Als ein mehrere tausend Kilometer langes Band ziehen sich Relikte alter Küstenwälder entlang der Küste Ostafrikas. Sie bilden ein Mosaik aus Lebensräumen mit außergewöhnlichem Artenreichtum, der diese Ökoregion zu einem Hotspot der Artenvielfalt macht. Zugleich verläuft hier eine der großen Entwaldungsfronten der Erde. In dieser Region, genauer gesagt im Bezirk Kwale, hat der WWF dabei geholfen, 34.000 Hektar Küsten -und Mangrovenwälder zu schützen und wiederherzustellen.

Zusammen mit Partner:innen hat der WWF ein Modellprojekt zum Schutz und der Wiederherstellung von Waldflächen und ihre nachhaltige Nutzung umgesetzt – unter Einbeziehung der Menschen vor Ort, der Vertreter:innen von Unternehmen und der zuständigen Behörden. Das Projekt hatte eine Laufzeit von mehr als vier Jahren und steht Ende April 2024 kurz vor dem Abschluss.

Mit dem Projekt zeigt der WWF, dass der Schutz der Wälder, ihre Wiederherstellung und nachhaltige Nutzung positive Effekte auch auf die Lebensumstände der Menschen hat. 30.000 Hektar artenreiche Wald- und Mangrovenökosysteme im Bezirk Kwale sollten geschützt, für die nachhaltige Nutzung gesichert und durch die Anwendung internationaler Umwelt- und Sozialstandards vor negativen Folgen großer Investitionsmaßnahmen bewahrt werden:

Das skalierbare Modellprojekt setzt Standards für ähnliche Lösungen in angrenzenden Gebieten entlang der ostafrikanischen Entwaldungsfront: durch ein neues Problembewusstsein, Vorbildfunktion und den Aufbau von Kapazitäten.

Der Kenia Foret Service hat eine neue Methode entwickelt, um Vorfälle im Wald zu melden. Als Gemeindescouts wurden wir durch den WWF-Kenia darin geschult. Das Meldetool ist eine Handy-App namens Survey 123, die man während der Patrouille benutzen kann. Man gibt die Daten in die App ein und übermittelt sie direkt.

Iddi Kalume – Community Forest Scout / Kwale County

Das WWF-Projekt wirkt!

Inzwischen ist das WWF-Projekt im County Kwale abgeschlossen – mit Erfolg. Auf vielen ehemals zerstörten Flächen wachsen wieder Bäume, neuer Wald entsteht und schließt die Lücken zwischen noch intakten Waldgebieten. Auch die Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen trägt Früchte – so haben sechs Unternehmen bereits betriebsinterne Prüfungen vorgenommen und mit der Umstellung auf ein umweltverträgliches unternehmerisches Handeln begonnen. Die Gemeinden vor Ort wurden durch mehr Beteiligung am Management der natürlichen Ressourcen gestärkt und beim Aufbau alternativer Einkommen unterstützt:

Neuansiedlung des Schmetterlings in den Mangrovenwäldern © Nina Dohm / WWF
Neuansiedlung des Schmetterlings in den Mangrovenwäldern © Nina Dohm / WWF

Etwa 5.000 Menschen haben einen besseren Zugang zu den natürlichen Ressourcen und deren nachhaltiger Nutzung: 

Die Menschen profitieren von der stärkeren Beteiligung am Management, aber auch konkret von neuen, nachhaltigen Einkommensmöglichkeiten, die im Projekt gefördert wurden. Zum Beispiel in Shimba Hills, wo sich eine Gruppe von Gemeindemitgliedern nach einer Schulung zu alternativen Einkommensmöglichkeiten dazu entschieden hat, eine Schmetterlingszucht aufzubauen.

Der technische Leiter von Kentaste Products Limited informiert über einen für saubere Produktion umgebauten Kesselraum © Alfred Cheruiyot / Camtech Communications
Der technische Leiter von Kentaste Products Limited informiert über einen für saubere Produktion umgebauten Kesselraum © Alfred Cheruiyot/Camtech Communications

Gemeinden, Behörden und Privatsektor engagieren sich gemeinsam für den Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen:

14 Unternehmen haben sich dazu verpflichtet, energie- und wassereffiziente Technologien einzusetzen bzw. zu optimieren. Gemeinsam mit sechs Unternehmen wurden betriebsinterne Prüfungen vorgenommen, Verbesserungsvorschläge erarbeitet und die Umsetzung von Maßnahmen begleitet. Bereits binnen weniger Monate konnten diese Unternehmen ihre Produktion schon so weit umstellen, dass sie signifikante Einsparungen u. a. durch Abfallvermeidung, energie-effizientere Produktionsweisen und technische Neuerungen erzielten.

Neu bepflanzter Mangrovenwald an der kenianischen Küste © WWF Kenia
Neu bepflanzter Mangrovenwald an der kenianischen Küste © WWF Kenia

Auf rund 34.000 Hektar wurden Maßnahmen zum Schutz und der Wiederherstellung von Küstenwäldern und Mangroven umgesetzt:

Die Maßnahmen umfassten die Wiederaufforstung von Flächen, die Förderung der natürlichen Regeneration von Wäldern sowie den besseren Schutz und das Management von Gemeindewäldern und Primärwäldern. Insgesamt wurden über 250.000 Bäume und Mangroven – mehr als 25 verschiedene Arten − auf einer Fläche von mehr als 140 Hektar gepflanzt.

Dzombo Forest © Hushed Hills Company
Dzombo Forest © Hushed Hills Company

In einem kooperativen Prozess mit den Gemeinden wurden Managementpläne für fünf Küsten- und drei Mangrovenwälder entwickelt: 

Grundlage für einen besseren Schutz der Wälder sind verbindliche Nutzungsregeln. Dafür gibt es in Kenia das Instrument der Waldmanagementpläne. Doch für viele Wälder konnten diese Pläne mangels Ressourcen und fachlicher Kapazitäten nicht erstellt werden. Im Rahmen des Projektes sind insgesamt acht Waldmanagementpläne entwickelt worden, in denen u.a. festgelegt ist, wie der jeweilige Wald genutzt werden darf, von wem und zu welchem Zeitpunkt.

Erfolgreich ausgebildet: Die Frauen, die nun als Scouts arbeiten © WWF Kenia
Erfolgreich ausgebildet: Die Frauen, die nun als Scouts arbeiten © WWF Kenia

40 Gemeindescouts wurden u.a. zu gewaltfreier Kommunikation, Konfliktmanagement und Menschenrechten ausgebildet:

Die Scouts selbst kommen aus den Gemeinden rund um die Wälder und kennen sich dort entsprechend gut aus. Sie sind jedoch nicht befugt, Gesetze durchzusetzen. Deshalb patrouillieren sie gemeinsam mit staatlichen Rangern und ausschließlich in den ihnen zugewiesenen Gemeindewäldern, die nach kenianischem Recht geschützt sind.

Es gibt noch viel zu tun

Trotz der großen Erfolge im County Kwale, gibt es noch viel zu tun. Viele Waldgebiete – beispielsweise einige vom Projekt nicht einbezogene Kaya-Wälder, heilige Orte der indigenen Mijikenda und UNESCO-Weltkulturerbe − sind akut bedroht und könnten bald endgültig verloren sein.

Auf der anderen Seite hat sich die kenianische Regierung zum Ziel gesetzt, 15 Milliarden Bäume bis zum Jahr 2032 zu pflanzen, sodass die Wiederherstellung von Wäldern und Waldökosystemen im Land auch in den kommenden Jahren hoch auf der Agenda stehen wird.

Dafür ist das County Kwale nun gut gewappnet: Mit den Gemeinde-Baumschulen, acht Wald- und Mangroven-Managementplänen und ausgebildeten Gemeindescouts kann es zum ambitionierten Regierungsziel entscheidend beitragen.

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