Tonnenweise Geisternetze werden in unseren Meeren zur tödlichen Falle für Fische, Meeressäuger und Seevögel. Der WWF arbeitet seit vielen Jahren daran, die Ozeane von dieser Gefahr zu befreien. Beim umweltverträglichen Aufspüren von herrenlosen Fischernetzen hilft modernste Technik: Mit Sonar-Geräten wird der Meeresboden nach den Netzen abgesucht. Von den Sonar-Experten bei Crayton Fenn Enterprises lässt sich Gabriele Dederer, Referentin für Geisternetze beim WWF Deutschland, in dieser effektiven Methode schulen.

Im vergangenen Jahr trafen sich erstmals Wissenschaftler, Firmen, Ämter, Taucher und Sonarexperten in Stralsund, um in Workshops verschiedene Möglichkeiten zur Bergung von Geisternetzen und ihrer Entsorgung zu diskutieren. Mit dabei waren Gabriele Dederer vom WWF Deutschland und Crayton Fenn von den Sonar-Spezialisten Fenn Enterprises aus den USA. Crayton Fenn hilft den Northwest-Straits Foundation seit mehr als 20 Jahren dabei, mit Hilfe von Sonartechnik Geisternetze aus dem Puget Sound im Nordwesten der USA zu bergen. Die Sonar-Spezialisten wissen genau, wie man Geisternetze am Meeresboden auf dem Sonar erkennt.

Der Workshop war ein voller Erfolg: Das Sonar ist die effizienteste Art, verlorene Netze aufzuspüren – bis zu 50 Meter weit "sieht" das Sonar zu beiden Seiten des Schiffes. Für Gabriele Dederer war sofort klar: "Wir müssen lernen, wie man auf den Bildern, die das Sonar liefert, Geisternetze erkennt! Denn gerade in der Ostsee haben wir mit geringen Sichtweiten von zum Teil unter einem Meter zu kämpfen. Da ist uns das Sonar eine unschätzbare Hilfe."

Ein Sonargerät tastet mit Schallwellen den Meeresboden ab und erzeugt so ein detailliertes Bild von allen Strukturen. Steine, Sandwellen, Autoreifen und Fässer werden sichtbar – und auch Geisternetze. Dank der Schallwellen kann auch bei schlechter Sicht der Meeresboden kartiert und nach Geisternetzen abgesucht werden.

Die Workshops gehen weiter

Gabriele und Crayton in Seattle © Crayton Fenn
Gabriele und Crayton in Seattle © Crayton Fenn

Im April 2019 reiste das Team von Fenn Enterprises zum dritten Mal nach Deutschland. Das Sonar noch besser nutzen – das war das Ziel. In Kiel und Sassnitz ging es darum, den Umgang mit dem Side Scan Sonar weiter zu vertiefen. Außerdem bauten Crayton und sein Team einen Bootskran, um den Einsatz des Sonar leichter zu machen. "Insgesamt 18 Tage war ich gemeinsam mit Crayton und dem Sonar auf See", erzählt Gabriele. Das war eine tolle Erfahrung, wir haben viel gelernt: Was tun bei Kabelbruch, was tun wenn ein Geisternetz mit dem Sonarfisch gefangen wurde, was tun gegen krumme Rücken beim Anstarren des Bildschirms. Für uns war das Training auch deshalb wichtig, weil sich so die gesamte Bootscrew perfekt auf die Anforderungen solcher Ausfahrten einspielen konnte."

Anfang Juni ging es für Gabriele nach Seattle. Schwerpunkt des Sonar-Workshops waren das Side Scanning in Strömungen und der Einsatz von speziellen Geräten, um Netze aus der Tiefsee zu bergen. "Crayton verfügt über jahrzehntelange Erfahrung bei dieser Arbeit. Das merkt man auch an seinem Boot und dem kompletten Aufbau des Sonarsystems", so Gabriele. "Ein Knopfdruck reicht und die Arbeit mit dem Sonar kann beginnen." Das Wissen um die Technik, die Möglichkeit wirklich alles selber zu reparieren und zu bauen zeigt Gabriele und dem WWF-Team, wie viel sie noch lernen können und müssen.

"Im vergangenen Jahr haben wir uns dasselbe Sonar-System gekauft, das Crayton verwendet, damit wir optimal von ihm lernen können. Es ist ein sehr solides Gerät, das sehr viel kann und Fehler verzeiht", berichtet Gabriele. "Im Kampf gegen herrenlose Netze in der Ostsee hilft nur: rausfahren, rausfahren, rausfahren", so Gabriele. "Hier müssen wir allein los, um das anzuwenden, was wir gelernt haben. Wir werden auf viele Probleme stoßen, die wir aber mit ruhigem Kopf nun selbst lösen müssen." 

So läuft eine Bergung ab

Gabriele wertet die Sonar-Bilder aus © Christian Howe / WWF
Gabriele wertet die Sonar-Bilder aus © Christian Howe / WWF

In Gesprächen mit Tauchern, Fischern und Behörden erfährt das Team um Gabriele Dederer von herrenlosen Netzen. Bekannte Stellnetzgebiete sind ebenfalls ein lohnendes Feld für die Suche. Zusammen mit Forschungstauchern und Berufstauchern fährt das WWF-Team dann hinaus, um die Netze aufzuspüren. Ist ein Netz lokalisiert, schwimmen Taucher zum Netz, hängen es an einen Bergungshaken und ein Schiff mit Kran hievt es an Bord. Bei Stellnetzen helfen oft auch Fischer, die das Netz mit einem sogenannten "Netzpicker" direkt in dafür vorgesehene Behälter ziehen. Die Entsorgung der Netze gestaltet sich nach wie vor schwierig, denn die Blei-Leinen der Stellnetze übersteigen alle Maximalwerte. Es laufen Versuche, das Blei zu entfernen und das Plastik fachgerecht zu entsorgen.

Kampf gegen Geisternetze

Seit 2013 engagiert sich der WWF Deutschland aktiv gegen verlorene Fischereinetze in der Ostsee. Ziel ist es, mit Hilfe des Sonar die Geisternetze in der Ostsee noch besser aufzuspüren und Methoden zur umweltverträglichen Bergung der Netze zu entwickeln.

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