Tiere und Pflanzen brauchen einen geschützten Lebensraum, damit sie sich fortpflanzen und ihren Bestand sichern können. In weiten Teilen Ecuadors und Kolumbiens sind diese Bedingungen nicht mehr gegeben. Der Raubbau hat den Regenwäldern großen Schaden zugefügt. Um ihren natürlichen Schatz zu bewahren, hat sich der WWF zum Ziel gesetzt, rund 20 Millionen Hektar Wald zu schützen. Regelmäßiges Monitoring gibt Auskunft darüber, ob die Maßnahmen erfolgreich sind.

Geschmeidig streift ein Puma durch den dichten Regenwald. Der Einzelgänger ist auf Beutesuche und schaut sich aufmerksam um. Die Kamera bemerkt er nicht. Sie hat das extrem seltene und scheue Tier gefilmt. Ein Ranger hat das Spezialgerät vor einer Woche hier im Dickicht aufgestellt. Sobald sich etwas vor der Linse bewegt, löst die Kamera automatisch aus und filmt oder fotografiert. Sie ist Teil des ersten länderübergreifenden Monitoring-Systems, das der WWF in Ecuador und Kolumbien durchführt. Mit Hilfe von Kamerafallen wird der Bestand der Tiere ermittelt und ihr Zustand bewertet. Die Daten sollen Antworten auf folgende Frage geben: Welche Arten streifen im Schutzgebiet umher? Wie viele Exemplare sind es? Kommen sie überall vor oder nur an bestimmten Stellen? Wie ist ihre Verfassung? Diese Form der Naturschutzarbeit wird als Biomonitoring bezeichnet.

Die Großkatze als Indikator

Biomonitoring liefert dem WWF wichtige Erkenntnisse. Anhand der gesammelten Daten wird der Zustand eines Waldgebietes beurteilt und gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergriffen. Jaguaren, Tapiren und zum Teil auch Brillenbären kommen dabei wichtige Rollen zu. Sie sind sogenannte Indikatoren, also Arten, die anzeigen, wie es um ein bestimmtes Gebiet bestellt ist. Der Jaguar stellt beispielsweise besonders hohe Ansprüche an seinen Lebensraum und benötigt ein ausgedehntes Revier, um erfolgreich jagen zu können. Ist die Großkatze mitsamt ihren Beutetieren weit verbreitet, ist dies ein gutes Zeichen für das ökologische Gleichgewicht einer Region. Das Monitoring der Jaguare wird zurzeit in einem Schutzkorridor rund um die Flüsse Putumayo und Caqueta durchgeführt, aber auch im Ramsar Schutzgebiet Estrella Fluvial de Inidirda. Kamerafallen haben den Vorteil, dass die Tiere völlig unbeeinflusst in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet werden können.

Arbeit mit Erfolg

Kontrollgang im Nebelwald © WWF
Kontrollgang im Nebelwald © WWF

Der WWF arbeitet nicht allein. Gemeinsam mit rund 90 Kleinbauern, Indigenen und Rangern werden systematisch drei Regionen des ecuadorianischen und kolumbianischen Amazonas überwacht. Das Gebiet umfasst die östlichen Andenhänge, den mittleren Lauf des Putumayo-Flusses, und das indigene Schutzgebiet Estrella Fluvial de Inirida. In einem Teil der östlichen Anden konnte dank des Monitorings bereits die Wilderei verringert werden. Das liegt zum einen daran, dass die Bauern und Indigenen die Jäger oft gut kennen und sensibilisieren können. Zum anderen haben etliche ehemalige Wilderer bereits die Seite gewechselt und unterstützen nun die Arbeit des WWF.

Nicht nur die Tiere an Land werden erfasst. Das Monitoring wird auch in den Gewässern eingesetzt. Zierfische aus dem Amazonas-Regenwald sind weltweit gefragt. Doch die Fangmethoden sind oft alles andere als nachhaltig. Anhand von Stichproben ermittelt der WWF mit den Indigenen vor Ort die Fischbestände. Im 253.000 Hektar großen Süßwassergebiet “Fluvial Star of Inirida” wird zudem ein Kontrollposten errichtet. Von hier aus können die Naturschützer künftig genau überwachen, ob die Bestände sich erholen können und wie die lokalen Fischer arbeiten. Zierfische sind nicht selten ihre Haupteinnahmequelle.

Unzureichende Ausrüstung

Um das Biomonitoring flächendeckend einsetzen zu können, benötigen die Verantwortlichen eine bessere Ausrüstung. Neben Kameras und Fischernetzen werden auch Stirnlampen, Rucksäcke und wasserfeste Bergstiefel benötigt, um die Schutzgebiete sicher kontrollieren zu können.

 

 

 

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