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Stand: 27.08.2019

Magischer Mekong – Ein Einblick in die WWF Feldarbeit

Es ist fast wie vor 100 Jahren: Bepackt mit unhandlicher Ausrüstung stapft ein Tross aus Forschern und Wildhütern kilometerweit durch abgelegene Gebiete. Tief im Wald wird unter freiem Himmel mit Hängematten ein Nachtlager errichtet. Die kulinarische Versorgung ist spartanisch: Es gibt Reis und getrockneten Fisch - morgens, mittags und abends.

Mitarbeiter des WWF bei der Feldarbeit im Mekong. © Hkun Lat / WWF Australien
Mitarbeiter des WWF bei der Feldarbeit im Mekong. © Hkun Lat / WWF Australien

Bei allem Pragmatismus hat sich die Feldarbeit einen Hauch von Forscherromantik erhalten. Nur die weißen Tropenhelme fehlen und die Ausrüstung ist mit GPS, Kunstfaser und Taschenlampe moderner und vor allem leichter geworden. Ums Schwitzen kommt man aber auch heute nicht herum. Doch In der Greater Mekong Region werden die Artenforscherinnen und -forscher in der Regel schnell für ihre Strapazen belohnt. Denn die Region gilt trotz zahlreicher Kriege und intensiver forstwirtschaftlicher Nutzung immer noch als eine Wundertüte der Artenvielfalt.

 

Durchschnittlich alle drei Tage wird dort eine neue Art entdeckt oder neu beschrieben. Seit 1997 sind dort insgesamt 2.651 neue Arten entdeckt worden, etwa 60 Prozent davon Pflanzen. Allein im Jahr 2017 waren es 66 neue Tier- und 91 Pflanzenarten.

Wunderbare Welt der neuen Arten: Elfenähnliche Kröten, Starwars-Gibbons und gestreifte Kaninchen

Bergkröte © NIKOLAY A. POYARKOV
Bergkröte © NIKOLAY A. POYARKOV

Unter den Neuentdeckungen sind auch einige ganz erstaunliche Kreaturen. Eine Bergkröte bekam wegen ihrer vermeintlichen Ähnlichkeit mit einer Elfe den wissenschaftlichen Namen Ophryophryne elfina. Ein Gibbon, der bisher zu den östlichen Weißbrauengibbons (Hoolock leuconedys) gezählt wurde, hat sich als eigene Art herausgestellt und wird nun Skywalker Hoolock Gibbon (Hoolock tianxing) genannt. Diesen Namen gaben ihm chinesische Forscher, die sich damit zugleich als Starwars-Fans outeten.

 

Manchmal finden Neuentdeckungen auch gar nicht in der Wildnis statt! Vor einigen Jahren entdeckte ein britischer Biologe drei tote Kaninchen auf einem lokalen Markt in Laos. Die Untersuchung ermittelte eine nahe genetische Verwandtschaft zu dem 1.500 Kilometer entfernt lebenden Sumatra-Kaninchen. Annamiten und Sumatra Kaninchen werden daher gemeinsam in der Gattung der Streifenkaninchen zusammengefasst. Dass neue Arten gleich an ihrem Fundort als solche erkannt werden, ist die ganz seltene Ausnahme.

Expedition ins Tier- und Pflanzenreich

Der WWF plant und führt solche Expeditionen durch und arbeitet dafür vor Ort mit nationalen und internationalen wissenschaftlichen Institutionen zusammen. Doch meist geht es bei solchen Feldforschungen gar nicht in erster Linie um das Entdecken neuer Arten. Vielmehr stehen naturschutzfachliche Fragestellungen im Vordergrund: Wie groß ist der Bestand von Säugetieren? Wie sieht der Waldzustand aus? Eignet sich das Gebiet zur Ausweisung als Schutzgebiet? Diese und eine Reihe weiterer Fragen gilt es zu beantworten. Dabei vergehen schon mal mehrere Tage mit Reis und getrocknetem Fisch und viele Nächte im Freiluftschlafzimmer.

 

Stoßen die Feldforscherinnen und Feldforscher dann doch einmal auf potenziell interessantes Material, schicken sie es an Taxonomen – Fachleute für Artenbestimmung – auf der ganzen Welt. Pflanzen werden dazu getrocknet und Insekten und andere kleinere Tiere werden meist in Alkohol eingelegt oder präpariert. Vor allem bei Säugetieren versucht man, dies zu vermeiden und arbeitet zunächst mit Fotos und genetischem Material.

Auch Fachleute stehen auf der Roten Liste

Und dann heißt es warten. Denn die Aufarbeitung des Materials kann dauern, besonders bei wirbellosen Tieren, wie zum Beispiel Schnecken, Krebsen, Würmern und Insekten. Auf hundert Taxonomen für Wirbeltiere kommen nur etwa zehn Fachleute für Pflanzen und gerade einmal ein Experte für wirbellose Tiere. Weil die Art die grundlegende Einheit in der biologischen Wissenschaft ist, gelten strenge Regeln für ihre Erstbeschreibung und die Vergabe des Namens. Und natürlich muss ein sogenanntes Typus-Exemplar in der Sammlung archiviert werden, das als Referenz für später gefundene Exemplare dient.

Entwaldung durch Brandrodung. © Hkun Lat / WWF-Myanmar
Entwaldung durch Brandrodung. © Hkun Lat / WWF-Myanmar

Greater Mekong – Artenvielfalt unter Druck

Doch es geht um mehr als um die Katalogisierung von Arten, denn die Artenvielfalt in der Greater Mekong Region ist bedroht: In den letzten 40 Jahren wurde fast ein Drittel der Wälder vernichtet. Kambodscha, Laos und Myanmar verloren fast ein Viertel ihrer Waldflächen. In Thailand und Vietnam wurde mit 43 Prozent fast die Hälfte der Wälder abgeholzt.

 

Riesige Wasserkraftanlagen und Wilderei bedrohen den gesamten Naturraum. Das "Goldene Dreieck", an dem Thailand, Myanmar und Laos aufeinandertreffen, gilt als Drehscheibe des illegalen Wildtierschmuggels. Sollte kein Umdenken stattfinden, könnten bis 2030 die Wälder auf 14 Prozent ihrer ursprünglichen Fläche schrumpfen. Die Mekong-Region zählt zu den größten Entwaldungsfronten der Welt

 

Der WWF unterstützt daher Maßnahmen, die nachhaltige Investitionen in den Erhalt und die Intaktheit von Ökosystemen auf nationaler Ebene der Mekong-Länder, aber auch über die Landesgrenzen hinweg vorantreiben. Damit wundersame, unentdeckte Arten auch in Zukunft eine Chance auf einen intakten Lebensraum haben.

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