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Stand: 03.09.2019

Hwange-Nationalpark - Paradies der Elefanten

Im äußersten Westen des Landes, nur einen Steinwurf von den weltberühmten Victoriafällen entfernt, erstreckt sich das größte Schutzgebiet Simbabwes: Der Hwange-Nationalpark. Hwange beheimatet nicht nur eine gewaltige Vielfalt bedeutender Tier- und Pflanzenarten – der Park ist auch elementarer Bestandteil des Kavango-Zambesi-Schutzgebiets-Netzwerks, kurz KAZA. Es ist das mit Abstand größte terrestrische, grenzüberschreitende Schutzgebiets-Netzwerk der Erde.

Die Elefanten im Hwange-Nationalpark sind vielen Gefahren ausgesetzt © Patrick Bentley / WWF-US
Die Elefanten im Hwange-Nationalpark sind vielen Gefahren ausgesetzt © Patrick Bentley / WWF-US

Hauptattraktion des Hwange-Nationalparks sind zweifellos die vielen Afrikanischen Elefanten, die in eingeschworenen Familienverbänden durch die Savanne streifen. Mit einem aktuellen Bestand von über 45.000 Exemplaren wird Hwange völlig zu Recht „Elefanten-Paradies“ genannt.

Im Hwange-Nationalpark gibt es keine permanenten natürlichen Oberflächenwasser. Einige wenige fossile Flüsse und saisonale Wasserlöcher halten das Wasser aus der Regenzeit nur temporär – somit bestimmen ausgetrocknete Flussbetten, auch Vleis genannt, sowie Böden aus Kalaharisand das Landschaftsbild. Um Wildtiere dauerhaft in dem Gebiet anzusiedeln, wurden in den 1930iger Jahren, wenige Jahre nach der Eröffnung des Parks, circa 60 künstliche Wasserstellen geschaffen. Heute sind viele von ihnen wieder funktionsfähig und helfen den Tieren durch die monatelangen Trockenperioden.

Eine weitere Besonderheit ist die sehr große „Wilderness-Zone“ im Südwesten des Parks. Dieses Gebiet wird der Natur überlassen und soll den Wildtieren Ruhe vor dem Menschen gewähren. Für den Tourismus wiederum ist der nördliche Abschnitt des Parks zugänglich. Die Besucher schätzen die Weitläufigkeit des Parks: Abseits vom Massentourismus, wie in manch anderem Park, fühlt man sich im Hwange-Nationalpark der afrikanischen Wildnis besonders nah.

Grausame Giftanschläge

Der Lebensraum wird knapp im Paradies Hwange © Richard Krieberg
Der Lebensraum wird knapp im Paradies Hwange © Richard Krieberg

Die Gier nach Elfenbein macht auch vor einem Elefanten-Paradies keinen Halt. Und das bekamen im Jahr 2013 gleich 81 Elefanten auf einmal zu spüren: Sie starben bei einer Massentötung durch Zyanid. Und obwohl dies nicht der erste Fall eines Vergiftungsanschlags war, erschütterte sein Ausmaß die ganze Welt und hob die Wilderei auf ein nie dagewesenes, grausames Niveau. Wilderer hatten diverse Wasserstellen im Hwange-Nationalpark mit der hochtoxischen Säure vergiftetet, um sich anschließend an den Kadavern der qualvoll verendeten Dickhäuter zu bedienen. Auch unzählige andere Tiere, die von dem kontaminierten Wasser getrunken oder das Zyanid indirekt über Beutetiere aufgenommen hatten, fielen der gefährlichen Substanz zum Opfer. Die erbarmungslose Elefanten-Jagd nimmt kein Ende – Hwanges Dickhäuter leben in ständiger Gefahr vor den Attacken der Wilderei-Mafia.

Unsere Ziele

  • Schutz der Hwange-Elefanten vor Wilderei und Lösung von Mensch-Wildtier-Konflikten
  • Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen durch nachhaltige Landwirtschaft
  • Schaffung von Wildtierkorridoren, um die Abwanderung der Dickhäuter in angrenzende Regionen zu ermöglichen
  • Erhalt der hohen Biodiversität des Hwange-Nationalparks und der angrenzenden Pufferzonen

Im Paradies ist kein Platz mehr

Die Elefanten stehen vor einem weiteren großen Problem, denn die ökologische Kapazität des Nationalparks ist überlastet. Mit ihrem großen Bedarf an Gras, Ästen, Rinde und Wurzeln verändern die Tiere die Vegetation – die Biodiversität leidet. Der Park kann die große Zahl an Elefanten nicht mehr stemmen, kurzum: Dem Paradies geht die Puste aus. Dabei gibt es in den benachbarten Regionen, wie beispielsweise Angola oder Sambia, genug Lebensraum für dutzende Elefantenherden. Auch ist der Hwange-Nationalpark keineswegs eingezäunt. Die Dickhäuter hätten theoretisch alle Freiheiten, jederzeit aus dem Gebiet abzuwandern.


Die Praxis sieht aktuell leider noch anders aus: Siedlungen und Dörfer in den Randgebieten des Parks versperren den Tieren den Weg. Es mangelt an geeigneten Korridoren zwischen den Schutzgebieten. Somit dringen die Elefanten unbeabsichtigt in die besiedelten Bereiche ein, zerstören lebenswichtige Ernten und rufen Angst in der Bevölkerung hervor.

Weil jedes Elefantenleben zählt

Eine der Vorreiterinnen einer nachhaltigen Landwirtschaft © WWF
Eine der Vorreiterinnen einer nachhaltigen Landwirtschaft © WWF

Der WWF kämpft vehement gegen die Aktivitäten der Wildtier-Mafia im Hwange-Nationalpark und treibt die Maßnahmen- und Umsetzungspläne zur Reduzierung der Wilderei gezielt voran. Neben der Verbesserung von Anti-Wilderei-Einsätzen – etwa durch die Anschaffung moderner Ausrüstung für die Patrouillen – haben wir uns die Unterstützung und Sensibilisierung der Menschen vor Ort für den Naturschutz zur Aufgabe gemacht.  

Gemeinsam und stets auf Augenhöhe suchen wir mit Anwohnern nach gewaltfreien Lösungen für Mensch-Tier-Konflikte. Dazu gehört beispielsweise der Einsatz von Chili-Bomben oder Chili-Zäunen, um die Elefanten von den Feldern fern zu halten. Außerdem wollen wir die Lebensbedingungen der Landwirte und ihrer Familien durch den Umstieg auf agrarökologische Anbautechniken verbessern.

Das haben wir schon erreicht:

  • Reduktion der Wilderei von Elefanten um 36 Prozent innerhalb eines Jahres (von 44 Fällen im Jahr 2017 auf 16 im Jahr 2018)
  • Ausbildung von 70 Rangern im Umgang mit modernsten Tracking-Systemen
  • Verhaftung von sechs Wilderern und Sicherstellung von Elfenbein sowie Pangolin (Schuppentier) und Schusswaffen (bei einer einzigen Patrouille konnten 76,6 Kilogramm Elfenbein beschlagnahmt werden)

  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit durch:

    • 9 Aufklärungskampagnen im Bezirk Tsholotsho, wodurch 645 Dorfbewohner und 393 Schulkinder erreicht werden konnten
    • Intensivierung der Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit im Rahmen von 21 Veranstaltungen im Bezirk Hwange, wodurch 891 Dorfbewohner und 217 Schulkinder erreicht werden konnten

  • Verringerung der Mensch-Wildtier-Konflikte (HWC) von 93 Vorkommnissen im Jahr 2014 auf weniger als fünf pro Jahr seit 2015
  • Bereitstellung von HWC-Schutzmaterialien, wie beispielsweise acht Chili-Pistolen, zehn Chili-Spender, Chili-Zäune und Chili-Bomben für zwei Gemeinden (in beiden Gemeinden werden insgesamt rund 1.150 Haushalte von den Maßnahmen profitieren)
  • Ermittlung und Schulung von sieben Freiwilligen in Tsholothso, welche als sogenannte „Problemtier-Brigade“ die Gemeindewildhüter bei der Verringerung der Mensch-Wildtierkonflikte unterstützen werden
  • Gewinnung wichtiger Erkenntnisse zu den landwirtschaftlichen Brennpunkten und größten Schwierigkeiten der Landwirte durch eine Studie mit 62 Farmern aus dem Tsholotsho-Distrikt

  • Schulung ausgewählter Landwirte in Techniken der Conservation Agriculture (CA), also nachhaltigen landwirtschaftlichen Praktiken, mit Einsatz von klimaangepasstem Saatgut

    • ein Monitoring von Juli 2019 zeigte bereits eine Verdopplung der Hirse-Erträge sowie eine Verdreifachung der Mais-Erträge unter den praktizierenden Kleinbauern (trotz starker Dürre, wodurch rund 80 Prozent der Kleinbauern ihre Maisernten verloren).

  • Evaluierung des Vollständigkeitsgrades der Methoden-Umsetzung auf den Feldern der Kleinbauern (Düngung, Unkrautbearbeitung, Pflanzenstand, Dokumentation etc.) und Vergabe von Preisen an die drei Besten (alle drei prämierten Kleinbauern waren Frauen)

Die KAZA-Vision einer nachhaltigen Entwicklung durch Tourismus und Naturschutz wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit finanziert.

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