Hunderte Perlen aus Glas, in geometrischen Mustern aufgefädelt und eng um den Hals getragen: Der Perlenschmuck der Massai ist weltberühmt. Für die in Kenia und Tansania beheimatete Volksgruppe ist dieser weit mehr als nur eine Zierde. Die aufwändig gestalteten Halsketten und Armbänder sind Ausdruck ihrer Kultur und Identität.

Traditionell fädelten Massai-Frauen Samen, Steine, Muscheln und andere natürliche Materialien auf. Erst im 20. Jahrhundert erreichten bunte Glasperlen über Händler das ostafrikanische Hinterland, die sich mit ihren leuchtenden Farben und ihrer Langlebigkeit rasch durchsetzten.

Getragen werden die kunstvollen Stücke zu besonderen Anlässen, an Hochzeiten, Zeremonien und kulturellen Festen. Perlenschmuck ist aber auch ein fester Bestandteil der Alltagskleidung, an dem sich sogar der soziale Status der Träger:innen ablesen lässt.

Naturschutzprojekt Unganisha

Der WWF ist in Kenia und Tansania im grenzüberschreitenden Naturschutzprogramm Unganisha aktiv.

Im Sinne des namensgebenden Swahili-Wortes „Unganisha“, das so viel wie „gemeinsam“ oder „verbunden“ bedeutet, will der WWF mit den Gemeinden vor Ort sowie zahlreichen Partnerinnen und Partnern bestehende Schutzgebiete und Ökosysteme wieder miteinander vernetzen. Das geht nur gemeinsam mit den Menschen, die dabei vom Naturreichtum ihrer Heimat profitieren sollen.

Wirtschaftliche Chancen mit traditionellem Handwerk

Bis vor einiger Zeit mussten die Frauen noch ungeschützt unter einem Baum arbeiten
Bis vor einiger Zeit mussten die Frauen noch ungeschützt unter einem Baum arbeiten © Faith Tanui / WWF Kenia

Die Techniken des Kunsthandwerks werden oft über Generationen weitergegeben und zeugen von Geschick und Kreativität der Massai-Frauen. Auch Tourist:innen wissen dies zu schätzen.

Inzwischen hat der Perlenschmuck internationale Märkte erreicht und bietet somit eine wirtschaftliche Chance, die zum Erhalt des traditionellen Handwerks beiträgt.

Auch für die Ilmao Women Group, die dort im Herzen der Imbirikani Group Ranch im Süden Kenias lebt, ist der Perlenschmuck eine Möglichkeit, sich ihren Lebensunterhalt zu sichern. Mit dem wenigen Kapital, über das die Frauen verfügten, gründeten sie ihr Unternehmen. Die größte Herausforderung dabei: Ohne Werkstatt mussten sie unter einem Baum arbeiten, der ihnen nur wenig Schutz vor Wind und Wetter bot. Auch fehlte ihnen lange Zeit ein sicheres Lager für Material und Arbeitsstücke.

Per Upcycling zur Werkstatt

Der neue Arbeitsplatz bietet den Frauen mehr Schutz und Stauraum
Der neue Arbeitsplatz bietet den Frauen mehr Schutz und Stauraum © Faith Tanui / WWF Kenia

Der WWF Kenia unterstützt das Projekt mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Diese Gelder ermöglichten den Bau eines Schuppens und einer Werkstatt. Durch Upcycling entstanden diese aus einem nicht mehr benötigten Schiffscontainer.

In ihren neuen, professionellen Räumen haben die Frauen endlich ausreichend Platz zu arbeiten und um ihre Perlen sicher aufzubewahren. Nicht nur die Produktivität konnte auf diese Weise gesteigert werden, die Frauen haben zudem an Selbstbewusstsein gewonnen.

Lederwaren aus Tingatinga

Auch im tansanischen Dorf Tingatinga haben Frauen mit Erfolg eine kunsthandwerkliche Kooperative gegründet.

Die Enyorhata Leather Group hat sich auf die Herstellung kleiner Lederwaren wie Schlüsselanhänger, Motorradsitzbezüge, Taschen und Herrengürtel spezialisiert, die an Tourist:innen verkauft werden. Das BMZ Unganisha Projekt unterstützt sie dabei mit Trainings, bei denen Beteiligte sowohl in Handwerkstechniken wie in betriebswirtschaftlichen Grundlagen geschult werden.

Miriam Samwel, Leiterin der Enyorhata Leather Group, fasst zusammen, wie sie von der Initiative finanziell profitiert: „Mit der Herstellung von Lederprodukten verdiene ich genug, um den täglichen Bedarf meiner Familie zu decken.

„Dank des Trainings besitze ich jetzt eine Nähmaschine und mein eigenes kleines Büro. Ich kann mein eigenes Geld verdienen und meine Familie unterstützen.“

Lepayoni Laizer, Mitglied der Enyorhata Leather Group

Noch kein offizieller Arbeitsraum

Trotz dieser ersten Erfolge steht die Gruppe weiterhin vor Herausforderungen. Einige Mitglieder legen weite Strecken aus abgelegenen Dörfern zurück, um an Kursen und Treffen in Tingatinga teilzunehmen. Die Gruppe verfügt außerdem bislang noch über keinen offiziellen Arbeitsraum und arbeitet vom Haus eines Mitglieds aus.

Die Erfahrungen der Enyorhata Leather Group zeigen dennoch deutlich: Wenn Frauen ihre Fähigkeiten zielgerichtet einsetzen, Zugang zu Werkzeugen erhalten und die notwendige Unterstützung bekommen, werden sie zu zentralen Motoren für das Einkommen ihrer Haushalte und tragen wesentlich zur Entwicklung ihrer Gemeinschaft bei. Mit gebündelter Kreativität sind solche lokalen Initiativen in der Lage, eine robuste und nachhaltige Lebensgrundlage zu schaffen.

Ganzheitliche Förderung

Naturschutz geht nur mit den Menschen, nie ohne sie. Die Bewohner:innen vor Ort brauchen eine Perspektive, wie sie von natürlichen Ressourcen leben können. Sie brauchen darüber hinaus diverse alternative Einkommensmöglichkeiten, um angesichts der Klimakrise resilienter zu werden. Nur so wird gewährleistet, dass der Natur- und Artenschutz in der Region vorangetrieben werden kann. 

Die Förderung von naturbasierten Unternehmen und ganz besonders von Frauenkooperativen ist an allen Projektstandorten in der Unganisha-Region ein wichtiger Bestandteil der Maßnahmen des WWF. Frauenkooperativen gibt es beispielsweise auch für Imkerei, für Milchwirtschaft oder für Grassamenbanken.

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