Rastende Alpenstrandläufer im August im Wattenmeer © Hans-Ulrich Rösner / WWF

Mehr als 40 Jahre WWF am Wattenmeer

Ein Blick zurück und die Augen nach vorn
Stand: 05.06.2026

Naturschutz ist selten einfach. Komplexe ökologische Zusammenhänge und die Dynamik natürlicher Prozesse treffen auf unterschiedliche Interessen. Am Wattenmeer gilt das in besonderem Maße: Hier gibt es einzigartige Lebensräume zwischen Land und Meer auf Schifffahrt, Fischerei, Tourismus, Energiegewinnung und Küstenschutz. Gerade deshalb braucht es langfristiges Engagement, wissenschaftliche Erkenntnisse und den Willen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Dass dies gelingen kann, zeigt die Geschichte des Wattenmeerschutzes. Der WWF gestaltet sie seit Jahrzehnten aktiv mit.

Glückwunsch, Hans-Ulrich Rösner!

Dr. Hans-Ulrich Rösner © Anja Bertuch / WWF

Wer vom Schutz des Wattenmeeres spricht, kommt an Hans-Ulrich Rösner kaum vorbei. Sein Engagement reicht weit über seine außergewöhnliche fachliche Expertise hinaus. Mehr als 40 Jahre hat er Generationen von Menschen für das Wattenmeer begeistert und dessen Bedeutung als eines der wertvollsten Ökosysteme Europas immer wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Dafür hat er Brücken geschlagen zwischen Wissenschaft, Politik, Naturschutz und den Menschen an der Küste. Dafür wurde Hans-Ulrich Rösner am 2. Juni 2026 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Seit 1995 war Hans-Ulrich Rösner Leiter des WWF Wattenmeerbüros, 2025 ging er nach 39 Jahren in Rente. Nach wie vor unterstützt er ehrenamtlich die Schutzstation Wattenmeer und den WWF, indem er seinen wertvollen Erfahrungsschatz teilt. Sein Rat, seine Stimme und seine Expertise werden auch künftig wichtige Impulse geben. Gleichzeitig steht beim WWF eine neue Generation bereit, um die nach wie vor ungelösten Probleme wie der flächendeckenden Fischerei, die Gas- und Ölförderung und die Anpassung an den Meeresspiegelanstieg anzupacken. Sie profitiert von den Grundlagen, die Hans-Ulrich Rösner über Jahrzehnte mit aufgebaut hat, und führt diesen Einsatz mit eigener Energie und neuen Ideen weiter.

So hat sich der WWF für das Wattenmeer eingesetzt

Seehund © Hans-Ulrich Rösner / WWF
Seehund © Hans-Ulrich Rösner / WWF

Als der WWF Ende der 1970er Jahre seine Arbeit für das Wattenmeer begann, stand man vor riesigen Herausforderungen. Zwar war die ökologische Bedeutung des Gebiets bekannt, doch zahlreiche Eingriffe bedrohten die einzigartigen Lebensräume von Zugvögeln, Robben, Fischen und unzähligen wirbellosen Arten.

Ein wichtiger Meilenstein war die Unterstützung bei der Ausweisung großflächiger Schutzgebiete entlang der deutschen Nordseeküste. Der WWF setzte sich gemeinsam mit Partnern dafür ein, dass aus einzelnen Schutzinseln ein zusammenhängendes Schutzsystem entstand. Die Nationalparke in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg bilden heute das Rückgrat des deutschen Wattenmeerschutzes.

Auch beim Schutz der Meeressäuger spielte der WWF eine aktive Rolle. Nach Jahrzehnten der Verfolgung und Belastung durch Umweltgifte konnten sich die Bestände der Kegelrobbe und des Seehundes vielerorts erholen. Der WWF begleitete Schutzprogramme, unterstützte Forschungsvorhaben und setzte sich für störungsarme Rückzugsräume ein.

Chronik des Wattenmeerschutzes

  • Nationalpark-Gründungen: In den Jahren 1985 und 1986 wurden die Nationalparks in Schleswig-Holstein und Niedersachsen gegründet, Hamburg folgte 1990. Dies stellte das gesamte Gebiet unter strengen Schutz und beendete vielerorts die wirtschaftliche Ausbeutung.
  • Trilaterale Zusammenarbeit: Seit 1987 koordiniert das Gemeinsame Wattenmeersekretariat (CWSS) den Schutz über die Grenzen von Deutschland, den Niederlanden und Dänemark hinweg.
  • Erholung durch Naturschutz: Strengere Jagdverbote und die Ausweisung von Ruhezonen führten zu einer massiven Erholung der Bestände zahlreicher Arten. Besonders die Rückkehr von Kegelrobben und die Erholung der Seehundpopulationen gelten als herausragende Erfolge. Die Salzwiesen sind jetzt wieder deutlich artenreicher.
  • UNESCO-Weltnaturerbe: Die Auszeichnung des Wattenmeers als Weltnaturerbe im Jahr 2009 hob den Schutz auf die globale Ebene und steigerte die internationale Bedeutung.
  • Monitoring des Ökosystems: Seit nunmehr 40 Jahren liefert das Monitoring im Nationalpark Wattenmeer verlässliche Daten zu Vogelpopulationen, Salzwiesen und den Auswirkungen der Klimakrise.

Das Wattenmeer vor neuen Herausforderungen

Wattenmeer Küste © Claudi Nir / WWF
Wattenmeer Küste © Claudi Nir / WWF

Ein weiteres zentrales Arbeitsfeld war und ist der Schutz der Zugvögel. Jährlich rasten Millionen Vögel im Wattenmeer auf ihrer Reise zwischen Arktis und Afrika. Der WWF engagierte sich für störungsfreie Rast- und Nahrungsgebiete und machte die internationale Bedeutung des Wattenmeers für den Vogelzug weltweit sichtbar.

Erfolge gab es auch auf politischer Ebene. Gemeinsam mit zahlreichen Partnern trug der WWF dazu bei, dass das Wattenmeer 2009 als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt wurde. Diese Auszeichnung würdigt nicht nur den außergewöhnlichen ökologischen Wert des Gebiets, sondern stärkt auch seinen langfristigen Schutz.

Gleichzeitig blieb der WWF ein kritischer Begleiter neuer Herausforderungen. Ob Diskussionen um Öl- und Gasförderung, Eingriffe durch Fahrrinnenvertiefungen, die Folgen des Klimawandels oder die Auswirkungen von Offshore-Infrastruktur – immer wieder setzte sich der WWF dafür ein, dass wirtschaftliche Nutzung und Naturschutz sorgfältig abgewogen werden.

Wilde Natur an der Nordseeküste

WWF-Projektregion: Wattenmeer © WWF
WWF-Projektregion: Wattenmeer © WWF

Heute steht das Wattenmeer vor neuen Belastungen. Der steigende Meeresspiegel, zunehmende Nutzungsansprüche und der Verlust biologischer Vielfalt erfordern weiterhin entschlossenes Handeln. „Über 40 Jahre WWF-Wattenmeerschutz zeigen: Fortschritte sind möglich, wenn Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Naturschutz gemeinsam Verantwortung übernehmen“, sagt Jannes Fröhlich, der heute das WWF Programm Wattenmeer leitet.

Der WWF wird diesen Weg auch in Zukunft begleiten – für ein lebendiges Wattenmeer und die Arten, die von ihm abhängen.

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