Im chinesischen Teil der Amur-Region gab es jahrzehntelang keinen sicheren Lebensraum für Großkatzen. Das hat sich inzwischen geändert – dank ausgebildeter Ranger mit moderner Ausrüstung.

Der Eingriff begann 1949. Nach der Gründung der Volksrepublik China wurden in den Provinzen Jilin und Heilongjiang im Nordosten des Riesenreichs große Flächen für die Landwirtschaft erschlossen, um die Region zur Kornkammer der Nation zu machen. Dafür wurden große Moore entwässert. In den Wäldern wiederum wurde übermäßig viel Holz eingeschlagen.

Mit dem Anwachsen der Bevölkerung auf dem Land eskalierte außerdem die Wilderei mit SchlingenEntsprechend gingen die Wildbestände dramatisch zurück. Tiger und Leoparden verschwanden bis auf wenige Grenzgänger aus den chinesischen Amur-Wäldern.

Neue Schutzgebiete als Chance

Lebensraum des Amur Tigers © Hartmut Jungius / WWF
Lebensraum des Amur Tigers © Hartmut Jungius / WWF

Als der WWF 2006 in Jilins Hauptstadt Changchun ein Büro gründete, erschien die Rückkehr von Großkatzen in weiter Ferne. Doch der Zeitpunkt war günstig: In der Regierung hatte ein Umdenken stattgefunden. Ein Einschlagsverbot wurde erlassen, damit die ausgeplünderten Wälder sich wieder erholen konnten.

Der WWF half mit, acht große Waldgebiete mit einer Gesamtfläche von über 320.000 Hektar als Schutzgebiete auszuweisen. Zwei davon, Wangqing und Suiyang, bilden wichtige Korridore zum Leopardovy-Nationalpark auf russischer Seite der Amur-Region.

Schutz ohne Kontrolle funktioniert allerdings nicht. Die Herausforderung war daher, die staatlichen lokalen Forstämter und ihre Ranger durch Ausbildung und regelmäßige Trainings so zu unterstützen, dass sie die riesigen geschützten Wälder effektiver kontrollieren können.

SMART gegen Wilderer

Amur Leopard © David Lawson / WWF
Amur Leopard © David Lawson / WWF

Als besonders wichtige Hilfe erwies sich dabei der Einsatz moderner Software. So werden zum Beispiel mit dem „Spatial Monitoring and Reporting Tool” (SMART) die gesammelten Daten aus Patrouillen und Wildbeobachtungen ausgewertet und aufbereitet, um besonders die Brennpunkte der Wilderei gezielt zu kontrollieren. Zugleich wurden in großen Gattern Sika- und Rothirsche vermehrt und anschließend freigelassen, um einwandernden Amur-Tigern und Amur-Leoparden ausreichend Beutetiere zu bieten.

Die Tiere sollten allerdings nicht in Schlingfallen von Wilderern enden. Dabei half das SMART-Verfahren: Die damit von Rangern kontrollierte Fläche wuchs seit 2006 um das Zehnfache und beträgt nun aktuell 1,6 Millionen Hektar.

Erfolg der Überwachung: Seit 2014 verringerte sich die Zahl der Schlingen um 80 Prozent. Konkret wird aktuell im Durchschnitt nur noch eine Schlinge auf zehn Quadratkilometern gefunden.

Die Überlebenschancen für Großkatzen haben sich dadurch verbessert. Tiger und Leoparden wandern aus dem russischen Teil der Amur-Region nach China zurück. In den letzten fünf Jahren hielten sich im chinesischen Amur-Gebiet 47 Tiger und 49 Leoparden auf.

Unterwegs mit dem Ranger Liang

Der Beruf des Rangers ist in China bislang sozial noch wenig anerkannt und es lässt sich damit nicht viel Geld verdienen. Umso wichtiger sind motivierende Aktionen wie Ranger-Wettbewerbe und Auszeichnungen für besonders erfolgreiche Wildhüter. Erfahren Sie mehr über den Ranger Liang im Video unserer Kollegen vom WWF China:

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