Die Zahl der Wildtiere im Chitwan-Nationalpark in Nepal soll weiterwachsen, gleichzeitig müssen potenzielle Mensch-Tier-Konflikte reduziert werden. Das gelingt nur, wenn aktiv Voraussetzungen für eine friedliche Koexistenz geschaffen werden.

„Dank der vorbeugenden Maßnahmen verschwinden die Tiger jetzt ohne Beute aus dem Dorf“, berichtet Sapika Magar, Koordinatorin des Rapid-Response-Teams in der Pufferzone des Chitwan-Nationalparks. In dieser Funktion unterstützt Sapika Magar lokale Gemeinden im Tiefland Nepals, mit Tigern und anderen großen Wildtieren wie Nashörnern und Elefanten zu leben.

Die Herausforderung dabei: Die Zahl der Wildtiere im Chitwan-Nationalpark soll weiterwachsen, gleichzeitig müssen potenzielle Mensch-Tier-Konflikte reduziert werden. Das gelingt nur, wenn aktiv Voraussetzungen für eine friedliche Koexistenz geschaffen werden.

Gemeinsam gegen Mensch-Wildtier-Konflikte

Bengaltiger mit Beute in der Kamerafalle, Nepal © DoFSC / WWF Nepal
Bengaltiger mit Beute in der Kamerafalle, Nepal © DoFSC / WWF Nepal

Tatsächlich sind Viehrisse durch Tiger in den Pufferzonen des Chitwan-Nationalparks in den letzten zehn Jahren um 75 Prozent zurückgegangen, während sich die Zahl der Tiger von 38 Tieren im Jahr 2000 auf 92 Tiere im Jahr 2018 mehr als verdoppelt hat.

Möglich gemacht hat das ein koordiniertes, ganzheitliches Mensch-Wildtier-Konfliktmanagement, das die Ursachen der Konflikte adressiert und gleichzeitig die Belange aller Beteiligten berücksichtigt.

Die Gemeinden in den Pufferzonen um den Chitwan-Nationalpark leben traditionell von den Ressourcen des Waldes. Um eine Übernutzung zu verhindern, fließen 30 Prozent der Eintrittsgelder des Chitwan-Nationalparks an die Gemeinden zurück, um damit alternative Einkommensmöglichkeiten beispielsweise im Tourismus zu schaffen.

Das nimmt den Druck von den Wäldern, reduziert Mensch-Tier-Konflikte und sorgt dafür, dass sich die Wildtierbestände weiter erholen können. In den Dörfern selbst schützen Elektrozäune, raubtiersichere Gehege und andere Vorkehrungen das Vieh der Menschen. Sollten dennoch Nutztiere dem Tiger zum Opfer fallen, stehen Entschädigungsfonds der nepalesischen Regierung zur Verfügung.

Best-Practice-Paradebeispiel

Thaba Sarki in Nepal schützt ihre Felder vor Wildtieren © Shayastha Tuladhaar / WWF Nepal
Thaba Sarki in Nepal schützt ihre Felder vor Wildtieren © Shayastha Tuladhaar / WWF Nepal

Alle Maßnahmen werden kontinuierlich auf ihre Wirksamkeit überprüft, nationale und internationale Forschungsgruppen untersuchen die Ursachen von Mensch-Wildtier-Konflikten und liefern der Regierung, der Nationalparkverwaltung und Nichtregierungsorganisationen wichtige Erkenntnisse für die Anpassung ihrer Managementstrategie.

Mitglieder der lokalen Gemeinden greifen in sogenannten Rapid-Response-Teams bei akuten Konflikten mit Tigern oder anderen Wildtieren schnell ein und verhindern eine Eskalation. Diese erfolgreiche Strategie „motiviert Gemeindemitglieder, sich am Mensch-Wildtier-Konfliktmanagement zu beteiligen – vor allem Jugendliche“, freut sich Sapika Magar.

Im Chitwan-Nationalpark in Nepal scheint dieses ganzheitliche Konfliktmanagement gut zu funktionieren – dort nehmen lokale Bevölkerung, Nationalparkverwaltung, Nichtregierungsorganisationen und nepalesische Regierung die Ursachen von Mensch-Wildtier-Konflikten gemeinsam ins Visier.

Unterstützen Sie den Schutz der Tiger und die Menschen in der Himalaja-Region:

Weitere Informationen

  • Himalaja © Shutterstock / Olga Danylenko / WWF Himalaja-Region - das Dach der Welt

    Der Himalaja ist die höchste Gebirgskette der Welt und die großen Flüsse Asiens entspringen hier. Die Region gehört zu den kontrastreichsten Lebensräumen weltweit mit großem Artenreichtum. Weiterlesen ...

  • Bengal-Tiger im Bandhavgarh National Park in Indien © Theo Allofs / WWF USA Tiger: die größte Raubkatze der Erde

    Tiger besiedelten einst fast ganz Asien. Heute leben nur noch etwa 3.890 dieser majestätischen Großkatzen in freier Wildbahn. Mehr zu Tigern

  • Braunbär in der Slowakei © Tomas Hulik Menschen und Wildtiere: Vom Konflikt zur Koexistenz

    Von alters her müssen Menschen ihre Felder, ihr Vieh und manchmal auch ihr Leben vor wildlebenden Tieren schützen. Weil der Mensch jedoch immer mehr Raum für sich beansprucht, wird es für viele Arten eng. Erfahren Sie mehr