Der Fluss Rio Negro im Bundesstaat Amazonas führt den höchsten Wasserstand seit 1902. Mehr als 400.000 Menschen sind von der Überflutung betroffen.

Rio Negro im Amazonas in Brasilien © Michel Roggo / WWF
Rio Negro im Amazonas in Brasilien © Michel Roggo / WWF

Im Norden Brasiliens steht der Rio Negro in Manaus kurz davor, das höchste Volumen der Geschichte zu erreichen. Am 2. Juni 2021 betrug das Hochwasser 29,98 Metern – was einen Zentimeter über der Marke von 2012 liegt, der höchsten in der Geschichte seit 1953. Der Wasserstand ist somit der höchste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1902.

Die Wassermassen haben das Zentrum der Amazonas-Metropole Manaus erreicht. Die Stadt rief den Notstand aus. Der Geologische Dienst Brasiliens prognostiziert, dass der Pegel in diesem Jahr 30,35 Meter erreichen wird.

Überdurchschnittliche Regenfälle haben in dieser Saison den Fluss dem höchsten Pegelstand seit 120 Jahren gefährlich nahegebracht. Die Zahlen zeigen, dass extreme Überschwemmungen immer häufiger auftreten und der Raubbau an der Natur die Situation noch verschlimmern wird.

„Seit 2009 häufen sich die extremen Wetterphänomene in Amazonas, Brasilien – die Abstände zwischen den Überflutungen des Rio Negro werden immer geringer. Das liegt an den Folgen des Klimawandels wie zum Beispiel der Erwärmung des Atlantik und der damit einhergehenden stärkeren Verdunstung sowie der Entwaldung des Amazonas.“

Roberto Maldonado, Südamerika-Referent, WWF Deutschland

Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen sind dramatisch für die Bevölkerung vieler Orte im Bundesstaat Amazonas, der immer noch besonders stark unter den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie leidet. Nach Angaben des Zivilschutzes sind mehr als 400.000 Menschen betroffen.

Obwohl das Ansteigen des Wasserspiegels ein natürlicher Prozess in den Einzugsgebieten großer Flüsse ist, ist zu beobachten, dass extreme Überschwemmungen im Amazonasgebiet immer häufiger werden. Expert:innen warnen, dass Umweltbelastungen wie die globale Erwärmung und die großflächige Abholzung der Wälder dazu führen werden, dass diese extremen Wetterereignisse noch häufiger auftreten.

Die Aufzeichnungen von fast 120 Jahren Wasserstand im Hafen von Manaus – wo das Geologische Institut (CPRM) die Messungen durchführt – zeigen, dass von den zehn größten Überschwemmungen acht in den letzten 45 Jahren auftraten, sechs von ihnen ab 2009.

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