Im Rahmen eines Renaturierungsprojektes an der Mitternacher Ohe kaufte der Landesfischereiverband Bayern e.V. ab 2001 sukzessive die Wasserrechte an den Wasserkraftwerken „Zehrer Mühle“, „Mitternacher Mühle“ und „Hiaslmühle“ auf und baute die Stauanlagen zurück. Damit kann seit 2016 die Mitternacher Ohe wieder frei fließen. Alle Fischarten können nun von der Großen Ohe bis in die Oberläufe der Mitternacher Ohe ungehindert flussauf- und abwärts wandern.

Die Besonderheiten der Mitternacher Ohe

Große Ohe und Mitternacher Ohe © Landesfischereiverband
Große Ohe und Mitternacher Ohe © Landesfischereiverband

Die Mitternacher Ohe entspringt in der Gemeinde Schönberg im Landkreis-Freyung Grafenau im Bayerischen Wald und mündet nach ca. 9 km Lauflänge in die Große Ohe. Diese ist wiederum über die Ilz mit der Donau bei Passau verbunden. Das Gewässer zeichnet sich durch einen naturnahen Uferbereich und eine hohe Strukturvielfalt aus. Sie wird dem Fließgewässertyp „Grobmaterialreiche silikatische Mittelgebirgsbäche“ und hinsichtlich der Leitfischarten der unteren Forellenregion zugeordnet. Zum Zeitpunkt der Projektumsetzung befanden sich an der Mitternacher Ohe jedoch drei Wasserkraftanlagen, welche nicht oder nur teilweise durchgängig waren. Zwischen Mitternacher Ohe und Großer Ohe gab es keine Barrieren, jedoch wieder mehrere davon in der Ilz. Selbst nach den Rückbauten der drei Wehre an der Mitternacher Ohe ist ein freier Aufstieg der Fische von der Donau in die Oberläufe weiterhin nicht möglich (Hanfland et al. 2006). Auf dem Weg von der Donau über die Ilz bis zur großen Ohe blockieren noch sechs nicht oder nur teilweise durchgängige Wehre an Wasserkraftanlagen den Weg der Fische.

Zusätzliche freie Flusskilometer

17 km

Maßnahmenträger

Landesfischereiverband Bayern e.V.

Gewässertyp

Typ 5: Grobmaterialreiche, silikatische

Mittelgebirgsbäche

WRRL Bewertung Ökologischer Zustand

mäßig

WRRL Teilbewertung Makrophyten/Phytobenthos

mäßig

WRRL Teilbewertung Makrozoobenthos

gut

WRRL Teilbewertung Fische

sehr gut

Das Kraftwerk „Zehrer Mühle“

Abbruch des Wehrs Mitternacher Ohe © Landesfischereiverband
Abbruch des Wehrs Mitternacher Ohe © Landesfischereiverband

Genaue Angaben liegen lediglich zur Wasserkraftanlage „Zehrer Mühle“ vor. Diese hatte eine Ausbauleistung von 49 kW und eine Fallhöhe von 4,5 m (genehmigt 5,2 m) sowie eine im Wasserrechtsbescheid festgeschriebene Restwassermenge von 250 l/s. Im Wasserrechtsbescheid von 1983 war genehmigt, die Mitternacher Ohe aufzustauen und aus dieser bis zu 1,2 m3/s auszuleiten. Die Jahreserzeugung betrug in den Jahren 1999 und 2000 durchschnittlich 184.243 kWh. Entsprechend der Kenndaten wurde ein Wertermittlungsgutachten durch einen öffentlich bestellten (öbV)-Sachverständigen für das Wasserrecht erstellt. Finanziert wurde der Kauf zu 85 % aus Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds, zu 5 % aus Mitteln der Fischereiabgabe, sowie zu 10 % aus Eigenmitteln der Fischerei (Hanfland et al. 2006).

Erzielte Erfolge durch den bisherigen Rückbau

Mit dem Rückbau der drei Wasserkraftanlagen können nun Fische und alle anderen Wasserlebewesen wieder von der Ilz bis zum Oberlauf der Mitternacher Ohe auf ca. 17 km frei wandern. Somit können insbesondere Fischarten wie die Forelle und Äsche wieder eine Vielzahl von Habitaten erreichen und damit den ganzen Lebenszyklus vom Ablaichen, über die Jungstadien bis zu den Adulten Fischen vollziehen.

Schon nach dem ersten Rückbau an der Zehrer Mühle zeigten sich bald Erfolge. Schon 2005 hatte sich die Fischartenzahl in den Referenz- und Ausleitungsstrecken um 80 % bzw. 100 % erhöht im Vergleich vor dem Rückbau 2002. Auch die Fischbiomasse und die Anzahl der gefangenen Fische hat sich in diesem Zeitraum um den Faktor 1,9 bzw. 1,8 erhöht (Hanfland et al. 2006). Für die Zeiträume nach den beiden weiteren Rückbauten wurden noch keine Monitoringergebnisse veröffentlicht. Frappierend ist jedoch die Verbesserung der Zustandsbewertung gemäß Wasserrahmenrichtlinie. Von einem zuvor „mäßigen“ Zustand der Komponenten Fische verbesserte sich die Bewertung ab 2015 auf „sehr gut“. Dies war 2015 nur an 13 der etwa 900 Fließgewässerkörper in Bayern der Fall. Der Gesamtzustand der Mitternacher Ohe lag 2015 aufgrund der „mäßigen“ Bewertung der Komponenten „Makrozoobenthos“ jedoch dennoch nur bei „mäßig“ (Landesamt für Umwelt Bayern 2020).

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