Blickt man aus der Vogelperspektive auf das Dzanga-Sangha-Schutzgebiet, öffnet sich ein faszinierendes Mosaik aus Feuchtgebieten, Sümpfen und ausgedehnten Wäldern, die von Flüssen durchzogen und von weiten Waldlichtungen unterbrochen werden. Hier leben die seltenen Waldelefanten, die in einem einmaligen Naturschauspiel zu Hunderten an den Bais genannten Waldlichtungen aufeinandertreffen. Auch Schimpansen, Bongo-Antilopen und die bedrohten Flachlandgorillas streifen hier durch die Tiefen der Wälder und Feuchtgebiete.

Flachlandgorillas in Dzanga Sangha © naturepl com / Fiona Rogers / WWF
Flachlandgorillas in Dzanga Sangha © naturepl com / Fiona Rogers / WWF

Das in der südwestlichen Ecke der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) gelegene Schutzgebiet Dzanga-Sangha beherbergt außergewöhnlich viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Es ist Teil des länderübergreifenden Schutzgebietes „Trinational de la Sangha“ (TNS), das sich über das Dreiländereck zwischen Zentralafrikanischer Republik, Kamerun und der Republik Kongo erstreckt und seit 2012 zum UNESCO Weltnaturerbe zählt.

Zusammen mit dem Lobéké-Nationalpark in Kamerun und dem Nouabalé-Ndoki-Nationalpark in der Republik Kongo und der umgebenen Pufferzone umfasst das Schutzgebiet Trinational de la Sangha eine Fläche von über 25.000 Quadratkilometern, mehr als die Fläche Mecklenburg-Vorpommerns.

„Das Schutzgebiet gehört zu den wichtigsten Ökoregionen der Welt. Es ist ein einzigartiges Naturparadies. Der Weltnaturerbe-Status gibt uns Rückendeckung für den Schutz der Region“, betont Dr. Ilka Herbinger, Programmleiterin des WWF für Zentralafrika. Der WWF ist schon seit 1990, also seit über 30 Jahren, im Dzanga-Sangha-Gebiet aktiv.

Gemeinden stärken, Naturschutz sichern

Das Dzanga-Sangha-Gebiet ist aber auch ein Paradebeispiel für den Erfolg der integrativen Naturschutzarbeit des WWF. Dabei werden Natur und Mensch immer zusammen gedacht. Bildungsarbeit, die Unterstützung von Dörfern und Gemeinden zum Beispiel durch den Bau von Schulen sowie Gesundheitsförderung flankieren die klassische Naturschutzarbeit. Denn trotz seiner Auszeichnung zum UNESCO Weltnaturerbe ist das zweitgrößte zusammenhängende Regenwaldgebiet der Erde weiterhin durch Wilderei bedroht.

Ruhezone in einem unruhigen Land

Waldelefanten auf der Dzanga Bai © Andy Isaacson / WWF-US
Waldelefanten auf der Dzanga Bai © Andy Isaacson / WWF-US

Dzanga-Sangha gilt in dem politisch äußerst unruhigen Land als relativ stabile Region und wurde zu einer UN-Zone der Ruhe und Erholung erklärt. Ein Staatstreich im Jahr 2013 und der darauffolgende Bürgerkrieg haben einen Großteil der Zentralafrikanischen Republik politisch destabilisiert. Im UN-Index für menschliche Entwicklung rangiert die ZAR auf dem vorletzten Platz.

Vor diesem Hintergrund müssen Menschenrechte und deren Einhaltung auch bei Naturschutzaktivitäten stets mitgedacht werden. Deshalb arbeitet der WWF seit 2018 mit der Organisation Chengeta Wildlife zusammen, die strenge und professionelle Kriterien für die Ausbildung von Wildhütern entwickelt hat, bei denen die Einhaltung der Menschenrechte in alle Prozesse der Ausbildung eingebettet wird. Chengeta Wildlife setzt außerdem besonders auf Prävention in der Anti-Wilderei-Arbeit.

Durch den Einsatz von Wildtierkameras können Wilderer abgeschreckt und durch intelligente Datenerfassung Anti-Wilderei-Einsätze genauer koordiniert werden. Dazu werden Daten genutzt und kombiniert, die zum Beispiel zur Analyse von Spuren, zu den Bewegungsmustern von Wildtieren oder auch zur Wildereientwicklung erhoben wurden. Auch die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinden ist wichtiger Bestandteil der Aktivitäten von Chengeta Wildlife.

Der Erfolg spricht für sich: Dank aller Anstrengungen sind trotz des enormen Wildereidrucks sowohl die Waldelefanten- als auch die Menschenaffen-Populationen in Dzanga-Sangha weitestgehend stabil.

Lebensgrundlagen und Rechte der Indigenen stärken

Angehörige der BaAka im Dzanga-Sangha-Gebiet © Percy Vogel / WWF
Angehörige der BaAka im Dzanga-Sangha-Gebiet © Percy Vogel / WWF

Neben den strikt geschützten Nationalparks wurden zudem kommunale Jagdgebiete eingerichtet, in denen ausschließlich die lokale und indigene Bevölkerung kontrolliert und nachhaltig jagen und sammeln kann. So bleiben die Lebensgrundlagen der indigenen BaAka erhalten und ihre traditionellen Rechte gewahrt. Zeitgleich unterstützt der WWF ökotouristische Aktivitäten und eine nachhaltige Landwirtschaft, die wichtige Einkommensquellen darstellen. Durch diesen integrierten und partizipativen Ansatz profitiert die Bevölkerung direkt vom Naturschutz und dem Erhalt und der schonenden Nutzung ihrer Ressourcen.

Ilka Herbinger: „So gewinnen wir nicht nur Akzeptanz, sondern aktive Unterstützung und Beteiligung der Bevölkerung, um die wertvollen Ökosysteme samt ihrer fantastischen Tierwelt zu erhalten.“

Logos der Organisationen, die unsere Arbeit in Dzanga-Sangha unterstützen

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