Wozu Walrosse ihre Stoßzähne brauchen, warum sie von Klippen fallen, wie Walross-Mamas kuscheln – und wie Sie von Zuhause mithelfen können, Walrosse zu finden, erfahren Sie hier.

Seltener Besuch — Walross auf Baltrum

Das Aufsehen war groß, als 2021 eine Walross-Dame im deutschen Wattenmeer auftauchte. Auf der Nordsee-Insel Baltrum ruhte sie sich einige Stunden aus, bevor sie in Richtung Niederlande weiterzog.

Walrosse leben auf arktischem Treibeis rund um den Nordpol. Zuletzt war vor über 20 Jahren eines in der südlichen Nordsee gesichtet worden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Meeressäuger weite Strecken schwimmen. Immer wieder einmal verirren sich einzelne, abenteuerlustige Tiere in den Süden. Doch die Klimakrise könnte zu mehr solcher Wanderbewegungen führt. Denn schmelzendes Eis drängt die Walrosse in der Arktis zusammen.

Der auf den Zähnen geht

Wozu brauchen Walrosse ihre Stoßzähne? © IMAGO/Paul Souders & Danita Delimont
Wozu brauchen Walrosse ihre Stoßzähne? © IMAGO/Paul Souders & Danita Delimont

Auffälligstes Merkmal sind die langen Stoßzähne, auch Hauer genannt, die wie Elefantenstoßzähne aus Elfenbein bestehen. Sie werden um die 50 Zentimeter, im Rekordfall auch bis zu einem Meter lang.

Die Stoßzähne dienen der Verteidigung, als Eispickel und zur Fortbewegung: Walrosse ziehen sich daran vorwärts. Insbesondere, um vom Wasser auf Eis oder Klippen zu gelangen. Ihr wissenschaftlicher Name Odobenus rosmarus heißt denn auch soviel wie „Zahngehendes Seepferd“.

Vor allem aber zeigen die Stoßzähne den Artgenossen Alter, Geschlecht und sozialen Status an.

Da bekommt selbst der Eisbär Angst

Walrosse sind riesig. Sie können bis zu dreieinhalb Meter lang und 1,8 Tonnen schwer werden.

Eisbären und Orcas sind die einzigen natürlichen Feinde der großen und schweren Tiere. Doch die sind alles andere als leichte Beute und fügen ihren Fressfeinden mit den Stoßzähnen nicht selten tödliche Verletzungen zu.

Walrosse: Auch an Land erstaunlich schnell

Elegante Schwimmer © naturepl.com / Franco Banfi / WWF
Elegante Schwimmer © naturepl.com / Franco Banfi / WWF

Walrosse gehören zu den Robben. Aber während sich die anderen Arten an Land mühsam mit ihren Vorderflossen vorwärts ziehen, können Walrosse auf allen Vieren laufen. Auch wenn das etwas ungelenk aussieht, werden sie dabei etwa so schnell wie wir Menschen.

Durchs Wasser gleiten die Kolosse fast schon elegant und können per Rückstoß mit ihren kräftigen Hinterflossen bis zu 35 km/h erreichen. Meistens schwimmen sie aber viel langsamer.

Fürsorgliche Mamas

Mutterliebe © naturepl.com / Ole Jorgen Liodden / WWF
Mutterliebe © naturepl.com / Ole Jorgen Liodden / WWF

Walross-Mütter halten und umarmen ihr Junges mit den Vorderflossen ähnlich wie wir Menschen ein Baby. In der Regel wird je nur ein Kalb geboren.

Vor der Geburt verlässt die Kuh die Herde und zieht ihr Jungtier zunächst alleine auf. Möglicherweise, damit das Kleine von den Großen nicht zerquetscht wird. Oder weil der Geruch der Gruppe eher Fressfeinde anzieht.

Warum Walrosse von Klippen fallen

Tonnenschwere Walrosse stürzen hilflos von einer Klippe in den Tod, überschlagen sich dabei an den schroffen Felsen: Die grausame Szene stammt aus der Netflix-Naturdoku „Unser Planet“, die in Zusammenarbeit mit dem WWF entstanden ist. 

Hauptlebensraum der Walrosse sind die Eisschollen des Packeises. Hier schlafen sie und ruhen sich zwischen ihren Tauchgängen aus.

Doch fehlendes Eis treibt Zehntausende von ihnen auf einen schmalen Küstenstreifen im Norden Russlands. Immer mehr Tiere kommen nach, und die hinteren müssen auf eine Klippe ausweichen, von der sie dann hinunterstürzen.

Doch Tieftaucher!

Walrosse leben gerne in flachen Küstengewässern, wo sie auf dem Grund nach Nahrung suchen. Meist in höchstens 80 oder 90 Metern Tiefe. Erst seit ein paar Jahren weiß man, dass sie auch mehr als 500 Meter tief tauchen können.

Angepasst an ein Leben im Eismeer

Eis: Ort zum Ruhen und Schlafen © Wild Wonders of Europe / Ole Joergen Liodden / WWF
Eis: Ort zum Ruhen und Schlafen © Wild Wonders of Europe / Ole Joergen Liodden / WWF

Ihre bis zu 15 Zentimeter dicke Fettschicht schützt die Arktisbewohner vor Kälte.

Während des Tauchens verlangsamt sich außerdem die Herzfrequenz, um weniger zu frieren. Zusätzliche Blutgefäße und ein Protein in ihren Muskeln speichern Sauerstoff. Eine halbe Stunde können Walrosse unter Wasser bleiben, bis sie wieder auftauchen müssen, um zu atmen.

Das Walross ist ein Feinschmecker …

Auch wenn Walrosse manchmal Fische und größere Tiere wie zum Beispiel andere Robben jagen: Ihre Leibspeise sind Muscheln und Schnecken, die sie mit den Vorderflossen knacken und mit den Lippen aussaugen. Bis zu 6.000 Muscheln in einer einzigen Mahlzeit!

… und Rechtshänder

Um die Muscheln im Sand zu finden, wühlen Walrosse den Meeresgrund auf. In den allermeisten Fällen nutzen sie dazu die rechte Flosse, nur äußerst selten die linke.

Manchmal prusten sie auch einen starken Wasserstrahl auf den Sand. Fast wie bei einem Hochdruckreiniger.

Walrosse trinken nicht

Wie andere Robben bezieht ein Walross seine Flüssigkeit allein aus der Nahrung. Es ist deshalb besonders schlimm, wenn die Tiere länger nichts zu fressen finden.

(Lärm-) empfindliche Wesen

Walrosse leben in Herden © Lin Pepper
Walrosse leben in Herden © Lin Pepper

Walrosse könnten in näherer Zukunft aussterben. Sie gelten laut Roter Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN als gefährdet.

Schon im 19. Jahrhundert hat der Mensch sie einmal fast ausgerottet: Die Meeressäuger wurden für ihr Fleisch und Fett, ihre Stoßzähne, Knochen, Haut und Flossen stark bejagt. Letztere galten als Delikatesse. Heute stehen Walrosse unter Naturschutz. Nur indigene Völker, denen sie als wichtige Nahrungsquelle dienen, dürfen sie noch jagen.

Doch abgesehen von Klimakrise und Erderhitzung fangen wir Menschen ihnen den Fisch weg, verschmutzen ihr Wasser und bedrohen sie mit unseren Schiffen, Bohrinseln und auch Flugzeugen. Denn Walrosse sind empfindlich. Suchen sie durch fehlendes Eis Ruheplätze auf dem Festland, können niedrig fliegende Flugzeuge sie so erschrecken, dass Herden auf der Flucht ins Wasser enorm viele Jungtiere erdrücken.

Unterwasserlärm stört ihre Brunftrufe und Kommunikation und trennt so Mütter von Kälbern. Die bedrohten Riesen brauchen dringend große, gute Schutzgebiete. Und sie brauchen ihr Eis.

Sybille Klenzendorf © WWF
Sybille Klenzendorf © WWF

Die Autorin

Dr. Sybille Klenzendorf

Programmleitung Wildtiere Deutschland und Europa

Ich bin Artenschutz-Expertin und seit 2002 beim WWF. Bären sind meine Leidenschaft. Beim WWF setze ich mich u.a. für den Schutz der Eisbären im Arktis-Programm ein. Bevor ich zum WWF kam studierte ich Schwarzbär-Ökologie an der Virginia Tech University.

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