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Stand: 24.09.2019

Zukunftsperspektive Tideems

Berücksichtigung von Ökosystemleistungen, Partizipation und Akzeptanzförderung für eine integrierte Entwicklung der Region Unterems

Zukunftsperspektive Tideems - ein gemeinsames Projekt von WWF, BUND und NABU

Panoramavideo Bingumer Sand

Livestream vom Standort Sauteler Tief

Die besten Videos aus dem Naturgeschehen an der Tideems

Aufbauend auf den Ergebnissen des Projektes „Perspektive Lebendige Unterems“ und auf Grundlage des „Masterplans Ems 2050“ haben WWF, BUND und NABU im Frühjahr 2017 gemeinsam das Projekt „Zukunftsperspektive Tideems“ ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt des Projektes steht die Verbesserung des ökologischen Gewässerzustands der Tideems, so dass einst charakteristische Arten wie Batavische Flussmuschel, Schwebegarnele, Finte, Stint, Nordseeschnäpel und Stör sowie Fischotter, Säbelschnäbler, Bart- und Beutelmeise und Seeadler, die als Leitarten für ein gesundes Ökosystem gelten, wieder an der Ems heimisch werden.

Die Ems heute – Steinschüttungen, Schlick und monotone Ufer © Jochen Mülder
Die Ems heute – Steinschüttungen, Schlick und monotone Ufer © Jochen Mülder

News

  • 3. Workshop zur Luneplate: Der dritte und letzte partizipative Workshop mit Stakeholdern aus der Region führte eine Delegation aus unterschiedlichsten Interessenvertreter*innen im Oktober 2019 zu dem bereits umgesetzten Tidepolder „Luneplate“ an der Weser. Die Teilnehmer des Workshops nutzten die Gelegenheit, um mit eigenem Augen an einem realen Beispiel zu sehen, wie sich die Natur in einem Tidepolder entwickelt. Im Anschluss an die Exkursion wurde eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung angeboten.
  • Eröffnung Wanderausstellung „Die Tideems – früher*heute*zukünftig“: Seit Anfang Oktober 2019 informiert die mobile Ausstellung auf fünf gestalteten Tafeln welche Leistungen der Fluss früher, heute und zukünftig für den Menschen erbringt. Bis Ende November ist die Ausstellung in der Naturschutzstation Ems zu besichtigen. Danach wird sie in die Volkshochschule nach Papenburg ziehen.
  • Neue Audiotour „Ems im Ohr“: An fünf Hörstationen entlang der Tideems berichten seit Anfang Oktober 2019 diverse Stimmen über den Schutz der Ems und stellen die Veränderungen vor, die im Laufe der Zeit stattgefunden haben und zukünftig noch zu erwarten sind. Die Tour kann mit dem Fahrrad komplett abgefahren oder einzelne Stationen in beliebiger Reinfolge angesteuert werden.
  • Mehr Natur an der Ems: Der Masterplan Ems 2050 verbessert nicht nur die Lebensbedingungen für die Pflanzen und Tiere an der Ems, sondern auch für die Menschen in der Region. Wie die verschiedenen Maßnahmen- und Maßnahmentypen das Leben in und an der Ems verändern, kann in der im April 2019 erschienen Faltblattserie „Mehr Natur an der Ems“ nachgelesen werden.
  • Aktion „Emsagenten- Mission Gewässerschutz“ beendet: Mit dem dritten und letzten Aktionszeitraum endete im März 2019 die Citizen Science Mitmach-Aktion, bei der über 100 BürgerwissenschaftlerInnen den Nitratgehalt aus Oberflächengewässern im Einzugsgebiet der Ems bestimmt haben. Insgesamt sind seit Beginn der Aktion 542 Messergebnisse von über 300 verschiedenen Standorten eingegangen. Ein großes Dankeschön an alle Emsagenten für die zahlreichen Probenahmen! Die Ergebnisse sind inzwischen ausgewertet und kartographisch dargestellt.
  • Vorerst letzter Bildungsworkshop an Schulen: Im März 2019 fand im Rahmen des Projekts der letzte interaktive Workshop mit SchülerInnen und Stakeholdern aus der Region statt. Insgesamt über 100 SchülerInnen aus sechs Schulen im Bereich der Tideems trafen während der fünf Workshops auf 23 ExpertInnen und nahmen als StellvertreterInnen deren Positionen im Natur-, Kultur- und Wirtschaftsraum Ems ein. Die Workshops waren ein voller Erfolg und kamen bei den SchülerInnen, LehrerInnen und ExpertInnen so gut an, dass in der Region derzeit Wege gesucht werden, das Format über das Projekt hinaus zu erhalten.
  • Unterrichtsmaterial für Schüler: Seit November 2018 stehen für interessierte Schüler und Lehrer Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe I und II zum Thema "Flüsse in Deutschland – Bedeutung und Zustand am Beispiel der Ems" zur Verfügung. Die Unterrichtsmappe enthält 16 Arbeitsblätter, 5 Info-Blätter und 4 Lernkontrollen. Interaktive Links führen zu Karten, Abbildungen und Hintergrundinformationen, die den Schülerinnen und Schülern bei der Lösung der zahlreichen Aufgaben helfen. Die Themen reichen von den vielfältigen Bedeutungen und Ökosystemleistungen von Flüssen über deren aktuellen Zustand und die damit verbundenen Auswirkungen für Flora und Fauna bis hin zu den erforderlichen Maßnahmen für eine Renaturierung. Die Zusammenhänge werden am Beispiel der Ems aufgezeigt, wobei der Schwerpunkt auf dem Bereich der Tideems und dem Masterplan Ems 2050 liegt. Die Infoblätter bieten übergeordnete Informationen zum Lebensraum Ästuar, zur Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL), zum guten ökologischen Zustand von Gewässern im Sinne der EU-WRRL und zu Ökosystemleistungen. Die Bildungsmaterialien können in unserem Downloadbereich für Umweltbildung unter dem Punkt Flüsse heruntergeladen werden.
  • Kamerastation in Betrieb: Seit Anfang Oktober 2018 können Besucher der Naturschutzstation per Joystick in das Naturgeschehen an der Ems eintauchen und die Vogelwelt aus nächster Distanz beobachten, ohne die Tiere dabei zu stören. An den Standorten Sauteler Tief und der Emsinsel Bingumer Sand wurden steuerbare Videokameras installiert, die von Besuchern der Naturschutzstation bedient werden können. Ein regelmäßiger Livestream kann im Internet verfolgt werden, bald werden dort auch die besten Videoclips zu sehen sein. Lust mitzumachen? Das Projekt ist noch auf der Suche nach Ehrenamtlichen, die bei der Sichtung und Auswertung des Videomaterials helfen. Interessenten können sich bei der NABU Regionalgeschäftsstelle Ostfriesland unter info(at)nabu-ostfriesland.de melden. 
  • Studie zu den Ökosystemleistungen der Tideeems ist abgeschlossen: Die Umweltverbände BUND, NABU und WWF haben untersuchen lassen, welche Effekte der Masterplan für den Naturraum Tideems und die Region haben wird. Das Ergebnis: Der Masterplan verbessert das Leben an der Ems. Insbesondere die Bedingungen für die Fischlebensgemeinschaft werden sich wieder deutlich verbessern. Von der besseren Wasserqualität profitiert jedoch nicht nur die Natur. Die Bedeutung der Ems für die wasserbezogene Erholung, z. B.  als Angelsport- und Badegewässer, wird in Zukunft wieder näherungsweise dem Zustand früher entsprechen. Diese Ergebnisse und wie die Tideems außerdem zum Klima- und Meeresschutz beiträgt, kann in der im Juli 2018 fertiggestellten Studie nachgelesen werden.
  • Zweiter Workshop in Leer: Im Mai 2018 fand der zweite Workshop mit Experten und Interessenvertretern vor Ort statt. Unter anderem schätzten die Teilnehmer diesmal, wie sich die Ökosystemleistungen der Ems in Zukunft verändern werden. Mehr zu den einzelnen Ökosystemleistungen und den Ergebnissen können in der Workshop-Präsentation nachgelesen werden.
  • Erster Workshop in Leer: Im September 2017 fand der erste partizipative Workshop mit Experten und Stakeholdern aus der Region statt. Landwirte, Deichrichter, Wasser- und Bodenverbände, Fischer, Angler, lokale Naturschützer und Wassersportler diskutieren hier über ihre Bedenken und Erwartungen zum Masterplan Ems. Einzelheiten zu den geplanten Maßnahmen und wie es mit den Anregungen aus dem Workshop weitergeht, können in der Workshop-Präsentation nachgelesen werden!

Partizipativer und interaktiver Prozess

Der im März 2015 von allen relevanten Stakeholdern (Land Niedersachsen, Bund, Landkreis Emsland, Landkreis Leer, Stadt Emden, Meyer Werft, WWF Deutschland, BUND Niedersachsen, NABU Niedersachsen) unterschriebene „Masterplan Ems 2050“ ist hierbei ein richtungsweisendes Instrument, das die Voraussetzung für großflächige Renaturierungsmaßnahmen und eine langfristig nachhaltige Entwicklung an der Ems schafft. Seine erfolgreiche Umsetzung kann aber nur gelingen, wenn die Menschen in der Region die mit den Natur- und Gewässerschutzmaßnahmen einhergehenden Veränderungsprozesse in der Landschaft und den Wandel der Nutzung von Flächen mittragen.

Deshalb sollen Bürgerinnen und Bürger, Verbände, Behörden sowie Vertreter aus der Wirtschaft und der Wissenschaft in einem partizipativen und interaktiven Prozess in das Projekt eingebunden werden. Die Einbindung erfolgt zum einen über die Einrichtung eines projektbegleitenden Beirats, an dem Vertreter aus relevanten Interessengruppen teilnehmen um die Umsetzung des Projektes und die damit einhergehenden Vor- und Nachteile für die verschiedenen Nutzer zu erörtern und nach Lösungen für bestehende Interessenkonflikte zu suchen.

Bedeutung der Ökosystemleistungen

Ems-Altarm bei Vellage: Vielfältige Vegetationsstrukturen mit Röhrichten und Auwaldresten © Walter Rademacher
Ems-Altarm bei Vellage: Vielfältige Vegetationsstrukturen mit Röhrichten und Auwaldresten © Walter Rademacher

Zum anderen sollen das Verständnis und die Akzeptanz in der Bevölkerung für die bevorstehenden Maßnahmen mittels der Sensibilisierung für ästuartypische Ökosystemleistungen gefördert werden. „Ökosystemleistungen“ beschreiben die direkten und indirekten Leistungen von Ökosystemen und Biodiversität, die in vielfältiger Weise die Grundlage für die Existenz unserer Gesellschaft bilden. So können Versorgungsleistungen (womit uns die Natur versorgt, z. B. Wasser, Nahrung), Regulierungsleistungen (wobei uns die Natur hilft, z. B. Klima, Hochwasserschutz), kulturelle Leistungen (wodurch uns die Natur bereichert, z. B. Freizeit, Erholung) und Basisleistungen (Grundlage aller anderen Leistungen, z. B. Photosynthese, Nährstoffkreisläufe) unterschieden werden. Das Konzept der Ökosystemleistungen wurde entwickelt, um die Vielzahl an Leistungen von Ökosystemen und die Bedeutung von Biodiversität systematisch zu erfassen und Bewusstsein für den hohen Wert von Natur in der Gesellschaft und bei Entscheidungsträgern zu schaffen.

Mitgestalten: Schulen, Bürgerwissenschaftler und neue Medien

Die ersten Umsetzungsmaßnahmen aus dem Masterplan Ems 2050 sollen hierfür als Beispiele genutzt werden, um den Zugewinn an Ökosystemleistungen zur Wiederherstellung verloren gegangener Funktionen der Tideems im Naturhaushalt darzustellen, zu vermitteln und erfahrbar zu machen. Durch die Zusammenarbeit mit Schulen werden junge Menschen in die Diskussion um die Sanierung der Ems eingebunden. Durch den Einsatz neuer Medien und Techniken werden innovative Wege im Bereich der Partizipation und Umweltbildung gegangen. So werden z. B. Bürgerwissenschaftler ausgebildet und ausgerüstet um die Wasserqualität direkt vor Ort testen zu können. Vorgesehen ist auch die Installation von Kameras um die Abläufe in der Natur wie bestimmte Umweltgeschehen (z. B. Tidewechsel) und die Biodiversität (z. B. Brutvögel in sonst unzugänglichen Bereichen wie Röhrichten) besser erfassbar und erlebbar machen.

Durch einen engen Austausch und Abstimmung mit den Akteuren und Gremien zur Umsetzung des „Masterplan Ems 2050“ soll dieses Projekt auch einen positiven Beitrag zur Umsetzung des Masterplans Ems 2050 leisten. Das Bewusstsein der Emsregion für die Ökosystemleistungen der Unterems wird gestärkt und die Akzeptanz für eine integrierte Entwicklung gefördert.

Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung

Förderung

Das Projekt wird gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung.

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