner realisiert werden. Als (Haupt-)Projektpartner konnte der WWF Deutschland den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW) und die Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe gewinnen, die sich auch mit eigenen finanziellen Beiträgen an der Umsetzung beteiligen. Weitere wichtige Projektpartner sind die Kulturstiftung DessauWörlitz, welche über die davon betroffenen Auenwälder verfügt, die Gemeinde Vockerode, die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH, die Agrargenossenschaft Wörlitz eG, der Landkreis Wittenberg und die Stadt Dessau-Roßlau. 

Finanzierungselement LIFE
Zur Förderung von Umweltmaßnahmen hat die EU im Jahr 1992 das Finanzierungsinstrument LIFE (L´Instrument Financier pour I´Environnement) eingerichtet. Mit LIFE-Natur werden Sicherungs-, Schutz- und Erhaltungsziele in NATURA 2000-Gebieten umgesetzt werden. LIFE+ war die Förderphase von 2007 bis 2013. In diesem Jahr kann das Förderprogramm auf eine 25-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken.

Bundestagsabgeordnete Bündnis90/Die Grünen besuchten im August 2017 das LIFE+ Projekt
Im Rahmen Ihrer Sommertour besuchte Frau Steffi Lemke, Bundestagsabgeordnete Bündnis90/Die Grünen gemeinsam mit Anton Hofreiter, den Vorsitzenden der Grünen Bundestagsfraktion das WWF LIFE+ Projekt im Raum Vockerode. Die beiden haben sich am Montag, 14. August 2017 im Projektgebiet „Elbauen bei Vockerode“ umgeschaut und sich die umgesetzten Maßnahmen im Rahmen der LIFE-Förderung erläutern lassen.

Anton Hofreiter und Steffi Lemke (Bündnis90/Die Grünen) im Gespräch mit Georg Rast und Carola Schuboth WWF
Elbe: Treffen mit Buendnis90/Die Gruenen © WWF

App "Biosphärenreservat Elbe"

Lernen Sie mit dieser App das EU LIFE+ Projekt "Elbauen bei Vockerode" des WWF näher kennen. Auf einem 4,2 Kilometer langen Rundweg erfahren Sie an über 14 Stationen alle Details und Wissenswertes zum Projekt.

Mit einer App auf Entdeckungstour

Für das Projekt LIFE+ „Elbauen bei Vockerode“ wurde im April 2016 ein Lehrpfad eingerichtet. Drei Tafeln an den Eingängen ins Projektgebiet geben einen Überblick über die wesentlichen Umsetzungsmaßnahmen zur Renaturierung der Flussaue. Details zum Projekt sowie zur Natur- und Kulturausstattung des Gebietes enthält die neu eingerichtete App „Biosphärenreservat Elbe“, die jedermann kostenfrei zur Verfügung steht. Für die Besucher auf dem Elberadweg besteht die Möglichkeit, sich der Entdeckungstour von Biberopa Max und seiner Enkeltochter Minna anzuschließen. Gemeinsam durchstreifen sie einen geheimnisvollen Auenwald inmitten einer einzigartig gestalteten Landschaft. Auf der ca. vier km langen Rundtour gibt es in der heimischen Pflanzen- und Tierwelt viel zu entdecken und so manches Geheimnis zu erfahren.

Umwandlung von Acker in Auenwiesen
Ab Oktober 2013 begann die schrittweise Umwandlung von ca. 45 ha Ackerfläche in Auengrünland. Dazu werden die Offenlandflächen, die der WWF D im Rahmen der Umsetzung des LIFE+ Projektes zum überwiegenden Teil erworben hat, der ackerbaulichen Nutzung entzogen und mit Mahd- und Saatgut von Gräsern und Kräutern bestückt. Dieser Prozess wurde sukzessiv fortgeführt. Seit Herbst 2016 steht die gesamte Offenlandfläche für eine hochwasserverträgliche und auentypische Nutzung zur Verfügung. Letztmalig wurde im September 2017 aktiv Samenmaterial von Auengrünlandpflanzen auf die ehemalige Ackerfläche aufgebracht.

Aufforstungsfläche mit Wildrettungshügel © WWF
Aufforstungsfläche mit Wildrettungshügel © WWF

Umwandlung von Ackerland in Hartholzauenwald 
Zeitlich parallel laufend zur Umwandlung von Acker in Auengrünland wurden ab Oktober 2013 erste Maßnahmen zur Entwicklung eines Auenwaldes umgesetzt. Ziel ist es Voraussetzungen zu schaffen, damit sich auf 7 ha Ackerfläche ein für die Flussauenlandschaft des Biosphärenreservats Mittelelbe typischer Hartholzauenwald entwickeln kann. Eine Waldentwicklung hin zu einem typischen Hartholzauenwald mit standortheimischen Baumarten auf natürlichem Wege, d.h. durch eigenständige Verjüngung und Verbreitung der heimischen Baumarten dauert viele, viele Jahre. Um dies zu beschleunigen wurden unterstützend Initialpflanzungen vorgenommen. Besonderer Wert wurde und wird dabei auf die Verwendung von Saat- und Pflanzgut heimischer Baumarten gelegt. Gleichzeitig kann die Entwicklung der für die Region typischen Stieleichen gefördert werden.

Waldumwandlungsmaßnahmen
Die Waldumwandlungsmaßnahmen, d.h. der Umbau von Beständen mit nichtheimischen Baumarten in standortheimischen Hartholzauenwald, begannen schon im Jahr 2010 und wurden sukzessiv bis 2015 fortgeführt. Durch die flächige Entnahme von Hybridpappeln entstanden Auflichtungen, die mit Baumarten der Hartholzaue bepflanzt wurden. Mit den Pflanzungen im Spätherbst 2015 sind die Waldumwandlungsmaßnahmen nun im Wesentlichen abgeschlossen.

Auch die Aufwertung und Anpassung von Beständen im vorhandenen Waldgebiet der erweiterten Überflutungsfläche konnte im Spätherbst 2015 mit Pflanzungen von Stieleiche, Flatterulme und z.T. Winterlinde zum Abschluss gebracht werden. Unter Berücksichtigung eines Anteils an Alt- und Totbäumen der Hauptbaumarten und der aufkommenden Naturverjüngung wurden auf weiteren 15 ha Waldwirtschaftsfläche ausgewählte Bereiche aufgelichtet und gezielt bepflanzt.

Alle Pflanzmaßnahmen unterliegen einer dreijährigen Anwuchspflege.

Bundesumweltminister informierte sich über Deichrückverlegung
Der Bundesumweltminister Peter Altmaier besuchte am 18. Juni 2013 das Projektgebiet. Gemeinsam mit dem Landesumweltminister Hermann Onko Aeikens informierte er sich über die Maßnahmen im Zuge der Deichrückverlegung. Weiterlesen >>

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