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Stand: 10.10.2018

Zukunftsperspektive Tideems

Berücksichtigung von Ökosystemleistungen, Partizipation und Akzeptanzförderung für eine integrierte Entwicklung der Region Unterems

Zukunftsperspektive Tideems - ein gemeinsames Projekt von WWF, BUND und NABU

Livestreams von der Ems

360 Grad Livestream: Standort Bingumer Sand (Bild zum Abspielen des Livestreams anklicken)
Video: Standort Sauteler Tief (Bild zum Abspielen des Videos anklicken)

Die besten Videos aus dem Naturgeschehen an der Tideems

Aufbauend auf den Ergebnissen des Projektes „Perspektive Lebendige Unterems“ und auf Grundlage des „Masterplans Ems 2050“ haben WWF, BUND und NABU im Frühjahr 2017 gemeinsam das Projekt „Zukunftsperspektive Tideems“ ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt des Projektes steht die Verbesserung des ökologischen Gewässerzustands der Tideems, so dass einst charakteristische Arten wie Batavische Flussmuschel, Schwebegarnele, Finte, Stint, Nordseeschnäpel und Stör sowie Fischotter, Säbelschnäbler, Bart- und Beutelmeise und Seeadler, die als Leitarten für ein gesundes Ökosystem gelten, wieder an der Ems heimisch werden.

Die Ems heute – Steinschüttungen, Schlick und monotone Ufer © Jochen Mülder
Die Ems heute – Steinschüttungen, Schlick und monotone Ufer © Jochen Mülder

News

  • Kamerastation in Betrieb: Seit Anfang Oktober können Besucher der Naturschutzstation per Joystick in das Naturgeschehen an der Ems eintauchen und die Vogelwelt aus nächster Distanz beobachten, ohne die Tiere dabei zu stören. An den Standorten Sauteler Tief und der Emsinsel Bingumer Sand wurden steuerbare Videokameras intalliert, die von Besuchern der Naturschutzstation bedient werden könnnen. Ein regelmäßiger Livestream kann im Internet verfolgt werden, bald werden dort auch die besten Videoclips zu sehen sein. Lust mitzumachen? Das Projekt ist noch auf der Suche nach Ehrenamtlichen, die bei der Sichtung und Auswertung des Videomaterials helfen. Interessenten können sich bei der NABU Regionalgeschäftsstelle Ostfriesland unter info(at)nabu-ostfriesland.de melden. 

  • Mitmach-Aktion „Emsagenten- Mission Gewässerschutz“: Die Ems spült zu viele Nährstoffe in die Nordsee. Das ist nicht nur lebensbedrohlich für die Tiere und Pflanzen, die am und im Fluss leben, sondern auch für die gesamte Küstenregion der Nordsee. Seit Februar 2018 gehen 100 Bürgerwissenschaftler und –innen dem Nährstoffgehalt der Gewässer in der Emsregion auf den Grund und messen die Belastung von Flüssen, Bächen oder Seen vor der eigenen Haustür. Inzwischen liegen die ersten alarmierenden Messergebnisse vor: Jede fünfte Probe weist zu hohe Nitratwerte auf, jede zehnte Probe ist sogar „kritisch belastet“ bis „stark verschmutzt“. Die Daten zeigen konkreten Handlungsbedarf auf und werden an zuständigen Wasserbehörden gemeldet. Alle Informationen zu der Aktion und eine Karte mit den Messergebnissen, können auf der Seite www.emsagenten.de recherchiert werden. Tipps zu einem gewässerschonendes Verhalten gibt der Flyer „Gewässerschutz geht uns alle an“.
  • Studie zu den Ökosystemleistungen der Tideeems ist abgeschlossen: Die Umweltverbände BUND, NABU und WWF haben untersuchen lassen, welche Effekte der Masterplan für den Naturraum Tideems und die Region haben wird. Das Ergebnis: Der Masterplan verbessert das Leben an der Ems. Insbesondere die Bedingungen für die Fischlebensgemeinschaft werden sich wieder deutlich verbessern. Von der besseren Wasserqualität profitiert jedoch nicht nur die Natur. Die Bedeutung der Ems für die wasserbezogene Erholung, z. B.  als Angelsport- und Badegewässer, wird in Zukunft wieder näherungsweise dem Zustand früher entsprechen. Diese Ergebnisse und wie die Tideems außerdem zum Klima- und Meeresschutz beiträgt, kann in der im Juli 2018 fertiggestellten Studie nachgelesen werden.
  • Bildungsworkshops an Schulen: Zwei von insgesamt fünf eintägigen Workshops an Schulen mit Schülern und regionalen Stakeholdern zum Thema Zukunft der Tideems haben schon stattgefunden. In dem offenen Workshop-Format sind die Schüler aufgefordert die Interessen wichtiger Akteure an der Ems nachzuempfinden. Im Mittelpunkt steht dabei die Leitfrage: „Wie sollen natürliche Entwicklung und wirtschaftliche Nutzung der Ems in Zukunft gewichtet werden?“ Je acht echte Expertinnen und Experten- jeweils 2 aus Wirtschaft, Verwaltung, Naturschutz und Ems-Anwohner – haben Position bezogen und mit Schülern aus Leer und Emden ihre Standpunkte diskutiert. Ein weiterer Workshop folgt im November, zwei dann noch im Jahr 2019!
  • Erster Workshop in Leer: Im September 2017 fand der erste partizipative Workshop mit Experten und Stakeholdern aus der Region statt. Landwirte, Deichrichter, Wasser- und Bodenverbände, Fischer, Angler, lokale Naturschützer und Wassersportler diskutieren hier über ihre Bedenken und Erwartungen zum Masterplan Ems. Einzelheiten zu den geplanten Maßnahmen und wie es mit den Anregungen aus dem Workshop weitergeht, können in der Workshop-Präsentation und der Dokumentation nachgelesen werden!

Partizipativer und interaktiver Prozess

Der im März 2015 von allen relevanten Stakeholdern (Land Niedersachsen, Bund, Landkreis Emsland, Landkreis Leer, Stadt Emden, Meyer Werft, WWF Deutschland, BUND Niedersachsen, NABU Niedersachsen) unterschriebene „Masterplan Ems 2050“ ist hierbei ein richtungsweisendes Instrument, das die Voraussetzung für großflächige Renaturierungsmaßnahmen und eine langfristig nachhaltige Entwicklung an der Ems schafft. Seine erfolgreiche Umsetzung kann aber nur gelingen, wenn die Menschen in der Region die mit den Natur- und Gewässerschutzmaßnahmen einhergehenden Veränderungsprozesse in der Landschaft und den Wandel der Nutzung von Flächen mittragen.

Deshalb sollen Bürgerinnen und Bürger, Verbände, Behörden sowie Vertreter aus der Wirtschaft und der Wissenschaft in einem partizipativen und interaktiven Prozess in das Projekt eingebunden werden. Die Einbindung erfolgt zum einen über die Einrichtung eines projektbegleitenden Beirats, an dem Vertreter aus relevanten Interessengruppen teilnehmen um die Umsetzung des Projektes und die damit einhergehenden Vor- und Nachteile für die verschiedenen Nutzer zu erörtern und nach Lösungen für bestehende Interessenkonflikte zu suchen.

Bedeutung der Ökosystemleistungen

Ems-Altarm bei Vellage: Vielfältige Vegetationsstrukturen mit Röhrichten und Auwaldresten © Walter Rademacher
Ems-Altarm bei Vellage: Vielfältige Vegetationsstrukturen mit Röhrichten und Auwaldresten © Walter Rademacher

Zum anderen sollen das Verständnis und die Akzeptanz in der Bevölkerung für die bevorstehenden Maßnahmen mittels der Sensibilisierung für ästuartypische Ökosystemleistungen gefördert werden. „Ökosystemleistungen“ beschreiben die direkten und indirekten Leistungen von Ökosystemen und Biodiversität, die in vielfältiger Weise die Grundlage für die Existenz unserer Gesellschaft bilden. So können Versorgungsleistungen (womit uns die Natur versorgt, z. B. Wasser, Nahrung), Regulierungsleistungen (wobei uns die Natur hilft, z. B. Klima, Hochwasserschutz), kulturelle Leistungen (wodurch uns die Natur bereichert, z. B. Freizeit, Erholung) und Basisleistungen (Grundlage aller anderen Leistungen, z. B. Photosynthese, Nährstoffkreisläufe) unterschieden werden. Das Konzept der Ökosystemleistungen wurde entwickelt, um die Vielzahl an Leistungen von Ökosystemen und die Bedeutung von Biodiversität systematisch zu erfassen und Bewusstsein für den hohen Wert von Natur in der Gesellschaft und bei Entscheidungsträgern zu schaffen.

Mitgestalten: Schulen, Bürgerwissenschaftler und neue Medien

Die ersten Umsetzungsmaßnahmen aus dem Masterplan Ems 2050 sollen hierfür als Beispiele genutzt werden, um den Zugewinn an Ökosystemleistungen zur Wiederherstellung verloren gegangener Funktionen der Tideems im Naturhaushalt darzustellen, zu vermitteln und erfahrbar zu machen. Durch die Zusammenarbeit mit Schulen werden junge Menschen in die Diskussion um die Sanierung der Ems eingebunden. Durch den Einsatz neuer Medien und Techniken werden innovative Wege im Bereich der Partizipation und Umweltbildung gegangen. So werden z. B. Bürgerwissenschaftler ausgebildet und ausgerüstet um die Wasserqualität direkt vor Ort testen zu können. Vorgesehen ist auch die Installation von Kameras um die Abläufe in der Natur wie bestimmte Umweltgeschehen (z. B. Tidewechsel) und die Biodiversität (z. B. Brutvögel in sonst unzugänglichen Bereichen wie Röhrichten) besser erfassbar und erlebbar machen.

Durch einen engen Austausch und Abstimmung mit den Akteuren und Gremien zur Umsetzung des „Masterplan Ems 2050“ soll dieses Projekt auch einen positiven Beitrag zur Umsetzung des Masterplans Ems 2050 leisten. Das Bewusstsein der Emsregion für die Ökosystemleistungen der Unterems wird gestärkt und die Akzeptanz für eine integrierte Entwicklung gefördert.

Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung

Förderung

Das Projekt wird gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung.

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