Bayerns Flüsse und Bäche werden von zahlreichen Querbauwerken wie Wehren, Abstürzen oder Sohlschwellen zerschnitten. Diese Querbauwerke behindern nicht nur die Wanderung von Fischen, sondern zerstören auch typische Flusslebensräume und verhindern den Transport von Geschiebe, dem natürlichen „Flussbaumaterial“. Der WWF will das ändern!

Der Wettbewerb „Werden Sie Flussbefreier“

Deutsche Postcode Lotterie

Unter dem Motto „Werden Sie Flussbefreier“ konnten sich Kommunen, Besitzer:innen von Kleinwasserkraftwerken und Verantwortliche aus der Wasserwirtschaft von Februar bis Mai 2023 mit Vorschlägen für konkrete Rückbauprojekte bewerben. Eine international besetzte Jury wählte im Juli 2023 drei Leuchtturmprojekte in Bayern aus, die jeweils mit bis zu 30.000 Euro von der Deutschen Postcode Lotterie, zu kleineren Anteilen auch von der PSD Bank München und der Heizungsfirma Vaillant gefördert werden. Eins der drei bayerischen Pilotprojekte liegt an der Pegnitz in Franken.

Umbau der Stauanlage Hainbronn an der Pegnitz

Die Pegnitz ist ein klassischer Mittelgebirgsfluss in Franken. Ihre Quelle befindet sich in der Stadt Pegnitz am Osthang des Schloßbergs. Nach einem fast 113 Kilometer langen Lauf vereint sie sich in Fürth mit der linken Rednitz zur Regnitz. Unter anderem wegen der vielen Querbauwerke und Sedimenteinträgen aus der Landwirtschaft wird der ökologische Zustand des Gewässers als „mäßig“ eingestuft. Trotzdem gibt es hier noch diverse ökologisch anspruchsvolle Fischarten wie Äsche, Bachforelle, Döbel oder Mühlkoppe. Die rückzubauende Stauanlage, ein ökologisch nicht durchgängiges Wehr im Besitz der Stadt Pegnitz, liegt im Oberlauf, etwas südlich der Stadtgrenze.

Wehr an der Pegnitz © Anne Schmitt
Wehr an der Pegnitz © Anne Schmitt

Das Wehr hatte noch vor Jahrzehnten dem Ortsteil Hammerbühl zur Wasserversorgung gedient. Vom rund 100 Jahre alten Wehr verlief ein etwa 330 Meter langer unterirdischer Kanal zu einem 1926 errichteten Pumphäuschen. Von dort wurde das Wasser mit einer turbinengetriebenen Pumpe in einer Rohrleitung 430 Meter nach Hammerbühl gepumpt. Mittlerweile wird die Wasserversorgung anderweitig sichergestellt. Das Pumphäuschen wurde im Jahr 2000 abgerissen, während das Wehr noch immer den Weg der Fische blockiert. Das Wehr und das Pumphäuschen gehörten dem „Wasserversorger Pegnitzgruppe“, der bereits Ende der 1990er Jahre aufgelöst wurde. Rechtsnachfolger ist die Stadt Pegnitz, die aufgrund vieler anderer Aufgaben nicht in erforderlichem Maße in den Gewässerschutz investieren kann. Mit dem über den Wettbewerb finanzierten Wehrrückbau soll nun der Erwärmung der Pegnitz entgegengewirkt und die Verschlammung des Flusses oberhalb des Wehres verringert werden.

Renaturierung an der Pegnitz

Das Renaturierungsprojekt wurde unter anderem deshalb zur Finanzierung ausgewählt, weil Stadträtin Susanne Bauer (Grüne) aus Pegnitz den Wehrrückbau angestoßen hatte. Beim „Main FlussFilmFest“ des Vereins „Flussparadies Franken e.V.“ im März 2023 hatte sie Filme über den Zustand der Flüsse, beziehungsweise die Wirkung von Querbauwerksrückbauten gesehen, dazu den Werbeclip zum WWF-Flussbefreier-Wettbewerb. Die Option der Geldakquise über den Wettbewerb veranlasste Bauer dazu, aktiv zu werden und sich nach ungenutzten Barrieren in ihrer Stadt umzuschauen. Sie wurde fündig, bei der ungenutzten Stauanlage Hainbronn. Die Einreichung hat die Jury überzeugt und nachdem Frau Bauer mit ihrer Bewerbung beim Wettbewerb Erfolg hatte, hat der Pegnitzer Bürgermeister Nierhoff bei der Übergabe der Gewinner-Urkunde in Aussicht gestellt, nach möglichen weiteren Renaturierungsprojekten an der Pegnitz Ausschau zu halten. Ein Pilotprojekt also, das möglicherweise weitere Kreise im Sinne des Gewässerschutzes zieht.

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