Der Hwange-Nationalpark in Simbabwe ist ein zentraler Rückzugsort für Wildtiere in der KAZA-Region. Doch Bergbauinteressen und der dramatische Verlust der Artenvielfalt setzen das Schutzgebiet zunehmend unter Druck. Besonders kritisch ist die Lage der Spitzmaulnashörner: Nur etwa zehn Tiere gibt es hier noch – sie brauchen dringend unseren Schutz! Seit Juni 2025 hat der WWF eine Rolle bei der gemeinsamen Verwaltung von zwei Teilbereichen des Parks übernommen – eine historische Chance, das Überleben der Nashörner und anderer Arten in Hwange zu sichern.

Hwange Nationalpark in Simbabwe
Hwange Nationalpark in Simbabwe © William Crosmary / WWF

Der Hwange-Nationalpark ist das größte Schutzgebiet Simbabwes und liegt ganz in der Nähe der weltberühmten Victoriafälle. Der Nationalpark ist ein wichtiger Lebensraum für viele ikonische Tierarten Afrikas – Hauptattraktion dort sind zweifellos die zahlreichen Afrikanischen Elefanten, die in großen Familienverbänden durch den Park streifen: mehr als 45.000 Elefanten leben hier – das ist die zweitgrößte Population in Afrika. Es sind so viele, dass der Platz für die Tiere langsam eng wird.

Die bewegte Geschichte der Nashörner in Hwange

Breitmaul- (links) und Spitzmaulnashorn (rechts) © Ann Marie DiLorenzo / Michel Terrettaz / WWF
Breitmaul- (links) und Spitzmaulnashorn (rechts) © Ann Marie DiLorenzo / Michel Terrettaz / WWF

Doch wo es von manchen Arten „zu viele“ gibt, gibt es von anderen zu wenige – viel zu wenige: Im Hwange-Nationalpark leben heute nur noch etwa zehn Spitzmaulnashörner. Eine dramatische Situation, denn die Gefahr ist groß, dass die Tiere ein ähnliches Schicksal erleiden wie ihre nahen Verwandten, die Breitmaulnashörner, die in der Region bereits 2007 lokal ausgerottet wurden.

Besonders tragisch, wenn man in die Vergangenheit blickt: Historisch gesehen lebten sowohl Spitzmaul- als auch Breitmaulnashörner in der Hwange-Region. Doch schon Mitte des 20. Jahrhunderts führten menschliche Besiedlung, die Ausweitung der Landwirtschaft und zunehmender Jagddruck zu einem starken Rückgang der Nashornpopulation in ganz Simbabwe.

Ende der 1980er- und in den 1990er-Jahren gab es einen Hoffnungsschimmer: Einige Spitzmaulnashörner wurden in die besonders geschützte Sinamatella Intensive Protection Zone (IPZ) umgesiedelt. Dank intensiver Anti-Wilderei-Maßnahmen wuchs die Population in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren auf rund 90 Tiere an.

Doch in den späten 1990er-Jahren nahm die Wilderei erneut stark zu, angeheizt durch die wachsende Nachfrage auf internationalen Märkten. Wilderer drangen zunehmend auch in den Hwange-Nationalpark ein und töteten trotz der strengen Schutzmaßnahmen Nashörner in der Sinamatella-IPZ.

Die Folge: Die Population brach dramatisch ein. Heute leben im Hwange-Nationalpark nur noch etwa zehn Spitzmaulnashörner.

 

Ein dramatischer Verlust – für das gesamte Ökosystem

Spitzmaulnashorn
Spitzmaulnashorn © Elliott Vaughn / iStock / Getty Images

Die Ausrottung der Nashörner wäre nicht nur eine Tragödie für die Art selbst. Nashörner spielen eine zentrale Rolle im Ökosystem: Als sogenannte Ökosystem-Ingenieure formen sie gemeinsam mit anderen großen Pflanzenfressern wie Elefanten, Giraffen und Büffeln die Landschaft und schaffen Lebensräume, von denen viele andere Arten profitieren.

Sie erhalten das Mosaik aus Wald- und Grasland und verhindern so, dass die Savanne verbuscht. Verschwinden die Nashörner, gerät das empfindliche Gleichgewicht der Savanne ins Wanken. Nashörner sind eine Schlüsselart – wenn wir sie schützen, bewahren wir zugleich viele andere Arten und ein ganzes Ökosystem.

Gemeinsam stoppen wir die Wilderei – und schützen die letzten Nashörner

Die Suche nach den letzten Nashörnern beginnt

Spitzmaulnashorn © ecopic / iStock / Getty Images
Spitzmaulnashorn © ecopic / iStock / Getty Images

Doch bevor die Tiere besser geschützt werden können, müssen wir zuerst wissen: Wie viele Spitzmaulnashörner leben überhaupt noch im Hwange-Nationalpark, welches Geschlecht haben sie und wo genau halten sie sich auf?

Das herauszufinden ist äußerst schwierig, denn die wenigen verbliebenen Tiere leben in einem zerklüfteten, abgelegenen Buschgebiet auf einer Fläche von etwa 2.000 bis 3.000 Quadratkilometern. Oft bleiben sie im dichten Buschwerk verborgen. Für Rangerinnen und Ranger ist es deshalb schwierig, die Tiere zu überwachen und gleichzeitig Wilderei wirksam zu bekämpfen.

Ein neues Monitoring-Projekt des WWF soll nun dabei helfen, die letzten Spitzmaulnashörner systematisch aufzuspüren. Der Schwerpunkt der Arbeit des WWF liegt zunächst auf den nördlichen Teilbereichen des Hwange-Nationalparks, Sinamatella und Robins, wo die meisten verbliebenen Nashörner vermutet werden.

Zum Einsatz kommen dabei verschiedene Methoden. Mit Wärmebildkameras ausgestattete Drohnen können Nashörner selbst im dichten Busch entdecken – besonders nachts oder während der heißen Stunden des Tages, wenn sie sich im Schatten verstecken.

Am Boden verfolgen Ranger:innen zudem Spuren wie Fußabdrücke, Dung oder Fraßstellen und setzen Kamerafallen ein, die vorbeiziehende Tiere automatisch fotografieren. Auch die Genetik hilft bei der Spurensuche: Aus Dungproben lässt sich DNA gewinnen. So können einzelne Tiere identifiziert, ihr Geschlecht bestimmt und wichtige Hinweise auf die genetische Vielfalt der kleinen Population gewonnen werden – ganz ohne die Nashörner zu stören.

Bei ausgewählten Tieren werden außerdem GPS- oder VHF-Sender am Horn angebracht. Diese liefern in Echtzeit Daten zu den Bewegungen der Nashörner und helfen dabei, ihre Streifgebiete besser zu verstehen. Hinweise von Ranger:innen und lokalen Scouts ergänzen diese Informationen und tragen dazu bei, ein möglichst genaues Bild der verbleibenden Population zu erhalten.

Die Zukunft der Nashörner beginnt jetzt

Signet "Mehr Schutz. Mehr Leben."

Im März 2026 startete das Monitoring-Projekt, das von WWF Deutschland gemeinsam mit WWF Simbabwe, der Zimbabwe Parks and Wildlife Management Authority und dem Bhejane Trust umgesetzt wird. Zunächst soll die genaue Größe und Struktur der verbleibenden Nashornpopulation erfasst werden.

Auf dieser Grundlage wird anschließend ein langfristiger Plan entwickelt, um die Population wieder zu stärken – etwa durch intensivere Schutzmaßnahmen in den Intensive Protection Zones und perspektivisch auch durch die Umsiedlung weiterer Spitzmaulnashörner aus anderen Schutzgebieten.

Ob die Spitzmaulnashörner in Hwange eine Zukunft haben, entscheidet sich in den kommenden Jahren. Der Wiederaufbau einer stabilen Population wird Zeit brauchen und könnte mehrere Jahre dauern.

Die Nashörner können sich nicht selbst schützen – doch Sie können es!

Mit Ihrer Unterstützung können wir die letzten Spitzmaulnashörner im Hwange-Nationalpark schützen und ihre Population langfristig wieder aufbauen. Ihre Spende hilft, Monitoring, Schutzmaßnahmen und die wichtige Arbeit der Rangerinnen und Ranger vor Ort zu ermöglichen.

Jetzt Nashörner schützen

Memorandum of Understanding für die Hwange-Landschaft

Im Juni 2025 unterzeichneten der WWF Simbabwe und die Zimbabwe Parks and Wildlife Management Authority eine auf 25 Jahre angelegte Absichtserklärung für das gemeinsame Management zentraler Gebiete der Hwange-Landschaft. Die Partnerschaft stärkt die Zusammenarbeit beim Schutz von Lebensräumen, bei der Bekämpfung von Wilderei und bei der Einbindung lokaler Gemeinden und sichert ein langfristiges, nachhaltiges Management eines der wichtigsten Wildtiergebiete Simbabwes. Das Mandat umfasst die nördlichen Bereiche des Hwange-Nationalparks (Sinamatella und Robins) sowie den Kazuma-Pan-Nationalpark im Nordwesten Simbabwes an der Grenze zu Botswana.

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