Erfolgreiche Bilanz im Amazonas-Regenwald
Stand: 17.07.2023
Sie sind die Hüter des Waldes und die besten Partner:innen im Kampf gegen die Vernichtung des Amazonas-Regenwaldes: Indigene und traditionelle Völker. Dort, wo sie leben, ist der Wald größtenteils noch intakt und das Ökosystem im Gleichgewicht. Um indigene Völker beim Schutz ihrer Territorien zu unterstützen, startete im Dezember 2021 das Projekt „Schutz indigener und traditioneller Völker Brasiliens“. Es ist das bisher größte seiner Art und kann beeindruckende Erfolge vorweisen.
Durch einen besseren Schutz ihrer Gebiete, eine bessere Gesundheitsversorgung, mehr soziales Wohlergehen und mehr politische Teilhabe sollen indigene und traditionelle Völker in die Lage versetzt werden, die weitere Zerstörung ihres Landes zu verhindern. Das Projekt konzentriert sich dabei auf fünf zentrale Bereiche:
- Fortschritte im Kampf gegen Entwaldung
- Monitoring und Schutz der Territorien vor illegalen Eindringlingen
- Auf- und Ausbau von Wertschöpfungsketten für lokale Nichtholzwaldprodukte
- Erfassung und Eindämmung der Quecksilberbelastung durch illegalen Goldabbau
- Stärkung der öffentlichen und politischen Beteiligung
Die Projekt-Erfolge im Überblick
Trotz aller Schwierigkeiten kann das Projekt „Schutz indigener und traditioneller Völker Brasiliens“ eine beeindruckende Bilanz vorweisen. Was in den vergangenen Jahren konkret erreicht wurde, zeigt der folgende Überblick.
1. Fortschritte im Kampf gegen Entwaldung
In den Indigenen Territorien der Projektlandschaften Acre und Rondônia konnte der zunehmende Trend der Entwaldung gestoppt werden. Über den gesamten fünfjährigen Projektzeitraum lag die Entwaldung dort um 34 Prozent unter dem Durchschnitt der Vorjahre.
Das ist besonders bemerkenswert, weil die Jahre 2021 und 2022 im gesamten brasilianischen Amazonasgebiet Rekordwerte bei der Entwaldung verzeichneten. Der Rückgang in den Projektregionen lässt sich neben anderen Einflussfaktoren auch direkt auf die Projektaktivitäten zurückführen – etwa auf die durchgeführten Überwachungsmissionen.
2. Monitoring und Schutz der Territorien gegen illegale Eindringlinge
Die Ausbildung indigener Ranger:innen und die Einführung funktionsfähiger Frühwarnsysteme ermöglichten den Gemeinden, schnell auf Bedrohungen durch illegale Invasoren zu reagieren. Technische Systeme und gezielte Schulungen machten die Überwachung effizienter, erhöhten die Sichtbarkeit der Beteiligten und verbesserten die Weitergabe belastbarer Informationen an Strafverfolgungsbehörden.
Projektergebnisse:
- Insgesamt wurden 542 indigene Ranger:innen in territorialem Monitoring sowie im Einsatz von Fernerkundungs- und Kommunikationstechnologien geschult.
- Ein Fernerkundungszentrum wurde eingerichtet. Das dortige Team erstellt monatliche Berichte über Entwaldung und illegale Invasionen.
- Das Abholzungsmonitoringsystems SMDK (Sistema de Monitoramento de Desmatamento Kanindé) wurde weiterentwickelt. Allein im Jahr 2025 generierte es 336 Warnmeldungen, die vom technischen Team untersucht wurden. Das SDMK ermöglicht die Auswertung von Satellitenbildern, die Erstellung von Echtzeitberichten über illegale Invasionen und Entwaldung in indigenen Gebieten sowie die Weiterleitung dieser Berichte an lokale indigene Organisationen und Umweltbehörden. Mobile App-Funktionen erlauben zudem die Validierung vor Ort.
- Durch den Einsatz des SMDK konnte die Reichweite von Kommando- und Kontrollmaßnahmen in Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen deutlich erhöht werden. Dies trug zu einer hohen Zahl an Maßnahmen im Jahr 2024 bei.
Besonderer Erfolg: Während einer Überwachungsmission in dem indigenen Territorium Uru-Eu-Wau-Wau wurden illegale Holzfäller entdeckt. Gegen sie wurden Geldstrafen verhängt; außerdem beschlagnahmten die Behörden acht mit illegal geschlagenem Holz beladene Lastwagen. Insgesamt wurden 14 besonders gravierende Invasionen strafrechtlich verfolgt.
3. Auf- und Ausbau von Wertschöpfungsketten lokaler Nichtholzwaldprodukte
Der Ausbau lokaler Wertschöpfungsketten stärkte die wirtschaftliche Eigenständigkeit der beteiligten Gemeinschaften. Verbesserte Verarbeitungsmöglichkeiten, neue Vermarktungswege und eien stärkere Kontrolle über die Produktions- und Verkaufsprozesse eröffneten ihnen zusätzliche Einkommensmöglichkeiten und verbesserten ihre Verhandlungsposition gegenüber der Privatwirtschaft. Darüber hinaus erhielten die indigenen Gemeinschaften Wissen und Instrumente, um künftig besser auf Wetterextreme zu reagieren und alternative Produktions- und Vermarktungsansätze einwickeln zu können.
Projektergebnis:
- Das Projekt unterstützte elf indigene Vereinigungen in sieben Gebieten in Rondônia bei der Einführung von Rückverfolgbarkeits- und Monitoringsystemen für produktive Flächen. Dazu gehörten unter anderem die Kartierung von Wegen für die Kautschuk- und Paranussproduktion sowie standardisierte Methoden zur Produktionsüberwachung.
- Bislang verkaufen vier Organisationen bereits Kautschuk, Paranüsse und Kaffee über die Plattform Origens Brasil.
- Für neun indigene und traditionelle Vereinigungen wurden die Wertschöpfungsketten erfasst. Zwei dieser Vereinigungen konnten ihre Einnahmen steigern. Aufggrund der El-Niño-bedingten Dürre gingen die Paranussverkäufe deutlich zurück. Viele Vereinigungen konnten in diesem Zeitraum keine Paranüsse vermarkten.
- Aufgrund der geringen Paranussproduktion lag der Schwerpunkt 2024 auf der Naturkautschuk-Wertschöpfung. Durch Partnerschaften konnte der Kautschuk direkt verkauft werden und die Projektergebnisse konnten auf weitere Wertschöpfungsketten ausgeweitet werden.
- Anfang 2025 wurde die Verarbeitungsanlage fertiggestellt. Alle erforderlichen Maschinen und Einrichtungen – darunter Trockner, Doppelofen, Schälmaschine, Förderband, Sortiertische, Sortiermaschine und Vakuumverpackungsanlage – wurden installiert.
- Darüber hinaus wurden Brunnen- und Wasserversorgungssysteme fertiggestellt, Energieumwandlungsstationen installiert und das Personal im Umgang mit den Maschinen geschult. Für die beteiligten Kooperativen und Vereinigungen wird für 2026 ein deutlicher Einkommenszuwachs erwartet.
4. Feststellung und Eindämmung der Quecksilberkontamination durch illegalen Goldabbau
Durch Aufklärung, Untersuchungen und die Entwicklung gemeinsamer Schutzmaßnahmen können die betroffenen indigenen Gemeinschaften die gesundheitlichen und ökologischen Risiken der Quecksliberbelastung besser einschätzen. Ihre Einbindung in den regionalen Aktionsplan und wissenschaftliche Untersuchungen stärkte zudem ihre Möglichkeiten, gegen illegale Eindringlinge vorzugehen, politische Aufmerksamkeit für das Problem zu schaffen und langfristig bessere Vorkehrungen zum Schutz ihrer Gesundheit zu treffen.
Projektergebnis:
- Insgesamt wurden 21 indigene Gemeinschaften über die Ursachen und Auswirkungen der Quecksilberkontamination informiert und in die Entwicklung des regionalen Aktionsplans einbezogen.
- Workshops im Munduruku-Gebiet brachten mehr als 200 Personen aus 21 Dörfern zusammen. Weitere Workshops und Informationsveranstaltungen fanden in Zusammenarbeit mit lokalen Projektpartner:innen in zahlreichen Gemeinden statt.
- Das Projekt ermöglichte zudem 50 indigenen Führungspersönlichkeiten aus Tapajós und Rondônia, an speziellen Workshops außerhalb des Projektgebiets teilzunehmen.
- Der „Regionale Plan zur Minderung der Auswirkungen von Quecksilber im Amazonasgebiet und seiner Bevölkerung“ wurde am 26. März 2025 mit 33 Fachleuten aus den Bereichen Gesundheit, Forschung, Justiz, NGOs und Bundesbehörden vorgestellt. Am 1. April 2025 wurde er im brasilianischen Nationalkongress einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Der Plan entstand auf Basis partizipativer Workshops in betroffenen indigenen Gemeinschaften und der aktiven Einbindung indigener Führungspersonen in nationale Foren zur illegalen Goldgewinnung.
- Im Rahmen des Projektes wurden zwei öffentlichen Berichte und fünf wissenschaftlichen Artikel zu den Auswirkungen des illegalen Goldaubbaus auf die lokale Bevölkerung und die Lebensräume der Rondônia und Tabajos-Landschaft publiziert.
5. Stärkung der öffentlichen und politischen Beteiligung
Durch Schulungen, die Vernetzung mit anderen Organisationen und die aktive Beteiligung an politischen Prozessen konnten die Gemeinden ihre Einflussmöglichkeiten stärken. Besonders die Beteiligung des Comitê Chico Mendes erweiterte ihre Reichweite und fördert den langfristigen Zugang zu Entscheidungsprozessen. Dadurch wuchs das Gefühl der Selbstwirksamkeit: Die beteiligten Gemeinschaften wurden ermutigt, ihre Interessen selbstbewusst nach außen zu vertreten.
Projektergebnis:
- Im Projektverlauf wurden die Kapazitäten von insgesamt 21 Basisorganisationen gestärkt. Diese beteiligen sich an drei nationalen Netzwerken, darunter die Aliança das Amazônias, die 2023 aus einer Kampagne hervorging und inzwischen mehr als 100 Basisorganisationen vereint.
- Das Projekt initiierte zwei Kampagnen zum Schutz der Rechte indigener und traditioneller Völker. Die erste begann Anfang 2023 gegen die geplante „Marco Temporal“-Gesetzgebung. Diese hätte die Anerkennung indigener Gebiete davon abhängig gemacht, dass die betreffenden Völker nachweislich bereits am 5. Oktober 1988 dort lebten. Unter dem Motto „Unsere Geschichte begann nicht 1988, unser Maßstab ist ancestral!“ organisierte das Projekt den Widerstand der 21 Basisregionen und brachte die Forderungen vor Parlament, Oberstes Bundesgericht und Präsident Lula da Silva, der das Gesetz ablehnte.
Im Juni 2023 begann die zweite Kampagne „Aliança das Amazônias“ mit den 21 Basisorganisationen in Rondônia. Sie fordert Klimagerechtigkeit im Hinblick auf die COP 30 in Belém 2025 und strebt internationale Reichweite an, unter anderem durch die Teilnahme von Vertreter.innen an der COP 28 in Dubai. Aus der Kampagne entstand im Dezember 2024 ein dauerhaftes Netzwerk, das im ersten Halbjahr 2025 die Beteiligung der Zivilgesellschaft an der COP 30 vorbereitete und koordinierte.
Ein Projekt mit Vorbildfunktion
Dank der Unterstützung von Spender:innen kann der WWF das Projekt für und mit den indigenen Gemeinschaften fortführen und weiter ausbauen. Was in Brasilien entstanden ist, hat längst Vorbildcharakter und wird inzwischen auch in anderen südamerikanischen Ländern wie Kolumbien aufgegriffen.
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