Vietnam zählt zu den Hauptverursachern von Plastikeinträgen ins Meer. Steigende Zahlen im Tourismus, fehlende Alternativen zu Einwegprodukten, ein mangelndes Bewusstsein für Umweltschutz sowie ungenügende Entsorgungs- und Recyclingstrukturen verschärfen dieses Problem. Genau hier setzte das Projekt „Reduzierung von Meeresplastikmüll in Vietnam“ an. Während der sechsjährigen Laufzeit konnten Lösungen im Umgang mit Kunststoffabfällen entwickelt und etabliert werden, die eine Vorbildfunktion haben.

Kunststoffe sind heute aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Sie haben sich in fast allen Volkswirtschaften als gängiges Material für Verpackungen und Gebrauchsgegenstände durchgesetzt. Seit 1950 ist die weltweite Produktion von Kunststoffen um das Zweihundertfache gestiegen – und sie wächst weiter. Schon heute müsste sich die gesamte Menschheit auf die Waage stellen, um die derzeitige Jahresproduktion von 396 Millionen Tonnen aufzuwiegen.

Doch die meisten Kunststoffprodukte haben nur eine kurze Nutzungsdauer, sodass sich bereits mehr als 60 Prozent aller jemals produzierten Kunststoffe auf Deponien oder in der Umwelt befinden. Schätzungen zufolge gelangen Jahr für Jahr mindestens acht Millionen Tonnen Kunststoffe als Abfall ins Meer. Der Großteil dieses Meeresplastikmülls besteht aus Verpackungen, beispielsweise aus Folien, Tüten, Flaschen und mehrschichtigen Getränkekartons.

Den Plastik-Eintrag ins Meer angehen

Vermüllter Strand auf Phu Quoc (Vietnam) © iStock GettyImages
Vermüllter Strand auf Phu Quoc (Vietnam) © iStock GettyImages

Vietnam zählt zu den Ländern, aus denen besonders viel Plastikmüll ins Meer gelangt. Dabei spielt der Mekong eine zentrale Rolle: Er ist einer von 20 Flüssen weltweit, die besonders viel Plastik in die Ozeane transportieren. Die Ursachen dafür liegen vor allem in den fehlenden Kapazitäten für eine funktionierende Abfallwirtschaft.

Es mangelt an Deponien, modernen Verbrennungsanlagen sowie an Möglichkeiten zur Mülltrennung und zum Recycling. Stattdessen wird Abfall häufig offen in der Landschaft abgelagert, teils illegal in Kanäle entsorgt oder sammelt sich in kleineren Haufen entlang von Straßen. Besonders problematisch wird diese Situation während der Regenzeit: Überschwemmungen spülen den ungesicherten Müll in Flüsse und Kanäle – und von dort aus weiter ins Meer.

Genau hier setzte das WWF-Projekt „Reduzierung von Meeresplastikmüll in Vietnam“ an, das von 2020 bis 2025 umgesetzt wurde. Ziel war es, die Bewirtschaftung von Kunststoffabfällen gezielt zu verbessern, konkrete Lösungen zur Verringerung der Meeresverschmutzung durch Plastik zu entwickeln und damit zugleich die nationalen Umweltziele Vietnams wirksam zu unterstützen.

Das WWF-Projekt wirkt!

Clean-Up Aktion in Vietnam © WWF
Clean-Up Aktion in Vietnam © WWF

Inzwischen ist das WWF-Projekt in Vietnam abgeschlossen – mit Erfolg. Die Maßnahmen haben nicht nur messbar zur Verringerung der Umweltverschmutzung beigetragen, sondern vor allem auch die Menschen bewegt: Das Bewusstsein für die Probleme, die der Plastikmüll in der Umwelt verursacht sowie das Bewusstsein für die eigene Verantwortung sind deutlich gewachsen. Viele Bürger:innen engagieren sich heute aktiver und nutzen umweltfreundliche Lösungen.

Ein großer Erfolg liegt zudem in der starken Vernetzung unterschiedlichster Akteur:innen – von staatlichen Stellen über lokale Gemeinschaften und Unternehmen bis hin zur Zivilgesellschaft. Gemeinsam wurden Modelle entwickelt, die sich bewährt haben und sich gut auf weitere Städte und Regionen übertragen lassen. Damit ist eine solide Basis geschaffen, auf der künftige Initiativen aufbauen können.

Die Ergebnisse im Überblick

Gemeinsame Müllentsorgung in Kooperation mit Kaldewei © Nguyen Minh Duc / WWF Vietnam
Gemeinsame Müllentsorgung in Kooperation mit Kaldewei © Nguyen Minh Duc / WWF Vietnam

Kommunikation und Aufklärung

Zentraler Baustein des Projekts war die breit angelegte Kommunikationsarbeit, die für das Thema sensibilisieren sollte. Bereits im Jahr 2020 wurde eine Online-Plattform zum Austausch von Wissen rund um das Thema Meeresplastik ins Leben gerufen. Im Jahr 2024 ging diese in die Verantwortung der vietnamesischen Behörde für Meere und Inseln über und beherbergt eine Fülle von Informationen zum Thema Kunststoffe und Kreislaufwirtschaft.

Ergänzend dazu wurden drei landesweite Kommunikationskampagnen umgesetzt, die das öffentliche Bewusstsein deutlich stärkten: Mehr als 60 Prozent der Menschen, die – zufällig ausgewählt – jährlich befragt wurden, erinnerten sich an die Kernbotschaften der WWF-Kampagnen. Der Anteil der Verbraucher:innen, die bewusst Einwegkunststoffe vermeiden, stieg um 10,3 Prozent.

Auch im Bildungsbereich wurden nachhaltige Impulse gesetzt: 114 Schulen integrierten Unterrichtsmaterialien zur Reduzierung von Plastikmüll in ihre Lehrpläne und an mehreren Universitäten wurden Vorlesungen und Lerninhalte zum Thema Meeresplastik offiziell in fünf Bachelor-Studiengänge aufgenommen.

Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen

Das Projekt hat wesentlich dazu beigetragen, die politischen und regulatorischen Grundlagen für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Plastik- und Verpackungsabfällen in Vietnam zu verbessern.

Insgesamt wurden 15 Fachpublikationen mit gebündelten Informationen und konkreten Empfehlungen veröffentlicht, darunter praxisorientierte Leitlinien zur Umsetzung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) und zur Förderung der Kreislaufwirtschaft. Zahlreiche Forschungsergebnisse flossen direkt in zentrale Rechts- und Regulierungsdokumente wie das Umweltschutzgesetz von 2020 ein.

Darüber hinaus unterstützte das Projekt den politischen Dialog auf nationaler und internationaler Ebene durch die Aufbereitung relevanter Dokumente, fachliche Beratung sowie die Organisation von Workshops im Vorfeld und im Nachgang der Verhandlungen zum globalen Plastikabkommen.

Insgesamt nahmen 145 politische Entscheidungsträger:innen und hochrangige Führungskräfte an Konsultationen zu Themen wie EPR, Kreislaufwirtschaft, Abfalltrennung an der Quelle, Reduzierung von Einwegkunststoffen und zu den Verhandlungselementen des globalen Abkommens teil.

Plastic Smart Cities

Müllentsorgung in Phu Quoc, Vietnam © Melanie Goemmel / WWF
Müllentsorgung in Phu Quoc, Vietnam © Melanie Goemmel / WWF

Die WWF-Initiative „Plastic Smart Cities“ zielt darauf ab, bis 2030 weltweit 1.000 Städte für die Reduzierung von Plastikverschmutzung zu gewinnen. In Vietnam wurden hierzu bereits wichtige Fortschritte erzielt.

Bis 2024 hatten neun Städte und Bezirke eigene Pläne zur Bewirtschaftung von Kunststoffabfällen entwickelt, von denen sich sechs bereits in der Umsetzung befanden. Bis Ende 2024 schlossen sich zwei weitere Gemeinden an, erarbeiteten ebenfalls entsprechende Pläne und starteten mit konkreten Maßnahmen.

Insgesamt setzten acht teilnehmende Städte und Bezirke gezielte Lösungen um, wobei der Fokus auf der Reduzierung von Einwegkunststoffen, der Mülltrennung an der Quelle sowie einer effizienteren Sammlung und Behandlung von Abfällen lag. Dabei identifizierte jede Kommune mindestens drei nachhaltige und skalierbare Ansätze mit Vorbildcharakter.

Tausende Ausrüstungsgegenstände erweiterten die lokalen Sammelsysteme und mehr als 10.000 Tonnen Abfall wurden ordnungsgemäß erfasst und bewirtschaftet, sodass sie nicht in die Umwelt gelangten. Zudem wurden bis Ende 2024 insgesamt 153 Haushalte gezielt in der Mülltrennung geschult.

Schutz der Meeresumwelt

Müllsammler:innen auf einer Müllhalde in Vietnam
Müllsammler:innen auf einer Müllhalde in Vietnam © Bernhard Bauske / WWF

Auch in den Meeresschutzgebieten und im Fischereisektor konnten deutliche Fortschritte erzielt werden. So wurden zwischen 2021 und März 2025 insgesamt 10.631 Kubikmeter Plastikmüll gesammelt und ordnungsgemäß entsorgt. Darüber hinaus wurden 2.951 Haushalte in der Mülltrennung geschult. Organische Abfälle werden vor Ort inzwischen zu hochwertigem Kompost verarbeitet, der den lokalen Bedarf deckt.

Drei Meeresschutzgebiete verpflichteten sich zudem, zu plastikfreien Reisezielen zu werden. Sie entwickelten eigene Aktionspläne zur Bewirtschaftung von Kunststoffabfällen und setzten diese konsequent um. Zweimal jährlich finden dort Reinigungsaktionen und Kontrollen der Korallenriffe statt, um Müll frühzeitig zu erfassen und zu entfernen.

Besonders erfreulich ist die starke Beteiligung der Fischerei: Die Eigentümer:innen von mehr als 100 wichtigen Fischereifahrzeugen verpflichteten sich, Abfälle wieder an Land zu bringen – deutlich mehr als ursprünglich geplant. Auch der Tourismussektor wurde aktiv eingebunden: 293 Dienstleister erhielten Schulungen zur Plastikreduzierung, 178 von ihnen verpflichteten sich offiziell zur Umsetzung konkreter Maßnahmen.

Auf der Insel Con Dao wurde zudem die Ausarbeitung und Umsetzung von Vorschriften zur Einschränkung von Einwegkunststoffen unterstützt – einschließlich des Verbots der Verbrennung von Votivpapieren an historischen Begräbnisstätten und der Einführung „grüner Opferkörbe“ ohne Kunststoffverpackungen und -materialien.

Konkrete Beispiele aus dem Projekt:

Die folgenden Beispiele zeigen exemplarisch, welche konkreten Verbesserungen durch das Projekt erreicht werden konnten:

  • Auf der Insel Phu Quoc wurde eine neue Müllabfuhrroute eingerichtet. Dadurch erhielten erstmals mehr als 300 Haushalte Zugang zu einem öffentlichen Entsorgungsdienst.
  • Der „Phu Quoc Environmental Day“, der seit 2019 jeden ersten Samstag im Monat stattfindet, mobilisierte bislang mehr als 60.000 Teilnehmer:innen. Gemeinsam sammelten sie mehr als 724 Tonnen Abfall.
  • Auch die lokale Fischereiflotte beteiligte sich aktiv an der Bekämpfung von Plastikmüll im Meer: Nach ihren Fahrten brachten die Boote große Mengen eingesammelten Abfalls an Land – insgesamt bereits mehr als 17 Tonnen. Inzwischen wird das Projekt auch in anderen Fischereihäfen etabliert.
  • In der Provinz Long An wurden ebenfalls deutliche Fortschritte erzielt: Mindestens 3.400 Haushalte trennen ihren Müll inzwischen direkt vor Ort und stellen aus organischen Materialien eigenständig hochwertigen Kompost her.
  • Ergänzend dazu wurde die kommerzielle Kompostierung organischer Abfälle getestet – mit großem Erfolg: Analysen bestätigten, dass der entstandene Kompost sicher für den Gemüseanbau verwendet werden kann.

Die Projekte im Detail

Herausforderungen bleiben

Trotz aller positiven Ergebnisse bleiben Herausforderungen: Bequemlichkeit und die geringen Kosten von Einwegkunststoffen beeinflussen das Konsumverhalten weiterhin und noch fehlt vielerorts der Zugang zu praktikablen Alternativen. Zudem sind einige Orte nach wie vor auf Unterstützung angewiesen und stehen nun vor der wichtigen Aufgabe, die angestoßenen Prozesse eigenständig weiterzuführen und weiter zu stärken.

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