Der Mau-Wald-Komplex ist der größte noch verbliebene, nahezu zusammenhängende Block einheimischen Hochlandwaldes in Ostafrika. Die Wälder und Feuchtgebiete des Mau-Wald-Komplexes sind nicht nur Heimat für viele Tier- und Pflanzenarten, der Wald stellt auch die Wasserversorgung bis weit über seine eigenen Grenzen hinaus sicher und beeinflusst sogar die große Tierwanderung in der Masai Mara und der Serengeti.

Lage: Der Mau-Wald liegt nördlich der Mara in Höhenlagen zwischen 1.800 und 2.920 Metern über dem Meeresspiegel

Fläche: 3.900 Quadratkilometer bestehend aus 22 Waldgebieten

Lebensraum: Verschiedene Waldtypen (Bergwald, Bambuswald, Mosaik-Ökosystem mit Grasland)

Der Mau-Wald-Komplex umfasst eine Vielfalt von Waldtypen und beherbergt viele einheimische Pflanzenarten. Das Vegetationsmuster ist komplex und umfasst zum Beispiel den Bergwald tieferer Lagen (unterhalb von 2.300 Metern), gemischte Vegetation aus Bambus, Wald und Grasland (oberhalb von 2.300 Metern) sowie den höher gelegenen Juniperus-Podocarpus-Olea-Wald in den höchsten Lagen.

Das Klima reicht von montan-kühlen bis hin zu heißen und feuchten Wetterbedingungen in tieferen Lagen. In den untersten Teilen des Mau-Einzugsgebietes herrschen trockene und halbtrockene (semi-aride) Bedingungen. Es regnet dort wenig: Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt durchschnittlich 750 mm und fällt meist in die Zeiträume November bis Dezember und April bis Mai. Der jährliche Gesamtniederschlag wird dann mit zunehmender Höhe mehr und zuverlässiger.

Die Bedeutung des Mau-Waldes

Der Mara-Fluss entspringt im Mau-Wald © Kate Holt / WWF-UK
Der Mara-Fluss entspringt im Mau-Wald © Kate Holt / WWF-UK

Der Mau-Wald ist Kenias größter sogenannter "Wasserturm", er versorgt sechs große Seen mit Wasser, darunter den Viktoria- und den Natron-See; zwölf der Flüsse Kenias entspringen im Waldgebiet. Von den Wasserressourcen, die der Mau-Wald speist, hängen Millionen von Menschen und zahlreiche wichtige wirtschaftliche Aktivitäten in Kenia und Tansania ab, zum Beispiel Landwirtschaft, Viehzucht, Tourismus, Bergbau, Fischerei und Wasserkraft.

Der Mau-Wald beherbergt auch die Quellen des Mara-Flusses, der von hier in das Masai-Mara-Reservat und weiter in den Serengeti-Nationalpark fließt und schließlich in den Viktoriasee mündet. Der fst 400 Kilometer lange Mara ist der einzige Fluss im Mara-Serengeti-Ökosystsem, der auch zur Trockenzeit immer Wasser führt. Somit sind die Mau-Wälder die einzige zuverlässige Quelle für Oberflächenwasser im Ökosystem Mara-Serengeti und daher unentbehrlich für die große Tierwanderung in Mara und Serengeti mit mehr als zwei Millionen Gnus, Zebras und Thomson Gazellen.

Der Mau-Wald reguliert auch das regionale Klima: Über dem Mau-Wald steigt feuchte Luft auf, die sich beim Aufsteigen abkühlt und mit warmen Luftmassen zusammenstößt, die vom Viktoriasee kommen – so bilden sich regelmäßig Regenfälle. Und die wiederum sind wichtig für den Ausgleich der Wasserversorgung: Der Mau-Wald liefert Wasser in den trockeneren Zeiten des Jahres und mindert die Überschwemmungen während der Regenzeit.

Das bedroht den Mau-Wald

Für die Landwirtschaft gerodete Fläche im Mau-Wald © Yoshi Shimizu / WWF
Für die Landwirtschaft gerodete Fläche im Mau-Wald © Yoshi Shimizu / WWF

In der Mau-Mara-Serengeti-Landschaft ist ein großer Teil der Naturwälder außerhalb der Schutzgebiete bereits vollständig verloren gegangen. Dies verstärkt den Druck auf die verbliebenen Wälder im oberen Wassereinzugsgebiet. Der Mau-Wald-Komplex mit seinen vielfältigen Tier- und Pflanzenarten ist gegenwärtig zunehmend bedroht. Es ist von immenser Bedeutung, Kenias größten „Wasserturm“ zu erhalten und diese wichtige Wasserressource zu schützen: für die Menschen vor Ort, für den Erhalt der Biodiversität in den Mau-Wäldern selbst und für den Artenschutz bis hin zur Masai Mara und Serengeti mit der großen Tierwanderung. Sie alle hängen von diesem Wasserreservoir in höchstem Maße ab.

Die wachsende Bevölkerung und die weit verbreitete Armut setzen den Wald unter Druck, zerstörerischer Holzeinschlag gefährdet das Ökosystem: Es werden Wälder gerodet, um Felder anzulegen, Bau- und Brennholz oder Holzkohle zu gewinnen. Es fehlen Anreize für die Bevölkerung, den Wald nachhaltig zu bewirtschaften.

Durch die Eingriffe in das Ökosystem verändert sich das Wasserregime schon jetzt: Die Flüsse – auch der so wichtige Mara – versanden durch Erosion an den kahlen Hängen und führen weniger Wasser. Das Oberflächenwasser läuft auf dem kahlen Boden zu schnell ab, statt zu versickern. In der Folge speichert der Boden weniger Wasser, was dazu führt, dass Quellflüsse wie der Mara in der Trockenzeit weniger Wasser führen oder gar ganz versiegen. Das hat weitreichende Konsequenzen: Im Unterlauf verschärfen sich die Probleme in einem Gebiet, das ohnehin schon wasserarm ist und mit vielfältigen und wachsenden, wasserbezogenen Problemen zu kämpfen hat. 

Die Klimankrise verschärft die Belastung für Wasserressourcen, Ökosysteme und Menschen zusätzlich: Wetterextreme wie längeren Trockenphasen im Wechsel mit massiven Starkniederschlägen nehmen zu.

Das macht der WWF im Mau-Wald

Der WWF setzt im Mau-Wald ein großflächiges Leuchtturm-Projekt zur Wiederherstellung und zum Schutz der Waldlandschaft des Mau-Mara-Waldes um. Gemeinsam mit Partner:innen und lokalen Gemeinden sollen 10.000 Hektar degradierter Naturwaldflächen wiederhergestellt werden. Die Strategien und Standards dafür entwickelt der WWF auf kleineren Modellflächen. Lokale Gemeinden werden durch den Aufbau von Gemeinde-Waldverbänden eingebunden – sowohl in der Arbeit in den Baumschulen, in den Modellflächen als auch bei der großflächigen Restaurierung der degradierten Naturwälder.

Ziel ist es, die Lebensumstände der Bevölkerung zu verbessern und die Ressourcen nachhaltig zu nutzen. Es sollen alternative Einkommensquellen geschaffen und Schulungen zu Themen wie dem Schutz der Wälder, ökologische Zusammenhänge und nachhaltige Nutzung durchgeführt werden.

An den Flussufern sollen Schutzgebiete ausgewiesen werden. Dort sollen auch gerodete Flächen aufgeforstet werden, um die Bodenerosion zu stoppen und die Wasserqualität zu verbessern. Degradierte Waldgebiete sollen wieder hergestellt werden. Gemeinsam mit dem „Forest Action Network“, einer lokalen NGO, hat der WWF bereits hunderte Hektar frühere Waldflächen im Rahmen eines vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderten Projektes mit einheimischen Bäumen wieder aufgeforstet.

Das hat der WWF Bereits erreicht (Stand August 2021)

Einbindung von Gemeinden

In Zusammenarbeit mit dem Kenya Forest Service (KFS) und anderen wichtigen Partnern unterstützte der WWF den Prozess der Einbindung der an den Wald angrenzenden Gemeinden in Community Forest Associations (CFA). Im Jahr 2008 wurden fünf CFAs in der Mau-Region (im Einzugsgebiet des Mara-Flusses) gegründet. Die CFAs sind nun mit einer gut durchdachten Verwaltungsstruktur, partizipativen Waldbewirtschaftungsplänen und Vereinbarungen zur Waldbewirtschaftung ausgestattet.

Dieser Prozess hat dafür gesorgt, dass die Planung für die Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen auf lokaler Ebene erfolgt. So wird das Verständnis für die Probleme im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen aus der Perspektive der Gemeinden gestärkt. Das hat zur Folge, dass alle Beteiligten besser auf die Bedürfnisse der Gemeinden reagieren können.

Wiederaufforstung der Wälder
  • Mehr als 300 Hektar geschädigter Wälder wurden bereits durch das Pflanzen von Bäumen und die Förderung der natürlichen Regeneration wiederhergestellt. 
  • 2019 hat der WWF bereits 100 Hektar des Maasai-Mau-Waldes im Rahmen einer Vereinbarung mit der Kenya Water Towers Agency zur Sanierung übernommen. Ziel: die an den Wald grenzenden Gemeinden für den Waldschutz mobilisieren und 120.000 Bäume pflanzen.
Waldschutz
  • Ein Überwachungssystem, bei dem Scouts der Community Forest Association (CFA) mit Rangern des Kenya Forest Service (KFS) zusammenarbeiten ist erfolgreich gestartet: So wurden zahlreiche Lastwagen mit illegal beschafften Holzladungen von den CFA-Scouts beschlagnahmt. Die Scouts haben auch Fallen und Schlingen entfernt, die zur Wilderei tief im Wald verwendet wurden. Unterbunden wurde auch illegaler Landbau, der den Waldbestand in mehreren Abschnitten beeinträchtigt hatte.
  • Außerdem wurden sechs marode Waldposten Instand gesetzt und sind nun nutzbar.
Brandbekämpfung

In feuergefährdeten Gebieten ist die Zahl der Brände zurückgegangen und die Bereitschaft, der an den Wald angrenzenden Gemeinden, die Brandbekämpfung zu unterstützen, ist gestiegen.

Bestandserhebungen bei den Elefanten im Mauwald-Komplex

2016 und 2020 wurden mit Unterstützung des WWF Kenia die Elefanten im Mauwald-Komplex gezählt. Die Erhebung erstreckte sich auf zehn Gebiete mit einer Fläche von etwa 2.500 Quadratkilometern, von denen bekannt ist, dass hier Elefanten vorkommen. 

Unterstützung der Agroforstwirtschaft

Der WWF-Kenia unterstützt die Agroforstwirtschaft in den an den Wald angrenzenden Farmen. Mehr als 80 Prozent der Haushalte in diesem Gebiet sind auf Brennholz aus dem Wald angewiesen. Die Landwirte wurden ermutigt, selbst Bäume in ihrem Gebiet anzubauen und nachhaltige Anbaumethoden zu nutzen. So können sie ihre Produktivität maximieren, damit sinkt die Notwendigkeit, Ressourcen aus dem Wald entnehmen zu müssen.

Wiederherstellung von Feuchtgebieten

Der WWF hat mit der Kiptunga CFA und anderen Partnern zusammengearbeitet, um Strategien für die Erhaltung des Enapuyiapui-Sumpfes, der Quelle des Mara-Flusses, zu entwickeln und umzusetzen.

Aufbau von Ökotourismus

Der WWF-Kenia hat die Nyangores CFA dabei unterstützt, gemeinsam mit dem KFS ein Ökotourismusunternehmen im Nyangores-Waldblock des Transmara-Waldreservats ins Leben zu rufen.

  • Flusspferd im Selous in Tansania © Michael Poliza / WWF Kenia und Tansania

    Die Nationalparks der ostafrikanischen Länder beheimaten eine immense Artenvielfalt und die größte Elefantenpopulation Afrikas. Weiterlesen ...