Der Wald versorgt sie mit Nahrung und Heilpflanzen, hier liegen die heiligen Orte für ihre Riten und Bräuche. Ein Verbot, den Wald zu nutzen, ist für viele indigene Gemeinschaften existenzbedrohend. Im Lobéké-Nationalpark in Kamerun haben die indigenen Baka jetzt vertraglich Zugang zu den natürlichen Ressourcen der Wälder. Der Weg dorthin war weit und bedeutet einen Meilenstein für die Rechte der Indigenen in Kamerun und im gesamten Kongobecken, wo Landnutzungsrechte Staatsangelegenheiten sind.

Normalerweise sind nur wenige menschliche Aktivitäten, wie Tourismus oder Forschung in Nationalparks erlaubt. Das dient dem Schutz der Wälder und der Tiere, ist jedoch kaum vereinbar mit den Gebräuchen und Lebensweisen der indigenen Gemeinschaften vor Ort. Ein Dilemma vieler Nationalparks unserer Erde. In Kamerun trifft dies vor allem die Baka, die seit Jahrhunderten in, um und von den Wäldern leben.

In der Kolonialzeit und Jahrzehnte nach der Unabhängigkeit siedelte der Staat Kamerun viele Indigene aus den Wäldern um und an der Straße an, um Gesundheit und Bildung zu verbessern. Doch die ursprüngliche Heimat und Lebensgrundlage der Baka liegt auch in den heutigen Nationalparks.

Historischer Schritt

Fast 15 Jahre dauerten die Verhandlungen zwischen dem Verband der Baka und der kamerunischen Regierung, intensiv begleitet durch den WWF. Im Februar 2019 unterzeichneten beide Seiten ein historisches Dokument. Es erkennt die traditionellen Rechte der Baka an und gewährt ihnen größeren Zugang zu drei Schutzgebieten im Südosten des Landes: zu den Nationalparks Lobéké, Boumba-Bek und Nki an der Grenze zur Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik. „Der lange Weg hat sich gelohnt. Das Abkommen stellt indigene Gemeinschaften ins Zentrum des Naturschutzes und verwirklicht damit eines unserer Kernanliegen“, freut sich Thomas Breuer, Afrika-Referent beim WWF Deutschland. Der Lobéké-Nationalpark beherbergt eine der größten Dichten an Menschenaffen und Waldelefanten und ist als wahres Naturwunder wichtiges WWF-Projektgebiet im Kongobecken.

Beteiligung und Selbstbestimmung

Baka in Lobeke verarbeiten Waldprodukte © Ernest Sumelong / WWF
Baka in Lobeke verarbeiten Waldprodukte © Ernest Sumelong / WWF

Wichtiger Bestandteil des Vertrages ist die Beteiligung der Baka an der Verwaltung des Nationalparks, so dass sie ihre Interessen eigenverantwortlich und selbstbestimmt wahrnehmen können. Für beide Seiten ist nun wichtig, Vertrauen aufzubauen. „Die Einhaltung der Verpflichtungen von beiden Vertragsparteien wird Zeit brauchen, ist aber ein wichtiger Prozess, der sogar Modellcharakter haben könnte“, so Thomas Breuer. „Denn bisher ist es trotz großer Anstrengungen nur unzureichend gelungen, indigene Gemeinschaften an der Verwaltung von Schutzgebieten im Kongobecken zu beteiligen. „Genau diese Beteiligung ist aber wichtig!“, erläutert Breuer. „Denn wir können die Natur nur mit den Menschen vor Ort schützen. Und das gelingt wiederum nur, wenn wir ihnen dabei helfen, für ihre Interessen einzutreten, und uns für den Erhalt ihrer Kultur einsetzen.“

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Im Einklang mit der Natur

Dorfbewohner zeigt seine Ausbeute © Daniël Nelson
Dorfbewohner zeigt seine Ausbeute © Daniël Nelson

Die traditionellen Lebensgewohnheiten der Baka zur Selbstversorgung haben nur geringe Auswirkungen auf den Wald und seine Tierwelt. Im Lobéké-Nationalpark dürfen sie nun nach ihrem saisonalen Kalender jagen, fischen und Pflanzen sammeln, um sich davon zu ernähren. Die Baka verpflichten sich dabei zur nachhaltigen Nutzung durch traditionelle Methoden und zur Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Wilderei und der Erhaltung des Waldes. So dürfen zum Beispiel keine metallischen Kabelschlingen als Fallen verwendet und keine Bäume gefällt werden, um an den Honig der wilden Bienen in ihren Baumwipfeln zu gelangen.

Die Gemeinden in 23 Dörfern rund um den Lobéké-Nationalpark hatten die Bedingungen des Abkommens in vielen Treffen und Versammlungen gemeinsam mit dem Ministerium und dem WWF erarbeitet.

Noch nicht am Ziel

So wichtig die Unterzeichnung des Vertrages im Februar 2019 war, um die Baka in ihren Rechten und Traditionen zu stärken und an der Wahrung des Kultur- und Naturerbes der Region zu beteiligen, so wird sich der wahre Erfolg des Abkommens erst mit der gelungenen Umsetzung zeigen. Das Memorandum muss in den indigenen Gemeinden weiter bekannt gemacht und sie selbst müssen bei der Wahrnehmung ihrer Interessen beratend unterstützt werden. Yvette Mongondji, WWF-Mitarbeiterin und selbst Baka, spielt dabei eine Schlüsselrolle: Sie geht in die Gemeinden, sensibilisiert, dolmetscht und spricht mit den Menschen darüber, was das Abkommen für sie bedeutet, mit welchen Verpflichtungen es einher geht und wie es die Lebensgrundlagen der Baka verbessern wird.

Wahrung der Menschenrechte

Sind die Baka in den Wäldern der Nationalparks unterwegs, treffen sie möglicherweise auf Ranger, die den Park schützen. Das birgt Potenzial für Konflikte. Der WWF unterstützt deshalb Sensibilisierungs- und Trainingsworkshops für Ranger zum Thema Menschenrechte. „Wir arbeiten außerdem an einer Verbesserung des bereits aufgebauten Beschwerdemechanismus“, erläutert Thomas Breuer. Dieser Mechanismus dient der Verhinderung und Bekämpfung von Menschenrechtsverletzungen und hilft Betroffenen bei der Meldung solcher Fälle. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war die Eröffnung des Menschenrechtszentrums in Mambélé, einem Dorf nahe des Schutzgebietes, im Oktober 2019.

Erste Erfolge

Baka-Vater mit Baby © Martin Harvey / WWF
Baka-Vater mit Baby © Martin Harvey / WWF

Das Abkommen zeigt Wirkung. Die Indigenen Südostkameruns machen von ihren neuen Rechten Gebrauch und nutzen die Wälder der Nationalparks für ihre Rituale und zur Ernte von Nichtholzprodukten. So auch der 71-jährige Baka Zamoutoum Michel und seine 17-köpfige Familie. Für die Zeit der Ernte von Buschmangos wandern sie aus ihrem Dorf in den Wald des Lobéké-Nationalparks. „Hier fühlen wir uns zu Hause“, sagt Zamoutoum. „Im Dorf werden wir die meiste Zeit krank. Aber im Wald fühlen wir uns geheilt. Wir haben hier alles, was wir brauchen. Insbesondere Medizin.“ Auch viele andere Baka-Familien sind vorübergehend in den Wald gezogen, um Buschmangos zu sammeln, zu verarbeiten, die Produkte zu verkaufen und damit ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Im Gegenzug stellen die Baka ihr traditionelles Wissen für die Nationalparkverwaltung und den Umweltschutz zur Verfügung. Eine Win-Win-Situation. 

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