Amazonien ist eine Region der Superlative. Sie beherbergt weltweit den größten Regenwald, den wasserreichsten Fluss und zehn Prozent aller bekannten Tier- und Pflanzenarten. Doch der Amazonas ist in Gefahr: Entwaldung, Landwirtschaft, Bergbau und der Klimawandel zerstören immer mehr Wald. Eine der größten Entwaldungsfronten rollt im Nordwesten von den Anden her auf den Amazonas zu. Diese Welle der Zerstörung zu stoppen und einen grünen Schutzwall für den Amazonas zu schaffen, ist die Vision des WWF für den Nordwesten des Amazonas. Die Arbeit des WWF in dieser Region begann im Jahr 2009.

Das Ziel: Bis zum Jahr 2023 sollen im Nordwestlichen Amazonas-Korridor zehn Millionen Hektar Wald, Flüsse und Süßwasserbereiche geschützt werden, damit sie ihre ökologische Funktionalität und die biologische Vielfalt bewahren und weiterhin die Lebensgrundlage für die lokale Bevölkerung bereitstellen können. Ein Gürtel aus Schutzgebieten und indigenen Territorien soll sich wie ein Schutzwall der Entwaldungsfront entgegenstellen. 

Der Nordwestliche Amazonas-Korridor beherbergt eine außerordentlich hohe Artenvielfalt und ist von großer Bedeutung für das gesamte Amazonas-Ökosystem. Acht große Nebenflüsse des mächtigen Stroms haben in der Projektregion ihren Ursprung. Ohne ihren kontinuierlichen Zulauf gerät das empfindliche Gleichgewicht des Amazonas in Schieflage.  

Die Flussläufe sind Lebensraum der bedrohten Flussdelfine, der Amazonas-Seekuh und des Riesenotters. Die Auwälder bieten dem Jaguar einen seiner letzten Rückzugsorte. Die Flüsse und Wälder im Nordwestlichen Amazonas-Korridor sind auch die Heimat und Lebensgrundlage von fast zwei Millionen Menschen, darunter 68 indigene Gruppen, die zum Teil noch sehr traditionell oder sogar in freiwilliger Isolation leben. 

Einzigartige Artenvielfalt

Im Nordwestlichen Amazonas-Korridor treffen Anden und Amazonas aufeinander. Dadurch sind Flora und Fauna hier besonders vielfältig. Viele endemische Arten leben hier, also Pflanzen und Tiere, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. 

Lage: Der Nordwestliche Amazonas-Korridor umfasst den nordwestlichen Bogen des Amazonas vom Südwesten Venezuelas bis Nord-Peru, einschließlich des gesamten kolumbianischen und ecuadorianischen Amazonasgebietes. 

Fläche: Das Projektgebiet ist umfasst mehr als zehn Millionen Hektar. Das entspricht in etwa der Größe Islands.  

Lebensraum: Fast zu 100 Prozent zusammenhängender Berg- und Tieflandregenwald. Hier leben mehr als 3.500 Pflanzenarten, etwa 200 Säugetierarten und mehr als 400 Vogelarten, 100 Reptilienarten sowie zahllose kleinere Lebewesen wie Insekten und Schnecken.

Entdecken Sie Schutzgebiete und Geschichten im Nordwestlichen Amazonas

Raubbau bedroht Natur und Menschen

Feuerrodung im Amazonas © WWF-Brazil
Feuerrodung im Amazonas © WWF-Brazil

Jahrtausendelang lebten die indigenen Gruppen in Kolumbien, Ecuador und Peru in einem intakten Ökosystem. Als Mitte des 20. Jahrhunderts die ersten größeren Gebiete besiedelt wurden, geriet vielerorts die Natur aus dem Gleichgewicht und damit die Lebensgrundlage der Indigenen in Gefahr. 

In großem Stil werden seitdem Bodenschätze wie zum Beispiel Gold und Erdöl abgebaut bzw. gefördert. Eisen und andere Erze könnten in Kolumbien bald folgen. Die Goldgewinnung wird vom Staat kaum überwacht und verunreinigt die Gewässer mit Chemikalien und Schwermetallen. Hinzu kommen bereits vorhandene oder sich noch im Bau befindende Straßen und Wasserwege. 

Das größte Problem in der Region ist jedoch die rücksichtslose Abholzung des tropischen Regenwaldes: In der Region verläuft eine der größten Entwaldungsfronten im Amazonas überhaupt. Um Felder für den Ackerbau, für den Palmölanbau und vor allem Weiden für Viehzucht zu gewinnen, werden seit Jahrzehnten gigantische Waldflächen vernichtet. Die Folgen des wirtschaftlichen Großangriffs sind längst spürbar.  

Extreme Dürren und Überschwemmungen sind erste Anzeichen dafür, dass der Raubbau an der Natur das Klima verändert hat. Deshalb will der WWF gemeinsam mit den Menschen vor Ort ein Bewusstsein dafür schaffen, was den Amazonas bedroht, sich mit ihnen für den Erhalt der Biodiversität ihrer Heimat engagieren und Unterstützung dabei bieten, alternative und nachhaltige Einkommensquellen zu erschließen. 

Erfolge des WWF

Untersuchen der Kakaosamen © Alejandro Janeta / WWF Ecuador
Untersuchen der Kakaosamen © Alejandro Janeta / WWF Ecuador

Der Einsatz des WWF und seiner Partner im Nordwestlichen Amazonas-Korridor zahlt sich aus. Am Putumayo in Norden Perus zum Beispiel unterstützte der WWF die indigenen Gemeinschaften bei ihrem 15 Jahre währenden Kampf für die Ausweisung des Güeppí-Sekime-Nationalparks und der beiden benachbarten indigenen Gemeindereservate. Der WWF war auch beteiligt an der Anerkennung des 770.000 Hektar großen Cuyabeno-Lagartococha-Yasuni-Gebiets in Ecuador als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung unter der Ramsar-Konvention sowie an der Erweiterung des Gebietes des Nationalparks Serranía del Chiribiquete in Kolumbien. 

Wichtiger Teil des Engagements des WWF ist die gemeinsame Arbeit mit den Indigenen für alternative und nachhaltige Einkommensquellen. Ein Beispiel ist das Monitoring- und Forschungsprojekt zum Jaguar im indigenen Territorium Predio Putumayo in Kolumbien, das eng mit Gemeinschaften des Volkes der Murui-Muina umgesetzt wird. Im Cuyabeno-Wildtierreservat in Ecuador sind erfolgreiche Projekte der Anbau und die Vermarktung von hochwertigem Kakao oder der Schutz von Süßwasserschildkröten, bei denen die indigenen Gemeinschaften eng mit Touristen-Lodges zusammenarbeiten: So entstand eine zusätzliche Einkommensquelle und die Gemeinden sind aktiv an der Erholung der Schildkrötenpopulationen beteiligt.  

Ein aktuelles Projekt ist die Arbeit für die Anerkennung des ersten indigenen Schutzgebiets SACRE in Ecuador, bei dem der WWF die Indigenen unterstützt. 

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  • Kamerafalle fotografiert Nasenbär © WWF-Peru NAP Biomonitoring

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