Die drei Nachbarländer Kenia, Tansania und Sambia im Osten Afrikas stehen alle vor dem gleichen Problem: Jährlich verlieren sie hunderttausende Hektar Wald. Dabei gehören die Wälder Ostafrikas zu den artenreichsten Ökosystemen des afrikanischen Kontinents und sind gleichzeitig Lebensgrundlage vieler Menschen. Unter großer Anstrengung werden deshalb in allen drei Ländern Waldlandschaften wiederhergestellt.

Kenias wichtige Wälder

Bambus und Rosenholz, alpine Feuchtgebiete und dichte Bergwälder. In den Baumkronen brüllen Stummelaffen, durch das Unterholz schleichen einige der letzten Goldkatzen unserer Erde: Das kenianische Aberdare-Gebirge ist einzigartig und eines der wichtigsten Wassereinzugsgebiete des Landes. Es versorgt die trockenen Ebenen mit Wasser – solange Wälder den Wasserkreislauf am Laufen halten.

Am Fuße des bis zu 2.500 Meter hohen Gebirges zieht sich das Naivasha-Becken bis zum malerischen Naivasha-See. Der Druck auf Bäume und Wälder hier ist noch größer als in den schwer zugänglichen und durch einen Nationalpark geschützten Bergen. „Die meisten seiner Wälder hat Kenia bereits verloren“, so Jana Kanig, Ostafrika-Referentin beim WWF Deutschland. „Weniger als acht Prozent der Landesfläche sind heute bewaldet. Mindestens zehn Prozent sollen es wieder werden. Das hat sogar Verfassungsrang.“

Eine halbe Million neue Bäume für Kenia

Peter Muriuki mit Setzling © WWF / Simon Rawles
Peter Muriuki mit Setzling © WWF / Simon Rawles

120.000 Baumsetzlinge hat der WWF gemeinsam mit einer lokalen Partnerorganisation und Gemeindemitgliedern in drei verschiedenen Waldgebieten im Naivasha-Becken schon gepflanzt. Bis 2023 sind fast eine halbe Million Pflanzungen geplant. Bestehende Waldflächen sollen sich unter Schutz natürlich regenerieren.

In enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Bauern und Bäuerinnen fördert der WWF außerdem den Anbau von Obstbäumen und Bambus: Eigentlich ein Gras und kein Baum, bildet Bambus in Kenia ganze Wälder. Die schnell wachsende Pflanze soll zur Alternative werden für das Sammeln von Feuerholz in den Wäldern und so auch Einnahmen für die Bevölkerung generieren.

Ein Projekt – drei Länder

Rund 46.000 Hektar Waldlandschaften sollen in Kenia, Tansania und Sambia wieder hergestellt werden. Von den Bergregenwäldern der Aberdares über Küsten- und Miombowälder in Tansania bis hin zu Trockenwäldern in Sambia sind dabei die Waldtypen höchst unterschiedlich.

Beteiligt sind insgesamt 16 Gemeinden, deren Mitglieder in hohem Maße von den natürlichen Ressourcen abhängen, niedrige Einkommen haben und überwiegend Landwirtschaft betreiben. Denn ähnlich sind in den verschiedenen Regionen immer wieder die Gründe der Zerstörung: Nicht nachhaltige Landwirtschaft und Wanderfeldbau, Siedlungen und Weidevieh, unerlaubtes Sammeln von Feuerholz und unkontrollierte Waldbrände bedrohen Ostafrikas Wälder.

Tansania: Bessere Ernten zugunsten der Wälder

Famerin mit Sonnenblume © WWF
Famerin mit Sonnenblume © WWF

Der Kilwa-Distrikt in Tansania liegt etwa 200 Kilometer südlich von Daressalam am Indischen Ozean. Das Klima ist heiß und feucht. In drei Gemeinden nutzen die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern hier zum Anbau von Mais, Hirse, Sonnenblumen und Maniok inzwischen Methoden und Saatgut, die besser als zuvor an Böden und Klima angepasst sind. 

Denn eines der größten Probleme für Tansanias Wälder ist der Wanderfeldbau. Schlechte Ernten und Böden zwingen die Kleinbäuer:innen, immer neue Felder zu erschließen und dafür ständig mehr Wald zu roden.

„Bessere Erträge sind das beste Argument, um mehr Menschen von den neuen Anbaumethoden zu überzeugen und zunehmend Ackerbau auf langfristig nutzbaren Feldern möglich zu machen, statt ständig neue Flächen zu entwalden.“ Jana Kanig vom WWF Deutschland lebt und arbeitet in Tansania, um das Großprojekt der Wiederherstellung von Waldlandschaften in Ostafrika vor Ort zu betreuen.

Gemeindewälder: Zum Wohl von Tansanias Menschen und Natur

Mitglied des Village Natural Resource Committee in Liwiti village mit einem Setzling © WWF
Mitglied des Village Natural Resource Committee in Liwiti village mit einem Setzling © WWF

Auch in den Wäldern der Gemeinden des Kilwa-Distriktes in Tansania hat sich viel getan. Zusätzlich zu den staatlich geschützten Waldflächen der Region haben die Gemeinden Teile ihrer eigenen Wälder unter Schutz gestellt und erlauben lediglich eine gezielt nachhaltige Nutzung des Holzes.

Der WWF unterstützt eine Baumschule, die von Gemeindemitgliedern betrieben wird und Setzlinge für Pflanzungen in den Gemeindewäldern und staatlichen Wäldern liefert.

Der WWF hilft den Gemeinden außerdem, eine FSC-Zertifizierung für ihr Holz zu erhalten, dadurch bessere Preise zu erzielen und sich entsprechende Märkte zu erschließen. Schon jetzt ermöglichen Einnahmen aus den Wäldern die Renovierung von Schulen, einer Gesundheitsstation und eines Gemeindehauses.

Sambia: Gemeindewälder und Feuerwehren für den Wildtierkorridor

Rund 2.000 Kilometer südwestlich, im äußersten Süden Sambias, bestimmen Trockenwälder das Waldbild. Auch hier schützen inzwischen Gemeindewaldgebiete die Bestände. Der WWF fördert deren nachhaltige Nutzung und die effektive Vermarktung von Waldprodukten wie Honig.

Um das große Problem unkontrollierter Waldbrände anzugehen, wurden Feuerwehrleute ausgebildet und wird über die Gefahren von Brandrodung aufgeklärt. Durch das nachhaltige Management der Wälder können diese sich wieder erholen.

Das Gebiet liegt in einem wichtigen Wildtierkorridor, der durch das Maßnahmenpaket erhalten werden soll.

Großes Engagement vor Ort

Traditioneller Bienenkorb, Jivundu, Sambia © Jasper Doest / WWF
Traditioneller Bienenkorb, Jivundu, Sambia © Jasper Doest / WWF

„Das Engagement der Gemeinden in den Projektgebieten ist beeindruckend“, beschreibt Jana Kanig vom WWF. „Um Gebiete nachhaltig zu schützen, zu renaturieren und Wald wieder aufzubauen, braucht man die Mitwirkung einer überzeugten Bevölkerung. Auch über den eigentlichen Projektzeitraum hinaus. Denn selbst in den Tropen wächst ein Baum in fünf Jahren nicht in den Himmel.“

Nun benötigen Gemeinden, lokale Organisationen und Waldschützer:innen Plattformen zur Selbstorganisation, zur Durchsetzung ihrer Rechte und zum fachlichen Austausch – auch über Ländergrenzen und tausende Kilometer hinweg. In allen drei Ländern müssen die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen verbessert oder teils erst geschaffen werden, um Waldlandschaften erfolgreich wiederherstellen zu können.

Denn bedrohte Arten, wandernde Wildtiere und nicht zuletzt der Mensch brauchen Ostafrikas Wälder zum Überleben.

Waldlandschaften in Ostafrika: Maßnahmen des WWF

  • Wiederherstellung von Waldgebieten in den Projektregionen über Aufforstung und natürliche Regeneration
  • Steigerung des Einkommens von lokalen Gemeinden durch die Unterstützung verschiedener Businessmodelle
  • Verbesserung der rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen
  • Förderung des Austausches zwischen den drei Projektländern

So können Sie helfen

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