Wer mitkommen möchte, muss sich die Hände gründlich waschen, die Füße desinfizieren und einen Mundschutz tragen. Wer hustet oder auch nur leicht erkältet ist, darf nicht mit. Das kommt Ihnen bekannt vor? Im zentralafrikanischen Dzanga-Sangha-Schutzgebiet gelten diese Hygienemaßnahmen schon immer für Tourist:innen und Forscher:innen, die die tief im Regenwald lebenden Flachlandgorillas sehen möchten. Denn ein eingeschleppter Virus könnte für die Menschenaffen, deren Gene mit denen des Menschen zu mehr als 98 Prozent übereinstimmen, fatale Folgen haben. Das gilt auch für Covid-19.

Zum Schutz der Menschen und der etwa 2.200 tief im Regenwald lebenden Gorillas vor Covid-19 musste der Dzanga-Sangha-Nationalpark jetzt seine Pforten für Gäste und externe Forscher:innen schließen. Denn genau wie ein Virus von Wildtieren auf den Menschen überspringen kann, so funktioniert auch der umgekehrte Weg: Tiere, besonders, wenn sie dem Menschen genetisch ähnlich sind, können sich bei Menschen mit Krankheitserregern infizieren. Mit dramatischen Folgen für die ganze Art.

Frühwarnsystem für Menschen und Gorillas

Regenwald Dzanga-Sangha © Sylvia Becker / WWF
Regenwald Dzanga-Sangha © Sylvia Becker / WWF

Dazu forscht das Robert-Koch-Institut gemeinsam mit dem WWF schon seit 2012 in Dzanga-Sangha. Um ein Frühwarnsystem zu etablieren wird die Gesundheit von Menschen und Wildtieren in dem Schutzgebiet genau überwacht. Forscher:innen des Robert-Koch-Institutes in Zusammenarbeit mit WWF-Veterinär:innen und Ärzt:innen vor Ort untersuchen Proben aus Tierkadavern, prüfen den Gesundheitszustand von Mitarbeiter:innen und Projektangestellten in Dzanga-Sangha und führen wenn nötig auch Impfungen bei Menschen oder Tieren durch.

Auch während der Corona-Krise geht die Arbeit dort weiter. Viele Tätigkeiten wie die Auswertung von Daten können vom Home-Office aus erledigt werden. Im Wald kann man notfalls auch mit reduziertem Personal nach Proben suchen und diese im Feldlabor analysieren.

Noch gibt es keinen Beleg dafür, ob Covid-19 auch für Menschenaffen bedrohlich sein kann. Trotzdem arbeitet das Team in Dzanga-Sangha jetzt schon mit Hochdruck daran, die Tiere vor dieser Gefahr zu schützen. Zugleich stellt jede Epidemie die Naturschutzarbeit vor ein kaum lösbares Dilemma: Wildhüter:innen, Forscher:innen und Projektangestellte, die die Gorillas vor Wilderern schützen sollen, sie erforschen und beobachten, stellen nun möglicherweise selber eine Gefahr für die Tiere dar.

Erfolgreicher Ökotourismus gefährdet

Die Flachlandgorillas von Dzanga-Sangha sind nicht nur beeindruckend und faszinierend, sie sind auch für das Überleben der Menschen in der Region enorm wichtig. "Letztendlich sind die Menschen vor Ort von gesunden Gorillas und einem funktionierenden Ökotourismus abhängig", so beschreibt es WWF Naturschutzexpertin Dr. Ilka Herbinger. Denn nur wenn es den Gorillas gut geht, kommen auch Tourist:innen und bringen Geld in die unter großer Armut leidende Region.

Mühsam und mit viel Engagement wurden in den letzten Jahren touristische Strukturen in Dzanga-Sangha aufgebaut. Erst 2019 wurde die Doli Lodge, von der die Gorilla-Touren starten, aufwändig renoviert. Im letzten Jahr kamen fast 400 Tourist:innen und Besucher:innen in das Gebiet und finanzierten unter anderem die Gorilla-Tracker sowie Gemeindeanliegen.

Mensch und Gorilla sind voneinander abhängig

Um die ganze Art zu schützen, wurden in Dzangha-Sangha drei Gorillafamilien in einem jahrelangen Prozess habituiert, also an die Gegenwart von Menschen gewöhnt. Projekte, die mit habituierten Menschenaffen arbeiten, konnten Erfolge bei der Stabilisierung oder sogar Erhöhung der Bestände vorweisen, denn der Schutz der Regenwälder lohnt sich auch für die Bevölkerung.

All dies droht nun zu zerbrechen. Denn wie überall in den WWF-Projektgebieten, die vom Ökotourismus mitfinanziert werden, sind Reisen und Versammlungen zum Schutz der Menschen vor Covid-19 verboten oder auf ein Minimum beschränkt. Ab sofort fehlen jeden Monat Einnahmen in Höhe von 30.000 Euro. Die Tourist:innen bleiben aus und damit auch das Geld, das den Naturschutz mitfinanziert und der oft bitterarmen Lokalbevölkerung eine Existenzgrundlage bietet.

Keine Touristen = Stillstand

Indigene Baka © Ola Jennersten / WWF-Sweden
Indigene Baka © Ola Jennersten / WWF-Sweden

Eine bedrückende Stille liegt nun über der Doli Lodge, von der aus die Gorilla-Touren sonst starten. Eine Wildtierzählung mit 30 Teilnehmer:innen wurde ausgesetzt, viele der indigenen Ba'Aka, die als sogenannte "Tracker" arbeiten, können nur noch vereinzelt und in reduzierter Zahl in den Wald gehen. Tracker spüren die habituierten, also an den Menschen gewöhnten Gorillas im Wald auf, die die Tourist:innen so gerne zu Gesicht bekommen möchten.

Und niemand kennt den Regenwald besser als die Ba'Aka, die seit Jahrtausenden vom und im Wald leben. Um zu gewährleisten, dass die Sicherheit der habituierten Gorillas nicht bedroht ist, finden auch weiterhin einige Anti-Wilderei-Patrouillen statt. Des Weiteren folgen Projektangestellte und Tracker unter Berücksichtigung eines erhöhten Sicherheitsabstandes den Gorillas, um auch ihren Gesundheitszustand regelmäßig zu überwachen und im Notfall bei Erkrankung eventuell mögliche und notwendige Maßnahmen ergreifen zu können.

Corona-Tests sind bereits unterwegs

Von der Gesundheit dieser Menschen hängt es ab, ob die Gorillas auch in der Corona-Krise geschützt werden können. Dafür sind neben strengen Hygienemaßnahmen auch Corona-Tests wichtig. Mit Hilfe dieser Tests können infizierte Menschen schnell ausfindig gemacht und isoliert werden, bevor sie unwissentlich ihre Familien, Kolleg:innen oder die Gorillas anstecken. Und tatsächlich sind erste Corona-Tests aus Deutschland bereits auf dem Weg nach Dzanga-Sangha. Dadurch, dass viele und gut vernetzte Expert:innen an dem Projekt beteiligt sind, war schon früher in Krisensituationen eine schnelle und professionelle Hilfe möglich und jetzt können wir darauf aufbauen. Das macht Hoffnung, dass wir den Menschen vor Ort helfen können, ihre eigene und die Gesundheit der Gorillas zu erhalten. Ihre Spende trägt dazu bei.

So können Sie helfen

  • Philippinischer Fischer mit Thunfischfang © Jürgen Freund / WWF Covid-19-Krise: Philippinische Fischer von Hunger bedroht

    Weil die Fischer aufgrund der Ausgangssperren während der Corona-Krise ihre Gemeinden nicht mehr verlassen dürfen, können sie nicht aufs Meer hinaus fahren. Weiterlesen ...