Eine WWF-Studie zeigt die dramatischen Folgen des Klimawandels für die Natur der Halligen auf, wenn der Meeresspiegel zukünftig schneller ansteigt.

Die Halligen, kleine Eilande im Nordfriesischen Wattenmeer, haben eine herausragende Bedeutung für Küstenvögel. Rund 60.000 Küstenvögel wie die Austernfischer brauchen die Halligen zum Brüten. Zusätzlich rasten und fressen eine vielfache Anzahl an Wat- und Wasservögeln, die in der Arktis brüten, auf den Hallig-Salzwiesen. Dort leben zahlreiche auf diesen Lebensraum spezialisierte Pflanzen­ und Tierarten.

Etwa 250 Menschen wohnen auf den Halligen, inmitten des Nationalparks und Weltnaturerbes Wattenmeer. Ihre Häuser stehen auf Warften. Das sind Wohnhügel, auf denen sie vor Überflutungen geschützt sind. Denn das Halligland wird mehrmals im Jahr bei Sturmfluten überschwemmt. Der Schutz der Menschen vor Sturmfluten ist daher ein ganz wichtiges Ziel.

Klimawandel im Wattenmeer – Halligen vor dem Meeresspiegelanstieg retten

Luftbild Landunter Halligen im Wattenmeer © Martin Stock
Luftbild Landunter Halligen im Wattenmeer © Martin Stock

Der Klimawandel und der dadurch zu erwartende, beschleunigte Meeresspiegelanstieg sind eine große Bedrohung für das gesamte Wattenmeer. Auch die Halligen werden davon stark betroffen sein. Klar ist, die Ufer der Halligen müssen auch zukünftig gegen den Abbruch geschützt werden, den Wellen und Strömung verursachen. Doch dabei braucht es Umsicht. Denn: Werden die Halligen seltener überflutet („Land unter“), kommt es zur sogenannten Aussüßung der Salzwiesen, der Lebensraum verliert an Wert für die Natur. Überdies gelangen so weniger Schlick und Sand mit dem Wasser auf die Halligen und können sich dort nicht mehr absetzen. Dies hat die Folge, dass die Halligen nicht ausreichend mit dem Meeresspiegelanstieg in die Höhe wachsen können. Es geht also darum, dem Meeresspiegelanstieg etwas entgegenzusetzen, ohne dass die Halligen langfristig zu Schaden kommen, damit ihre hohen Naturwerte erhalten bleiben.

Klimakrise bekämpfen – Halligen erhalten

Der WWF setzt sich dafür ein, dass sich das einzigartige Ökosystem der Halligen auch an die Klimakrise anpassen kann. Wenn wir die Halligen und andere betroffene Gemeinden und Regionen retten wollen, muss die Politik große Anstrengungen unternehmen, um die Klimakrise weltweit zu bekämpfen und das Pariser Abkommen umzusetzen. Dazu muss Deutschland ein Gesetzespaket mit konsequenten Klimaschutzmaßnahmen (u. a. schneller und ambitionierter Kohleabbau und Ausbau erneuerbarer Energien) verabschieden und ein Klimaschutz-Rahmengesetz für einen zuverlässigen Weg zur Treibhausgasneutralität auf den Weg bringen.

WWF-Studie: „Hallig-Brutvögel in Gefahr“

Die WWF-Studie (2018) „Land unter im Wattenmeer“ benennt die Gefahren, die für die hohen Naturwerte auf den Halligen bestehen, allen voran für die dort brütenden Küstenvögel. Sie sucht nach Möglichkeiten, wie vor allem Küstenschutz und Naturschutz gemeinsam zu einer naturverträglichen Anpassung der Halligen an den Meeresspiegelanstieg beitragen können. In einem Zukunftsszenario für das Jahr 2030 zeigen wir mögliche Lösungen auf einer typischen Hallig auf. Dies könnten z.B. besser steuerbare Sieltore, eine grünere Uferbefestigung sowie an einigen Stellen unterstützende Sandaufspülungen sein. Diese und andere Ideen sollten diskutiert und getestet werden.

So können Sie helfen

  • Sanderling-Rastplatz im Wattenmeer © Hans-Ulrich Rösner / WWF Wattenmeer

    Übersicht über die Themenseiten zur Arbeit des WWF im Wattenmeer: Über die Natur, zu den Bedrohungen, zur Klimaanpassung, und zu Tourismus und Bildung. Weiterlesen ...

  • Priel-Abbruchkante mit Halligschichtung auf Hallig Hooge © Hans-Ulrich Rösner / WWF Klimaschutz und -anpassung

    Das Wattenmeer ist durch den Klimawandel und den damit verbundenen Meeresspiegelanstieg massiv bedroht. Weiterlesen ...

  • Wattfläche, Sandbänke und Salzwiese © Hans-Ulrich Rösner / WWF Strategie für das Wattenmeer 2100

    Der Klimawandel kann zu einer Zerstörung des Nationalparks und Weltnaturerbes Wattenmeer führen, wenn wir diese Entwicklung nicht aufhalten. Weiterlesen ...