Sie leben zurückgezogen in den dichten, unwegsamen Wäldern und sumpfigen Überflutungsgebieten Nepals und sind schwer zu zählen: Panzernashörner. Seit vielen Jahren schon arbeitet der WWF zusammen mit Organisationen vor Ort daran, die Tiere und ihren Lebensraum zu schützen – offenbar mit Erfolg.

Die Ergebnisse der landesweiten Zählung im März und April 2021 zeigen: Der Nashorn-Bestand ist im Vergleich zur letzten Schätzung 2015 um 16 Prozent gewachsen. Insgesamt 752 Tiere durchstreifen jetzt die Wälder Nepals. Der Lebensraum der Nashörner macht es den Rangern nicht leicht, die Tiere zu zählen, ihre Heimat sind die Wälder, die Auen- und Flusslebensräume Nepals.

Wie zählt man Panzernashörner?

Eine Zählung per Hubschrauber scheidet aus – aufgrund der dichten Baumkronen sind die Tiere von oben nicht zu entdecken. Auch mit dem Auto kommt man in dem schwer zugänglichen Gelände nicht voran. Die Ranger:innen müssen deshalb andere Möglichkeiten suchen, um den Nashörnern auf die Schliche zu kommen. Selbst zu Fuß ist es manchmal mühsam, in die entlegenen Gebiete vorzudringen.

Elefanten-Führer in Nepal © Samir Jung Thapa / Hariyo Ban Program / WWF Nepal
Elefanten-Führer in Nepal © Samir Jung Thapa / Hariyo Ban Program / WWF Nepal

In Nepal werden die Nashörner deshalb traditionell vom Rücken der Elefanten aus durch direktes Beobachten gezählt. Besonders ausgebildete Elefanten tragen die Elefanten-Führer:innen durch das Dickicht und bis auf 100 Meter an die Nashörner heran.

57 Elefanten und 350 Menschen durchstreiften für die aktuelle Zählung gleichzeitig verschiedene Schutzgebiete, deren Pufferzonen und umliegende Gebiete, in denen Nashörner leben. Mit Hilfe von Ferngläsern, GPS und Fotografien wurden die Tiere identifiziert und so gezählt.

Eine Nashorn-Zählung birgt auch Risiken

Etwa alle fünf Jahre stellt sich Nepal der immensen Aufgabe, den Nashorn-Bestand zu überprüfen – 2020 musste die Zählung aufgrund der Covid-19-Pandemie ausfallen.

Im Jahr 2021 hat es jedoch geklappt, viele Mitarbeiter:innen wurden vor Beginn der Zählung geimpft; und die Hygiene-Vorgaben der nepalesischen Regierung wurden umgesetzt. Nashörner zu zählen ist eine Aufgabe, die auch Risiken birgt: Die Ranger:innen müssen sehr nah an die Tiere heran und tief in den Lebensraum von Wildtieren vordringen.

Indochinesischer Tiger © Purestock
Indochinesischer Tiger © Purestock

Die zahmen Elefanten bieten den Menschen dabei allein aufgrund ihrer Anwesenheit einen gewissen Schutz, doch es kann auch zu Unfällen kommen. Etwa, wenn wild lebende Elefanten ihre domestizierten Artgenossen aus ihrem Revier vertreiben wollen.

Auch bei der aktuellen Zählung ist das passiert, einer der Ranger stürzte und wurde verletzt. Ein weiterer Ranger starb nach einem Angriff durch einen Tiger, als er Futter für seinen Elefanten holen wollte.

Schutzbemühungen zahlen sich aus

Gezählt wurden die Nashörner im Chitwan-, Parsa-, Bardia- und Shuklaphanta-Nationalpark sowie deren Pufferzonen und im Gelände außerhalb der Schutzgebiete. Durchgeführt wurde die Zählung vom Department of National Parks and Wildilfe Conservation in Zusammenarbeit mit dem Department of Forests and Soil Conservation, den angrenzenden Gemeindewald-Verbänden, den Pufferzonen-Komitees, dem WWF Nepal und anderen lokalen Organisationen.

Während der Zählung werden immer auch Daten über den Zustand des Lebensraums der Tiere, über invasive Arten und menschliche Aktivitäten in der Region gesammelt. Die Beobachtungen tragen dazu bei, das Management der Schutzgebiete zu bewerten und Schutzbemühungen anzupassen.

Dass die Nashorn-Population gewachsen ist, ist „ein weiterer Meilenstein in der nepalesischen Naturschutzarbeit“, so Ghana Gurung vom WWF Nepal, und zeigt, dass sich die anhaltende Naturschutzarbeit vor Ort auszahlt.

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