Eisbären sind die größte Raubtierart an Land und leben in der Polarregion rund um den Nordpol. Ihre Lebensweise ist seit Jahrtausenden an die besonderen Bedingungen in der Arktis angepasst. Sie wandern mit dem Packeis im Frühling nordwärts und im Herbst wieder gen Süden. Im Winter fressen sie sich Reserven an, von denen sie im Sommer zehren können. Doch heutzutage wird dieser überlebenswichtige Kreislauf durch den Klimawandel empfindlich gestört und unterbrochen. Eisbären leiden Hunger und werden immer schwächer. Die Bestände schrumpfen. So sind sie zum Wahrzeichen des Klimaschutzes geworden.

Der Eisbär im Steckbrief

Verwandtschaft Ordnung der Raubtiere, Familie der Bären
Größe 1,8 – 2,8 m Kopfrumpflänge, bis 1,7 m Schulterhöhe, Männchen größer als Weibchen
Gewicht große Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen, Männchen wiegen 300 - 1.000 kg, Weibchen 150 - 250 kg, zusätzlich große saisonale Unterschiede
Besonderheiten größte Raubtierart an Land, gehören zu den Säugetieren mit dem größten Gewichtsunterschied zwischen den Geschlechtern, Fell erscheint weiß, Haare sind allerdings eigentlich durchsichtig, dunkle Haut absorbiert Sonnenenergie, Fell bildet isolierendes Luftpolster, dicke Körperfettschicht, Krallen wie Spikes, Tatzen wie Schneeschuhe, Nickhaut am Auge wie Schneebrille, Superspürnase
Soziale Organisation Einzelgänger
Fortpflanzung Paarungszeit von März bis Juni, verzögerte Einnistung des Eis in der Gebärmutter, dadurch Tragzeit von 6,5 - 8,5 Monaten, Geburten in Geburtshöhlen, besonders niedrige Fortpflanzungsrate
Jungtiere 1 – 4, meist 1 - 2 Jungtiere pro Wurf, Nesthocker, besonders fettreiche Muttermilch, Selbstständigkeit mit 2 Jahren
Lebenserwartung bis 30 Jahre in freier Wildbahn
Geografische Verbreitung  Polarregion rund um den Nordpol
 Lebensraum arktisches Polareis, Küsten der angrenzenden Regionen
Ernährung Fleischfresser, erbeuten fast ausschließlich Robben, saisonaler Aufbau von Fettreserven, Weibchen fasten bis zu 8 Monate während Jungenaufzucht, spielen als Spitzenprädatoren eine wichtige Rolle im Ökosystem
Bestandsgröße 22.000 bis 31.000 (Stand 2020), Trend: ungewiss, einige Bestände mit deutlichem Rückgang
Gefährdungsstatus   „gefährdet“ (Internationale Rote Liste)

Wo werden Eisbären in der zoologischen Systematik eingeordnet?

Von Ordnungen, Familien und Arten

Eisbären haben scharfe Krallen © Richard Barrett / WWF-UK
Eisbären haben scharfe Krallen © Richard Barrett / WWF-UK

Der Eisbär (Ursus maritimus) gehört in der Ordnung der Raubtiere zur Familie der Bären. Innerhalb dieser acht Bärenarten zählenden systematischen Gruppe bilden Eisbär, Braunbär, Amerikanischer Schwarzbär und Kragenbär die gemeinsame Gattung Ursus. Der Eisbär ist am nächsten mit dem Braunbären verwandt. Ihre Linien haben sich vermutlich erst vor rund 400.000 Jahren getrennt. Hybride der beiden Arten kommen in den überlappenden Regionen der Verbreitungsgebiete vor. Bei Eisbären werden keine Unterarten unterschieden.

Wie sehen Eisbären aus?

Merkmale, Eigenschaften und Besonderheiten

Eisbären sind die größte Raubtierart an Land. Es gibt nur selten einzelne besonders große Braunbären, die größer sind als sie und einige Wasserraubtiere, wie zum Beispiel Seeelefanten. Die Körpergröße der Eisbären variiert je nach Region. Die Kleinsten kommen im östlichen Teil Grönlands, die Größten an der Beringsee vor. Das Körpergewicht hängt außerdem von der Jahreszeit und dem damit verbundenen Ernährungszustand ab. Insgesamt beträgt die Kopfrumpflänge 180 bis 280 Zentimeter und die Schulterhöhe bis zu 170 Zentimeter. Männliche Eisbären wiegen 300 bis 1.000 Kilogramm, die Weibchen 150 bis 250 Kilogramm. Damit gehören sie zu den Säugetieren mit dem größten Gewichtsunterschied zwischen den Geschlechtern.

Eisbären besitzen wie alle Bären einen langgestreckten, stämmigen Körper, einen muskulösen Nacken, einen großen Kopf mit runden Ohren und langer Schnauze, kurze, kräftige Beine mit großen Tatzen und einen kurzen Stummelschwanz. Im Vergleich mit anderen Bären haben Eisbären einen längeren Hals, einen kleineren, flacheren Schädel, besonders kleine Augen und Ohren und besonders große, breite Tatzen.

Das Eisbärengebiss zählt 42 Zähne und ähnelt mehr dem der allesfressenden Bärenverwandten als dem anderer fleischfressender Raubtiere wie Katzen und Hunde. Die kräftigen Eckzähne dienen im Kampf gegen rivalisierende Artgenossen und zum Töten von Beutetieren.

Das Fell der Eisbären erscheint weiß oder blassgelblich und weist keine weiteren Zeichnungen auf. Allerdings sind sowohl die Deckhaare als auch die Unterwollhaare eigentlich durchsichtig. Nach einer Mahlzeit ist das Fell der Eisbären oft Blut verschmiert und ölig. Die Deckhaare sind hohl. So entsteht ein isolierendes Luftpolster im Fell der Eisbären. Das Sommerfell ist kürzer als das Winterfell. Die Haut ist schwarz. So absorbiert sie gut die Sonnenenergie. Unter der Haut befindet sich zum Schutz der Körpertemperatur bei eisiger Kälte eine rund zehn Zentimeter dicke Fettschicht.

Eisbären sind wie alle Bären Sohlengänger. Im Trittsiegel der Vordertatze sind etwa die halbe Sohle sowie fünf Zehen und fünf Krallenabdrücke zu erkennen, Im Trittsiegel der Hintertatze sieht man häufig die ganze Sohle sowie fünf Zehen und fünf Krallenabdrücke. Die Krallen der Eisbären sind kürzer und stärker gebogen als die der Braunbären und dienen auf glattem Untergrund als Spikes. Zusätzlich reduziert die starke Behaarung der Fußsohlen die Gefahr zu rutschen. Auch die zahlreichen kleinen, weichen Papillen unter den Füßen, die wie kleine Saugnäpfe funktionieren, unterstützen die Bodenhaftung. Die bis zu 30 Zentimeter breiten Tatzen wirken im tiefen Schnee wie Schneeschuhe, verbessern die Gewichtsverteilung auf zerbrechlichem Eis und dienen beim Schwimmen als Paddel.

Zum Schutz vor einer Schädigung der Augen durch starke UV-Strahlung und Schneeblindheit verfügen Eisbären über eine Nickhaut, die wie eine Schneebrille funktioniert.

Alle Bären riechen extrem gut, noch besser als Hunde und vielleicht sogar am besten unter allen Säugetieren dieser Erde. Mit ihrer Superspürnase sind Eisbären sogar in der Lage Beutetiere unter dem Eis zu orten.

Eisbären sind exzellente Schwimmer und können bis zu zwei Minuten tauchen. An Land erreichen sie im Galopp Geschwindigkeiten von bis zu 40 Kilometer pro Stunde.

Wie leben Eisbären?

Die soziale Organisation, Aktivität und Kommunikation

Eisbärin mit zwei Jungtieren © Debra Garside
Eisbärin mit zwei Jungtieren © Debra Garside

Eisbären sind Einzelgänger. Während man früher dachte, dass Eisbären mehr oder weniger passiv mit dem Polareis driften, weiß man heute, dass sie trotz der Eisdrift feste Streifgebiete bewohnen. Sowohl die Aufenthaltsorte als auch die Aktivität innerhalb der Streifgebiete variieren stark im Jahresverlauf. Im Unterschied zu den anderen Bären, sind bei Eisbären die Streifgebiete der Männchen etwa gleich groß wie die der Weibchen. Dadurch, dass die Streifgebiete mehrerer Weibchen stark überlappen, überlappen die der Männchen trotzdem mit denen mehrerer Weibchen. Die Größe unterscheidet sich je nach Lebensraumqualität, Lebensraumstabilität und Lebensabschnitt und beträgt durchschnittlich 20.000 bis 250.000 Quadratkilometer.

Eisbären zeigen besonders hohe Aktivität, wenn viele Beutetiere zu finden sind. Bei anderen Raubtieren ist der Zusammenhang typischerweise anders herum.

In der Hochsaison der Beuteverfügbarkeit fressen Eisbären übermäßig viel, um sich Fettreserven anzufressen. Wenn sich die Polareisgrenze im Frühjahr nordwärts und im Herbst südwärts verschiebt, legen die Eisbären größere Strecken zurück als im Winter und Sommer.

Was ist über die Fortpflanzung von Eisbären bekannt?

Von der Paarung über die Entwicklung der Jungen bis zum Erwachsenenalter

Weibliche Eisbären werden mit vier bis fünf Jahren geschlechtsreif. Die Konkurrenz der Männchen um die Weibchen ist groß. Paarungszeit der Eisbären ist von März bis Juni. Allerdings wird die Einnistung des Eis in der Gebärmutter der Eisbärweibchen nach der Begattung bis zum Herbst verzögert. Sie erfolgt nur, wenn das Weibchen über den Sommer genügend Fettreserven für eine Trächtigkeit und die erste Zeit der Jungenaufzucht anlegen konnte. Untersuchungen in Kanada zeigen, dass sich der Zustand trächtiger Eisbärweibchen in den letzten knapp 30 Jahren aufgrund der Klimakrise verschlechtert hat.

Während das Durchschnittsgewicht im Jahr 1980 noch bei 266 Kilogramm lag, wogen sie im Jahr 2019 nur noch durchschnittlich 226 Kilogramm. Dies entspricht einer Abnahme von rund 15 Prozent. Je schlechter der Ernährungszustand eines Weibchens ist, desto geringer ist letztlich auch die Überlebenschance der Jungtiere. Außerdem kommt irgendwann der Punkt, an dem die Reserven der Weibchen nicht mehr für eine Trächtigkeit ausreichen und sie gar nicht erst trächtig werden. Das Weibchen mit dem geringsten bekannten Körpergewicht in der Trächtigkeit wog 189 Kilogramm.

Trächtige Weibchen beziehen dann in den Herbstmonaten sogenannte Geburtshöhlen. Diese befinden sich auf dem Packeis, in Schneewehen oder an Abhängen auf dem Festland in Küstennähe.

Zwischen der Begattung und der Geburt der Jungen vergehen durch die verzögerte Einnistung des Eis insgesamt sechseinhalb bis mehr als achteinhalb Monate. Die Eisbärenbabys kommen zwischen November und Januar in den Geburtshöhlen zur Welt. Junge Mütter gebären meistens ein einzelnes Junges bei einem Wurf, ältere Weibchen zwei Jungtiere, seltener Drillinge und sehr selten Vierlinge. Sie werden blind, dünn behaart und mit einem Geburtsgewicht von etwa 600 Gramm geboren. Der Fettanteil der Muttermilch beträgt anfangs über 30 Prozent, so dass die kleinen Eisbären in den ersten Lebenswochen und –monaten schnell wachsen. Nach rund drei Monaten, wenn sie zum ersten Mal die Geburtshöhlen verlassen, wiegen sie schon um die zehn bis zwölf Kilogramm.

Die Jungensterblichkeit im ersten Lebensjahr ist hoch. Dabei ist die Überlebenswahrscheinlichkeit vor allem abhängig vom Ernährungszustand der Mütter. Die Kinder von Weibchen, die sich im Sommer vor der Geburt große Fettreserven anfressen konnten, gedeihen schneller und besser. Im Alter von etwa zwei Jahren sind die Jungtiere selbstständig genug, um allein zurecht zu kommen und werden von ihren Müttern verlassen. Diese paaren sich daraufhin erneut.

Bis zu einem Alter von etwa Ende Zwanzig bekommen Weibchen rund alle drei Jahre Nachwuchs. Im Vergleich zu anderen Säugetieren haben Eisbären, ähnlich wie auch andere Bären, durch ihre relativ späte Geschlechtsreife und eine relativ geringe Wurfgröße eine der niedrigsten Fortpflanzungsraten innerhalb der Klasse der Säuger.

Wo leben Eisbären?

Ihr Verbreitungsgebiet früher und heute

Eisbären sind gute Schwimmer © Richard Barrett / WWF-UK
Eisbären sind gute Schwimmer © Richard Barrett / WWF-UK

Eisbären leben in der Polarregion rund um den Nordpol. Ihr Verbreitungsgebiet reicht nach Süden bis zur Packeisgrenze und im Sommer auch darüber hinaus, wenn sie an den Küsten auf die Rückkehr des Packeises warten. Es erstreckt sich bis in die Beringsee, bis zur Nord- und Westküste Alaskas, bis zur Nord- und Ostküste Kanadas, bis südlich von Grönland, bis südlich von Spitzbergen und bis zur Nordküste Russlands.

Der südlichste Teil des Verbreitungsgebietes der Eisbären befindet sich vor die Küste Neufundlands. Die kanadische Insel Akimiski Island in der James Bay, dem südlichen Ausläufer der Hudson Bay, stellt die südlichste Region dar, in der Eisbären Geburtshöhlen bauen. Wenn sich die Packeisgrenze zu Beginn des Sommerhalbjahres nach Norden verschiebt, ziehen die meisten Eisbären ihrer Beute hinterher. Manche Eisbären, vor allem die der südlichen Subpopulationen, können dem teilweise raschen Rückzug des Eises hingegen nicht folgen und müssen ohne Packeis auf dem Festland zurückbleiben.

Im Norden wurden schon einzelne Eisbären bis 25 Kilometer südlich des Nordpols beobachtet. Allerdings bietet das nördliche Nordpolarmeer den Eisbären nur wenig Nahrung, da das Eis zu dick und das Meer zu tief ist für das Vorkommen von Robben.

Insgesamt sind Eisbären in den Ländern Grönland (Dänemark), Kanada, Norwegen, Russland und dem US-amerikanischen Bundesstaat Alaska heimisch und kommen in den Meeresregionen Nordostatlantik, Nordwestatlantik, Nordostpazifik, Nordwestpazifik und Nordpolarmeer vor. Gelegentlich werden Einzelgänger auf einer Eisscholle auch nach Island getrieben.

In welchem Lebensraum kommen Eisbären vor?

Der wissenschaftliche Name des Eisbären Ursus maritimus bedeutet eigentlich „Meerbär”. Eisbären verbringen nämlich die meiste Zeit ihres Lebens auf dem Meer und zwar auf dem arktischen Polareis. In der Polarregion rund um den Nordpol gibt es Kontinentaleis in Form von Eisschilden und –kappen, die Festland bedecken, und Meereis in Form von Eisschlamm, treibenden Eisschollen sowie großflächigem ein- bis mehrjährigen Packeis mit einer geschlossenen oder nahezu geschlossenen Eisdecke. Allerdings schmilzt diese Eisdecke durch die Klimaerhitzung nun aber mit rasender Geschwindigkeit. Die Prognose ist, dass die Arktis in rund 15 Jahren im Sommer komplett eisfrei sein und nur noch im Winter zufrieren wird.

Insgesamt ist der bevorzugte Lebensraum der Eisbären einjähriges küstennahes Packeis in Regionen mit geringer Meerestiefe, wo die Bioproduktivität durch Auftrieb des Tiefenwassers und Strömungen hoch ist und es somit viele Beutetiere gibt. Wo es Löcher und Spalten in der Eisdecke gibt und die Beutetiere zum Luftholen auftauchen, haben Eisbären optimale Jagdbedingungen. Auf dem mehrjährigen atemlochärmeren Packeis, wie am Nordpol, gibt es weniger Robben und damit auch weniger Eisbären. Außerdem halten Eisbären sich in Küstenregionen auf. In manchen südlichen Regionen des Verbreitungsgebietes müssen die Eisbären im Sommer bis zu sechs Monate an Land verbringen. Dabei geraten sie häufig in Mensch-Wildtier-Konflikte.

Wie ernähren sich Eisbären?

Alles über ihre Nahrung und Ernährungsweise

Eisbären-Mutter und Nachwuchs mit Beute © Richard Barrett / WWF-UK
Eisbären-Mutter und Nachwuchs mit Beute © Richard Barrett / WWF-UK

Eisbären ernähren sich als einzige Vertreter der Familie der Bären normalerweise ausschließlich von Fleisch und gehören zu den Spitzenprädatoren in ihrem Lebensraum. Als Ende der Nahrungskette stellen sie einen besonders wichtigen Teil des Ökosystems dar.

Eisbären verfolgen vor allem zwei Jagdstrategien. Zum einen lauern sie an Löchern und Spalten in der Eisdecke und warten dort, bis ein Beutetier zum Luftholen auftaucht. In dem Moment packen sie blitzschnell zu und zerren das Beutetier aufs Eis. Zum anderen spüren sie mit ihrer ausgesprochen guten Nase Robben in ihren Geburtshöhlen unter dem Eis auf, brechen dann mit Hilfe ihres Körpergewichts mit Schwung von oben in die Höhlen ein und schnappen sich die Beute. Gelegentlich schleichen sich Eisbären auch an eine auf dem Eis herumliegende Robbe vorsichtig heran und greifen sie dann aus kurzer Entfernung an. Manchmal pirschen sie sich dabei auch schwimmend an. Im freien Wasser oder an Land haben Eisbären hingegen so gut wie keine Chance auf einen Jagderfolg. Den Geruch von Aas, wie zu Beispiel Walkadaver, die auch gelegentlich zur Nahrung gehören, können Eisbären bei günstiger Witterung über eine Entfernung von bis zu 30 Kilometern wahrnehmen.

Eisbären können besonders gut Fett verdauen und sind auf die Jagd von besonders fetthaltigen Beutetieren spezialisiert. Bei einer reichlichen Mahlzeit nehmen sie bis zu 20 Prozent ihres eigenen Körpergewichts zu sich. Ihr Zugang zu Beute variiert teilweise saisonal sehr stark. Im Winter fressen sich die Eisbären von daher große Fettreserven an, von denen sie im Sommer zehren können. In der Hochsaison, wenn die Eisbären mehr als genug zu fressen haben, verzehren sie typischerweise nur das Körperfett ihrer Beutetiere und lassen den Rest liegen. Pro Tag können Eisbären bis zu zwei Kilogramm Fett verdauen und verwerten dieses zu rund 97 Prozent.

Eisbären ernähren sich hauptsächlich von jungen Ringelrobben. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören außerdem Bart- und Sattelrobben. Gelegentlich stehen auch Klappmützen- und Bandrobben auf ihrem Speiseplan. Vor allem ausgewachsene Eisbärmännchen können zudem auch besonders große Meerestiere wie Walrosse, Narwale und Belugawale erbeuten. Des Weiteren fressen Eisbären auch Aas, beispielsweise Walkadaver von Grau- oder Grönlandwalen. An Land umfasst das Beutespektrum der Eisbären selten auch Moschusochsen, Rentiere, kleine Nagetiere, Seevögel, Schalentiere und Fisch. Zudem ernähren sie sich dort in der eisfreien Zeit von Eiern, Seetang, Beeren und andere Pflanzenteile sowie Müll.

Obwohl Eisbären mit energieärmerer Kost einige Monate überleben können, sind sie dennoch auf die Robbenjagd im Winter und den Aufbau von Fettreserven angewiesen. Es ist unwahrscheinlich, dass Eisbären ohne Packeis dauerhaft überleben könnten.

Eisbärenweibchen überstehen die längste bekannte Fastenzeit in der Klasse der Säugetiere. Wenn frisch gebackene Eisbärenmütter im Frühling mit ihrem Nachwuchs zum ersten Mal die Geburtshöhlen verlassen, haben sie bis dahin bis zu acht Monate lang nichts gefressen und sind sehr hungrig.

Wie viele Eisbären gibt es?

Ihr Bestand in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Den neuesten Untersuchungen zur Folge wird der Bestand aktuell auf rund 22.000 bis 31.000 Eisbären geschätzt. Die Gesamtpopulation gliedert sich in 19 Subpopulationen. Die meisten Eisbären leben in Kanada. Der kanadische Eisbärenbestand wird auf 60 bis 80 Prozent der Gesamtpopulation geschätzt. Insgesamt ist die Eisbärendichte auf einjährigem Packeis am höchsten. Die Eisbärexperten der Weltnaturschutzunion IUCN (IUCN Polar Bear Specialist Group) veröffentlichen regelmäßig die neuesten Erkenntnisse über die Bestandsentwicklungen der einzelnen Subpopulationen. Im Jahr 2019 hieß es, dass sich derzeit nur zwei der 19 Subpopulation positiv entwickeln, fünf stabil sind, vier Subpopulationsbestände abnehmen und die Entwicklung von acht weiteren aus Datenmangel nicht beurteilt werden kann.

Sind Eisbären vom Aussterben bedroht?

Ihr Gefährdungs- und Schutzstatus

Laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN gelten Eisbären als gefährdet. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES sind Eisbären im Anhang II gelistet. Jeder internationale kommerzielle Handel ist somit streng reguliert. In den einzelnen Verbreitungsländern sind Eisbären nach der nationalen Gesetzgebung unterschiedlich geschützt. In Alaska, Kanada und Grönland ist die Jagd auf Eisbären zum Eigenbedarf von Indigenen und ein nationaler Handel erlaubt. Kanada bietet zudem die Möglichkeit zur Trophäenjagd auf Eisbären an. In Norwegen und Russland sind Eisbären hingegen streng geschützt. Insgesamt werden im gesamten Verbreitungsgebiet jährlich 700-800 Eisbären gejagt. Dies entspricht drei bis vier Prozent der Gesamtpopulation.

Die Bedrohungsfaktoren

Eisbär vor der Hudson Bay, Kanada © Patrick Endres
Eisbär vor der Hudson Bay, Kanada © Patrick Endres

Den Eisbären schmilzt die Scholle weg, sie leben auf dünnem Eis, denn der Klimawandel bedroht die Lebensgrundlage der Eisbären. Das Überleben der Eisbären hängt davon ab, dass sie sich im Winter genügend Fettreserven für den nahrungsarmen Sommer und Herbst anfressen können. Als Fleischfresser brauchen sie Packeis, um erfolgreich Robben jagen zu können. Durch den Klimawandel verkürzt sich die Jagdsaison für die Eisbären nun aber. Das Eis schmilzt zu Beginn des Sommerhalbjahres früher und friert zum Winter hin später wieder zu. Dadurch bauen die Eisbären weniger Reserven auf und sind in schlechterer Verfassung. In manchen Regionen des Verbreitungsgebietes wurde beobachtet, dass jede Woche weniger Zeit zur Robbenjagd eine Körpergewichtsreduktion von ungefähr 10 Kilogramm bedeutet. Je schlechter der Ernährungszustand der Eisbären bzw. Eisbärenweibchen ist, desto geringer ist auch die Fortpflanzungsrate ebenso wie die Überlebenschance der Jungtiere.

Eine weitere Bedrohung ist die Aufnahme von Umweltgiften. Als Spitzenprädatoren nehmen Eisbären über ihre Beutetiere eine hohe Menge an Schadstoffen auf, die sich in der Nahrungskette angereichert haben. Diese Umweltgifte beeinträchtigen die Körperfunktionen der Eisbären wie zum Beispiel die Bildung von Antikörpern, die Aufnahme von Vitaminen und die Fruchtbarkeit. Die Schadstoffe werden auch über die Muttermilch weitergegeben und führen zu frühzeitiger Vergiftung die Jungen.

Neben den direkten Folgen des Klimawandels auf die Eisbären, gibt es eine indirekte Bedrohung im Zusammenhang mit der Erderwärmung. Mit abnehmender Vereisung bekommt auch die Ölindustrie mehr und mehr Zugang in das Verbreitungsgebiet der Eisbären. Dabei wirken sich nicht nur Störungen durch die Ölförderung negativ auf die Eisbären aus. Ausgetretenes Öl ist gefährlich für Eisbären. Zum einen reduzieren Verschmutzungen die Isolation ihres Fells, zum anderen verursacht über die Nahrung aufgenommenes Öl Vergiftungen und Organschäden. Im Falle von Ölunfällen sind die Bedingungen für Rettungsaktionen in arktischen Gewässern besonders erschwerend und es ist mit einem besonders großen Ausmaß an ökologischen Schäden zu rechnen.

Der Hunger führt letztlich auch zu häufigeren sogenannten Mensch-Wildtier-Konflikten, denn die Suche nach Nahrungsalternativen treibt die Eisbären vermehrt in Siedlungen, wo sie Abfälle finden und Lebensmittellager plündern. Dabei können Eisbären sehr gefährlich für Menschen, Haus- und Nutztiere sowie Besitztümer sein. In den vergangenen 15 Jahren wurden mehr als 20 tödliche Angriffe durch Eisbären auf Menschen gemeldet.

WWF-Projekte zum Schutz der Eisbären

Der Eisbärenschutz ist seit Jahrzehnten ein großes Thema für den WWF. Eisbären gehören ebenso wie Nashörner, Elefanten, Menschenaffen, Tiger, Große Pandas und weitere Arten zu den Flaggschiffarten des WWF. Der WWF ist weltweit in zahlreichen Projekten zum Schutz und zur Erforschung bedrohter Arten aktiv und hat bereits viel erreicht.

Weitere Informationen zu Eisbären

  • Eisbär in Norwegen © Richard Barrett / WWF-UK Eisbären: Die Lebensgrundlage schmilzt

    Die Eisbären werden immer weniger – und das sehr viel schneller als befürchtet. Weiterlesen...

  • Eisbär wird GPS-Sender angelegt © Canon / Brutus Östling / WWF-Sweden Ein Sender für Eisbären

    Rémy Piero entwickelt gemeinsam mit dem WWF und anderen Ingenieuren einen neuartigen Ohren-Sender. Weiterlesen...

  • Ein Walross liegt auf dem Eis © Wild Wonders of Europe / Ole Joergen Liodden / WWF Notruf vom Nordpol - Eisschmelze macht Walross, Rentier und Eisbär zu schaffen

    2020 geht als weiteres Katastrophenjahr in die Geschichte der schmelzenden Arktis ein - nur 2012 wurde weniger Eis im Sommer gemessen. Weiterlesen...

Tierporträts im WWF-Artenlexikon