Hochkonzentriert gleitet die Tierärztin mit einem Ultraschallkopf über die rosafarbene Delfinhaut. Atmung und Herzschlag des Tieres werden ständig überwacht. Der Eingriff muss schnell gehen – Delfine sollten nicht zu lange außerhalb des Wassers bleiben. Nach gerade einmal 20 Minuten ist alles vorbei und das Expeditionsteam hebt den rund 100 Kilogramm schweren Säuger sanft zurück ins Wasser. Von nun an wird er den Namen „Majaz“ tragen und täglich seinen Aufenthaltsort an die Forscher senden.

Majaz ist einer von 50 Flussdelfinen, die der WWF in fünf südamerikanischen Amazonas-Anrainerstaaten kurzzeitig eingefangen, untersucht und zum Teil mit GPS-Sendern ausgestattet hat. Im Rahmen eines Forschungsprojekts will man mehr über die scheuen Tiere erfahren, um sie gezielt schützen zu können – denn ihr Bestand ist in den vergangenen Jahren besorgniserregend schnell gesunken.

Expedition zu den Delfinen

Seit Ende 2017 sind die WWF-Forschungsboote für das Delfin- und Süßwasserschutzprojekt in Brasilien, Bolivien, Peru, Ecuador und Kolumbien unterwegs. Die Teams bestehen aus Biologen, Tierärzten, Naturschützern und einheimischen Fischern – und sind stets auf der Suche nach wichtigen Informationen zum Verhalten, den Wanderwegen und Bedrohungen der rosa Delfine. 

„Wenn man einen Flussdelfin möglichst schonend fangen will, braucht man eine akribische Vorbereitung, ein bisschen Glück und viel Geduld – einmal sogar mehr als zwölf Stunden lang.“, erklärt Roberto Maldonado vom WWF Deutschland, der schon bei den allerersten Expeditionsfahrten dabei war. 

Die scheuen Tiere werden in die Seitenarme des Flusses getrieben, um sie dann mit Netzen einzukreisen und zügig auf das Boot zu heben. Die Zähne der Delfine werden untersucht und Speichel-, Gewebe- sowie Blutproben entnommen. Auch die Ultraschalluntersuchung und das Wiegen lassen sie geduldig über sich ergehen. Bei 22 der bisher 50 untersuchten Tiere wurden Peilsender an der Rückenflosse befestigt. Bis zu 280 Tage lang senden die GPS-Sender den Aufenthaltsort der Tiere, schließlich fallen sie auf natürlichem Wege von selber ab. 

Zu den ersten erstaunlichen Erkenntnissen gehören zum Beispiel die großen, mehrere hundert Kilometer weiten Strecken, welche die Delfine zurücklegen. Dies zeigt, wie wichtig frei fließende Flüsse für diese Tiere sind.

Drohnen helfen beim Zählen

Auch Populationsstudien der seltenen Säuger sind Bestandteil des Forschungsprojekts. Hierfür kommen neuerdings Drohnen zum Einsatz. Dank dieser modernen Technik genügt ein kleines Schiff mit drei Personen, um eine Zählung durchzuführen – im Anschluss hilft eine Software dabei, das Videomaterial auszuwerten. Diese Methode ist schneller und vor allem weniger kostenintensiv als das manuelle Zählen.

Zum Vergleich: Bei einer Zählung ohne Drohne sind rund zwölf Menschen an Bord. Diejenigen, die beobachten, müssen in Schichten eingeteilt und regelmäßig ausgetauscht werden.

Nervengift im Blut

Erste Forschungsergebnisse bestätigen die schlimmsten Befürchtungen: Die Schadstoffbelastung der Tiere ist alarmierend hoch.

Rund 26 Prozent der untersuchten Flussdelfine in Brasilien wiesen Quecksilberwerte auf, die in einer entsprechenden Konzentration für den menschlichen Organismus bereits äußerst gefährlich sind. Dies ist nicht nur ein kritischer Befund für die Tiere, sondern für das gesamte Süßwasserökosystem des Amazonas – und mit ihm auch für die Menschen, die dort leben.

Vor allem für viele Indigene sind Fische wichtige Proteinquellen, aber durch die Schadstoffbelastung eben auch eine große Gesundheitsbelastung. Forschungen in Peru haben selbst in den isoliertesten Gebieten des Amazonas hohe Schadstoffbelastungen der Indigenen ergeben. Denn zu den mit am stärksten belasteten Fischen gehören große, räuberische Welse – sie sind wichtige Speisefische und wandern tausende Kilometer weit.

Retten Sie die Flussdelfine des Amazonas!

Helfen Sie uns, die rosa Delfine vor dem Aussterben zu bewahren! Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie es uns, die wissenschaftliche Forschung zu stärken, die Lebensräume der Flussdelfine zu schützen und ihre direkten Bedrohungen entschieden anzugehen. Schützen wir die Flussdelfine, tragen wir auch einen großen Teil zum Schutz des Amazonas bei – einem der wichtigsten und artenreichsten Ökosysteme unserer Erde.

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