Sie gehören zu den ältesten Völkern des Gebiets und haben sich ihre halbnomadische Lebensweise von und mit der Natur über Jahrtausende weitgehend unverändert bewahrt. Die indigenen BaAka repräsentieren etwa ein Drittel der Bevölkerung innerhalb des Dzanga-Sangha Schutzgebietskomplexes. Während die BaAka vorwiegend im und vom Regenwald leben, sind die Sangha-Sangha die ursprünglichen Bewohner:innen des Flussufers.

Die BaAka – Experten der Wälder

Henriette Memba © Nuria Ortega
Die Kräuterfrau Henriette Memba beim Sammeln von Kräutern. Henriette Memba ist eine BaAka (Pygmäin) und Mitglied der Ndima Kali, einer Gruppe, die sich im Rahmen eines vom WWF geförderten Projektes um den Erhalt ihrer wertvollen Traditionen und ihres Kulturerbes kümmert, Dzanga-Sangha-Schutzgebiet, Zentralafrikanische Republik. Herbalist Henriette Memba collecting herbs. Henriette Memba is a BaAka (pygmy) and a member of Ndima Kali, a group that works to preserve their valuable traditions and cultural heritage as part of a WWF-sponsored project, Dzanga Sangha Reserve, Central Africa.

Die BaAka verfügen über ein enormes ökologisches Wissen und kennen den Regenwald wie kaum jemand sonst. Ihre Rolle in allen wissenschaftlichen, naturschutzfachlichen und touristischen Projekten rund um Dzanga-Sangha ist unverzichtbar und trägt dazu bei, den Wald, das Kernelement ihrer eigenen Kultur, zu erhalten. Als Mitarbeiter:innen des Schutzgebiets setzen sie ihr Wissen und ihre Traditionen gezielt für den Naturschutz in Dzanga-Sangha ein.

Mehrstimmen-Gesänge der BaAka als Weltnaturerbe

Die tiefe spirituelle Beziehung zur Natur prägt das Wertesystem der BaAka, das sich durch Gemeinschaftssinn und Egalität, einvernehmliche Entscheidungen und eine ausgeprägte Kultur des Teilens auszeichnet. Ihre außerordentlichen Kennnisse über den Wald drücken sich auch in Legenden, Liedern und Tänzen aus und verewigen sich in ihrer Kultur, die ohne Schriften, Bauwerke oder andere historische Zeugnisse bis heute lebendig bleibt. Musik und Tanz prägen auch Rituale bei wichtigen Ereignissen, wie der Einweihung neuer Lager, der Jagd und bei Beerdigungen.

Einzigartig ist ihre Musiktradition auf der Grundlage von vier Gesangsstimmen. Dabei kann während eines Stückes jeder Sänger und jede Sängerin die Stimme verändern, um eine Vielzahl von Variationen zu erzeugen, wodurch der Eindruck entsteht, dass sich die Musik ständig weiterentwickelt. In den Tänzen und Liedern der BaAka wird auch wesentliches Wissen für den Zusammenhalt der Gruppe und die Bewahrung von Gemeinschaftswerten von Generation zu Generation weitergetragen. Diese außergewöhnliche Musikkultur der BaAka mit ihren mehrstimmigen Gesängen wurde 2008 in die UNESCO Liste des immateriellen Weltkulturerbes der Menschheit eingetragen.

Die Sangha-Sangha – Leben am und mit dem Fluss

Fischerboot auf dem Fluss Sangha © Andy Isaacson / WWF-US
Boat

„Sangha-Sangha“ ist ein Sammelbegriff für die ursprüngliche Bantu-Bevölkerung entlang des Sangha-Flusses, die durch unzählige eng miteinander verbundene Familienverbände gekennzeichnet ist. Sie sind die ursprünglichen Bewohner des Flussufers.

In der Vergangenheit lebten die Sangha-Sangha in provisorischen Lagern, die je nach Jahreszeit, unterschiedlichen Fischfangtechniken und Bedeutung für verschiedene Aktivitäten eingerichtet wurden. Sie verwendeten die verschiedenen Teile der Raphia-Palme, insbesondere ihren Saft, zur Herstellung von Palmwein.

Die Sangha-Sangha-Familien bestellten auch seit jeher Felder, auf denen hauptsächlich Maniok, Mais, Erdnüsse und Kochbananen angebaut wurden. Sprachlich gehören sie zur Bantu-Gruppe, aber jeder Familienverband hat seinen eigenen Dialekt. Meist sprechen diese Bevölkerungsgruppen sowohl verschiedene Sangha-Sangha-Dialekte als auch die Sprachen ihrer Nachbarn, wie zum Beispiel der BaAka oder der Mbuti. Die Sangha-Sangha und die BaAka pflegten vor der Einwanderung anderer Völker in die Region eine traditionelle Handelsbeziehung und tauschten ihre jeweiligen Produkte untereinander aus.

Indigene unter Druck

In den letzten Jahren sind die indigenen Völker Zentralafrikas unter großen Druck geraten, sich an neue Einflüsse anzupassen. Aufgrund der politischen Krise in der Zentralafrikanischen Republik, aber auch wegen der Holzkonzessionen sind mehr und mehr Menschen in das Gebiet gekommen. Der Raubbau an ihren natürlichen Ressourcen und eine zunehmend sesshafte Lebensweise bringen Armut, Ausbeutung, Diskriminierung und Krankheiten mit sich. Deshalb setzt sich der WWF zusammen mit seinen Partnern für kulturelle Minderheiten in Dzanga-Sangha und deren Rechte ein.

  • Ranger in Kenia © Jonathan Caramanus / Green Renaissance / WWF-UK Über die Vereinbarkeit von Menschenrechten und Naturschutz

    Die Menschenrechte basieren auf unverhandelbaren Werten, für deren Einhaltung der WWF steht. Sie sind die Grundlage unseres Einsatzes für eine Welt, in der Mensch und Natur in Einklang leben. Weiterlesen...

Ein Menschenrechtszentrum für Dzanga-Sangha

Reise in die Zentralafrikanische Republik nach Bayanga im Dzanga-Sangha Nationalpark
Zentralafrikanische Republik

Ob Wahlrecht, Bewegungsfreiheit oder der Zugang zu staatlichen Dienstleistungen – die Hürden, ihre staatsbürgerlichen Rechte wahrzunehmen, sind für Indigene oft hoch. Politische Teilhabe findet kaum statt und die Analphabetismusrate ist hoch.

Um das Bewusstsein für die Menschenrechte und die Rechte von Minderheiten in der Region zu schärfen, hat der WWF im Jahr 2015 lokale Organisationen dabei unterstützt, in Bayanga ein Menschenrechtszentrum einzurichten.

Hier bekommt die lokale Bevölkerung, insbesondere Indigene, Rechtshilfe und Unterstützung bei der Lösung von Konflikten. Das Ausstellen von Geburtsurkunden zum Beispiel macht das Einfordern ihrer staatsbürgerlichen Rechte überhaupt erst möglich.

Jugendliche bewahren ihr Kulturerbe

Grupppenfoto © OrgiNations
Grupppenfoto © OrgiNations

Bei der Weitergabe von traditionellem Wissen zwischen den Generationen spielen Kinder und Jugendliche eine bedeutsame Rolle. 2012 gründeten indigene Jugendliche in Dzanga-Sangha mit Unterstützung des WWF die Gruppe Ndima Kali mit dem Ziel, sich aktiv am Schutz des Kultur- und Naturerbes und an der Verteidigung ihrer Rechte zu beteiligen. Im Namen der Gruppe spiegeln sich Kultur und ursprünglicher Lebensraum der BaAka und der Sangha-Sangha: Ndima bedeutet Wald, Kali bedeutet Fluss.

In Workshops und Exkursionen wird das Kultur- und Naturerbe erforscht, traditionelles Wissen zum Beispiel über Heilpflanzen weitergegeben und die kulturelle Identität gefestigt. Ein Mittel zur Sensibilisierung der Bevölkerung vor Ort sind zum Beispiel Theateraufführungen, in denen kulturelle Werte vermittelt werden oder auch über Gesundheitsthemen aufgeklärt wird. Wissen und Kultur der BaAka sterben so nicht aus, sondern werden von Generation zu Generation weitergetragen.

So können sie helfen:

  • Wald im Dzanga-Sangha Schutzgebiet © Andy Isaacson / WWF-US Dzanga-Sangha

    Das in der südwestlichen Ecke der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) gelegene Schutzgebiet Dzanga-Sangha beherbergt außergewöhnlich viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Weiterlesen...

  • Nachhaltiger Tourismus in Dzanga-Sangha © Andy Isaacson / WWF-US Tourismus und Forschung

    Dzanga-Sangha ist als außergewöhnlicher Standort für Forschung weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Wissenschaftler:innen aus aller Welt kommen hierher. Weiterlesen ...

  • Junge indigene Ba‘Aka © Thomas Nicholon / WWF Bildung und Gesundheit

    Armut lindern, für Gesundheit und Bildung sorgen und so die Lebensbedingungen der Menschen verbessern: Das ist nachhaltige Entwicklung im Nationalpark Dzanga-Sangha. Weiterlesen ...

  • Henriette Memba © Nuria Ortega Das Wissen der Alten

    Die Jugendlichen von Ndima Kali haben sich dem traditionellen Wissen der Älteren geöffnet und hören, was Menschen wie Henriette Memba zu sagen haben. Von ihr haben sie nicht nur Fakten über die Heilpflanzen des Waldes erfahren. Weiterlesen...