Am 2. Oktober 2022 wird in Brasilien gewählt. Dann könnte nicht nur über einen neuen Präsidenten entschieden werden, sondern auch über die Zukunft des Amazonas-Regenwaldes und anderer wichtiger Naturregionen wie dem Cerrado, der artenreichsten Savanne der Welt.

Zur Wahl stehen der amtierende Präsident der konservativen Partido Liberal (PI) Jair Bolsonaro sowie sein wichtigster Konkurrent Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei Partido dos Trabalhadores (PT). Als „dritter Weg“ präsentiert sich ein Zusammenschluss mehrerer kleinerer Parteien, denen aber für die Wahlentscheidung bisher keine große Bedeutung beigemessen wird.

Bolsonaros Politik treibt Waldzerstörung und illegale Goldsuche voran

Spuren von Goldabbau im Regenwald © Philippe T. / WWF-France
Spuren von Goldabbau im Regenwald © Philippe T. / WWF-France

Aus Sicht des Klima- und Naturschutzes wäre eine Wiederwahl Bolsonaros fatal. Kaum ein Regierungschef in Brasilien hat dem Wald und der Natur so sehr geschadet, wie der seit 2019 regierende Bolsonaro. Immer größere Waldflächen wurden während seiner Regierungsperiode abgeholzt, Waldbrände kaum bekämpft, illegale Rodungen immer weniger bestraft. Auch vor den Gebieten Indigener im Amazonas macht die Abholzungswut des brasilianischen Präsidenten keinen Halt.

Zuletzt erließ Bolsonaro im Februar 2022 ein Dekret, mit dem die Goldsuche gefördert und die Bestrafung illegaler Goldsucher erschwert werden soll – ein Freifahrtschein für die Vergiftung der Flüsse im Amazonas. Dessen Gewässer werden schon jetzt jährlich mit 30 Tonnen Quecksilber belastet, das bei der Goldsuche eingesetzt wird.

Jeden Monat eine neue WWF-Studie zum Amazonas

Ein Team vom WWF und indigenen Organisationen analysiert Daten in Kolumbien © Luis Barreto / WWF UK
Ein Team vom WWF und indigenen Organisationen analysiert Daten in Kolumbien © Luis Barreto / WWF UK

Als riesige Klimaanlage und Kohlenstoffspeicher ist der Amazonas-Regenwald für das globale Klimasystem unverzichtbar. 20 Prozent seiner ursprünglichen Fläche sind bereits zerstört. Schreitet die Abholzung weiter voran, könnte ein Großteil des Regenwaldes sich in eine Steppe verwandeln, tausende Tonnen Kohlenstoff würden freigesetzt, und die Klimakrise wäre nicht mehr aufzuhalten.

Bis zur Wahl im Oktober 2022 wird der WWF monatlich neue Studien veröffentlichen, die den Zustand des brasilianischen Regenwaldes und des Cerrado beleuchten: Wie hat sich die Abholzung der Gebiete zwischen 2010 und 2020 entwickelt? Was bedeutet die zunehmende Entwaldung für die Artenvielfalt, aber auch für die Gesundheit der Menschen und die wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens? Welche Kosten verursacht der Klimawandel in der Landwirtschaft und welche nachhaltigen Lösungen gibt es?

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    Fakt ist: Nirgends auf der Erde sterben so schnell so viele Arten wie im Cerrado und im Amazonas-Regenwald. Diese Regionen sind die Epizentren der Krise des Verlusts an biologischer Vielfalt. Was bedeutet das für einzelne Arten? Weiterlesen ...

Dramatische Folgen für den Naturschutz

Der WWF setzt sich im Amazonasgebiet seit Jahren für den Erhalt des Regenwaldes, gegen illegale Abholzung und Goldsuche sowie für die Rechte von Indigenen ein. Sollte Bolsonaro die Wahlen im Oktober 2022 gewinnen, könnte seine skrupellose Umweltpolitik dramatische Folgen für den ganzen Planeten haben und die jahrzehntelange Arbeit von Naturschutzorganisationen in Brasilien zunichtemachen.

  • Regenwald am Amazonas © Luis Barreto / WWF-UK Amazonien

    Das Amazonas-Becken bedeckt mit seinem Regenwald eine Fläche mit einer Ausdehnung, die der Entfernung von Berlin nach Bagdad entspricht. Weiterlesen ...