Vor gerade einmal 100 Jahren lebten noch rund 200.000 Löwen auf der Erde. Heute sind es nicht einmal mehr 25.000 – Tendenz sinkend. Um diesen Trend umzukehren, braucht es ausgeklügelte Schutzstrategien. Wie vielfältig diese sein müssen, zeigt die Arbeit des WWF in Namibia eindrucksvoll.

William Crosmary auf der Fahrt ins Löwengebiet.
William Crosmary auf der Fahrt ins Löwengebiet © William Crosmary

Seit vielen Jahren setzt sich der WWF gemeinsam mit seinem Projektpartner Kwando Carnivore Project (KCP) in der Sambesi-Region dafür ein, dass Löwen und Menschen friedlich nebeneinander leben können. Um dies zu erreichen, ist Forschungsarbeit erforderlich. Die Löwenschützer:innen müssen sich ein Bild von der Löwenpopulation vor Ort machen und verstehen, wie sich die Tiere bewegen, um effektive Schutzmaßnahmen in die Wege leiten zu können.

Auch Mitarbeiter:innen des WWF Deutschland verschaffen sich immer wieder persönlich einen Einblick in die Projektarbeit. So auch Dr. William Crosmary, WWF-Projektmanager für das östliche und südliche Afrika, der im März 2025 die Gelegenheit hatte, Tanaka Muradzikwa, Operations Manager bei Kwando Carnivore Project, bei einem Einsatz zu begleiten.

„Eine Tour durch KAZA ist kein gewöhnlicher Ausflug. Vergessen Sie Autobahnen! Auf den holprigen Straßen, die durch die Schutzgebiete führen, haben Wildtiere Vorrang,“ erzählt Dr. William Crosmary von seiner Reise. „Rasantes Fahren ist hier unmöglich. Immer wieder wichen wir tiefen Schlaglöchern aus oder hielten an, um Elefanten und andere Wildtiere passieren zu lassen, die unseren Weg kreuzten.“

Kamerafallen, Kraals und GPS-Sender

Kraalbau © Kwando Carnivore Project
Kraalbau © Kwando Carnivore Project

Für den Löwenschutz sind Kamerafallen und GPS-Sender essenziell, um die Bewegungsmuster und das Verhalten der Löwen zu erfassen. Anhand der Daten sehen die Löwenschützer:innen genau, wo die Tiere unterwegs sind und wo ihre Wege sie in die Nähe menschlicher Siedlungen führen. Diese Informationen sind wichtig, um Konflikte zu vermeiden.

Um zu verhindern, dass Löwen Nutztiere reißen, werden sogenannte Kraals eingesetzt. Das sind löwensichere Viehgehege, die entweder dauerhaft an einer Stelle installiert werden oder mobil sind und von den Vieh-Hirt:innen je nach Bedarf an verschiedenen Orten eingesetzt werden können. Diese Zäune schützen das Vieh wirksam vor Löwen und verhindern so Vergeltungstötungen, die leider immer noch vorkommen, wenn doch einmal ein Löwe das Vieh der Menschen gerissen hat.

Auf seiner Reise hat Dr. William Crosmary mehrere solcher Kraals im Einsatz gesehen.  „Wie ein Symbol für die friedliche Koexistenz von Löwen und Menschen steht auch direkt am Rand des Mudumu-Nationalparks ein solcher Kraal“, erzählt er.

„Weil die Spezialzäune das Vieh der lokalen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zuverlässig schützen, geben sie den Löwen gleichzeitig die Möglichkeit, sich ohne Konflikte frei zu bewegen. Das ist praktisch, effektiv und ein großartiges Beispiel für wirksamen Löwenschutz.“

„Das Mudumu-Schutzgebiet ist ein Juwel in Namibias Sambesi-Region: 737 Quadratkilometer goldene Savannen, alte Überschwemmungsgebiete, Papyrussümpfe und dichte Mopane-Wälder. Das sind einzigartige Waldökosysteme des südlichen Afrikas, die hauptsächlich aus den gleichnamigen Bäumen bestehen. Der Mudumu-Nationalpark ist Löwenland, Elefantenland und ein Paradies für Ornithologinnen und Ornithologen.“

Dr. William Crosmary, WWF-Projektmanager Östliches und Südliches Afrika

Batteriewechsel bei den Löwen

Tanaka Muradzikwa, Operations Manager bei Kwando Carnivore Project.
Tanaka Muradzikwa, Operations Manager bei Kwando Carnivore Project © Herman Aindongo

Zur Arbeit von Tanaka Muradzikwa  gehört es auch, regelmäßig die Funktionsfähigkeit des technischen Equipments zu überprüfen. Dazu zählt auch, die GPS-Sender gelegentlich mit neuen Batterien zu versehen. Doch wie wechselt man die Batterien eines Senders am Hals eines Löwen? Dr. William Crosmary begleitete Tanaka Muradzikwa, Operations Manager bei Kwando Carnivore Project, bei einem solchen Einsatz.

„An einem frühen Morgen brachte uns Tanaka Muradzikwa in einem Geländewagen schließlich tief in den Mudumu-Nationalpark“, erzählt Dr. William Crosmary. „Unsere Mission an diesem Tag? Eine mit einem GPS-Halsband ausgestattete Löwin orten, um einen routinemäßigen Batteriewechsel vorzunehmen.“

„Mit seinem Smartphone und einer GPS-App ermittelte Tanaka die letzten Positionsdaten der Löwin, dann folgten wir den digitalen ‚Brotkrumen‘. Das klingt einfach, aber genau hier begann das eigentliche Abenteuer. Wir holperten und schaukelten durch dichtes Gebüsch, wichen dornigen Akazien aus, durchquerten sumpfige Passagen und fragten uns gelegentlich, ob wir noch in die richtige Richtung fuhren. GPS mag Hightech sein – der Löwin war das herzlich egal. Das hier ist ihr Territorium!“

Löwen sind schwer zu finden

Der Handempfänger hat das GPS-Signal erreicht.
Der Handempfänger hat das GPS-Signal erreicht © William Crosmary

Löwen sind Meister der Tarnung. Sie verschmelzen nahezu mit ihrer Umgebung und sind selbst aus wenigen Metern Entfernung kaum zu erkennen. Das macht die Ortung besenderter Tiere sehr anspruchsvoll.

Diese Erfahrung machte auch Dr. William Crosmary auf seiner Mission, eine einzelne Löwin zu finden.

„Nach einer gefühlten Ewigkeit zeigte das GPS endlich: Ziel erreicht. Tanaka streckte seinen Arm aus dem Fenster und hielt einen Handempfänger hoch, um das Signal so zu verfeinern, dass die Position auf wenige Meter genau feststand. Und plötzlich sahen wir sie! Majestätisch lag die Löwin im schattigen Unterholz, nur einen Katzensprung von uns entfernt.“

„Für einen Moment hielten wir den Atem an, dann begannen wir zu beraten. War die Situation sicher genug, um die Löwin zu betäuben? Schnell stand fest: Die Vegetation ist zu dicht, das Risiko zu groß.“

Bei ihren Einsätzen in freier Wildbahn wissen die Löwenschützer:innen nie, was sie erwartet. Diesmal hatte die Natur das letzte Wort die Mission wurde verschoben. Es gab keinen Batteriewechsel, dafür aber eine unvergessliche Begegnung für Dr. William Crosmary und die Kolleg:innen vor Ort.

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