Seit 25 Jahren engagieren sich der WWF Indien und das größte deutsche Versandhaus für Bio-Tee, die „Teekampagne“, für den Schutz der ökologischen Vielfalt im indischen Darjeeling. Dieses Beispiel zeigt: Naturschutz ist gleichzeitig auch ein wirtschaftlicher Faktor.

Vom Naturschutz lässt sich leben. Das zeigt sich auch in Darjeeling, einem Distrikt des indischen Bundesstaates Westbengalen. Auf den Plantagen der Gegend wird der weltberühmte Tee angepflanzt – und durch den WWF auch wieder Bäume.

Seit mehr als 25 Jahren arbeiten der WWF Indien und das größte deutsche Teeversandhaus, die „Teekampagne“, in dieser Region daran, Teefelder wieder aufzuforsten sowie nachhaltige Einkommensquellen zu entwickeln für die Menschen, die hier leben.

Darjeeling braucht Wald

Aufforstung im Teekampagne-Anbaugebiet Darjeeling © Rikchen Zimba
Aufforstung im Teekampagne-Anbaugebiet Darjeeling © Rikchen Zimba

Darjeeling und Tee sind zum Synonym füreinander geworden, denn in Darjeeling werden einige der besten Teesorten der Welt produziert und exportiert. Eingebettet in den östlichen Himalaja besitzt die Region eine einzigartige Flora und Fauna.

Bevor in Darjeeling Tee angebaut wurde, wuchs hier dichter Wald. Für das Geschäft mit dem Tee wurden Plantagen benötigt, und der dichte Wald musste weichen. Mit schwerwiegenden Folgen: Wenn während des Monsuns starke Regenfälle auftraten, kamen die Hänge ins Rutschen, denn die Wurzeln der Bäume, die die Erde hielten, waren verschwunden. Schlamm, Erde und Gestein wurde ins Tal geschwemmt, ganze Ortschaften darunter begraben.

Vor mehr als 25 Jahren hat die Teekampagne an den Hängen des Himalajas in Darjeeling das Naturschutz-Projekt „SERVE“ (Save the Environment and Regenerate Vital Employment) ins Leben gerufen. 1996 kam der WWF dazu und arbeitet seither daran, diese Hänge zu renaturieren.

Seit Projektbeginn wurden auf einer Fläche von 500 Hektar mehr als drei Millionen Bäume gepflanzt. Die Bäume verhindern nicht nur, dass die Hänge abrutschen, die neuen Wälder verbinden auch einst zerschnittene Lebensräume wieder miteinander.

Lebensunterhalt Naturschutz

Dass Naturschutz auch ein wirtschaftlicher Faktor ist, zeigt sich in Darjeeling deutlich – die Wiederaufforstung schafft viele Arbeitsplätze in einer ansonsten strukturschwachen Region.

Mit der Anzucht der Setzlinge verdienen viele Familien ihren Lebensunterhalt: Mehr als 14 Baumschulen wurden seit Projektbeginn hier gegründet, in denen pro Jahr mehr als 250.000 Setzlinge herangezogen werden. Der WWF kauft – finanziert von der Teekampagne – die Setzlinge und koordiniert die Aufforstung der steilen Berghänge.

Tour-Guide-Training in Maneybhanjang © Rikchen Zimba
Tour-Guide-Training in Maneybhanjang © Rikchen Zimba

Weitere alternative Einkommensquellen sind beispielsweise die professionelle Bienenzucht und die Implementierung von nachhaltigem Tourismus, für den Tour-Guides für die Region ausgebildet werden.

2008 wurde über das SERVE-Projekt ein Programm über moderne Imkereimethoden ins Leben gerufen. Viele Frauen nahmen an den ersten Workshops teil. Sie können ihren Honig aufgrund der besseren Qualität seither zum vier- bis siebenfach höheren Preis verkaufen als zuvor.

Die dunkle Seite des Teeanbaus

Das Geschäft mit dem Tee hat die Region vorangebracht – allerdings auch mit negativen Konsequenzen. Die Umweltzerstörung im Laufe der Jahre hat sich sowohl auf die biologische Vielfalt als auch auf die Menschen ausgewirkt.

Rasche Verstädterung in Verbindung mit wachsender Bevölkerung, Abholzung, Verlust von Lebensraum für Flora und Fauna, Bodenerosion, unkontrollierter Tourismus, immer mehr Müll und der Klimawandel sind die größten Probleme.

Himalaja © Sanjeeb Pradhan
Himalaja © Sanjeeb Pradhan

Es wird erwartet, dass die Himalaja-Region die Hauptlast des Klimawandels tragen wird. Einige dieser Auswirkungen sind in den Bergen von Darjeeling bereits spürbar: Katastrophen durch extreme Wetterereignisse nehmen zu, Bergquellen trocknen aus, Schädlinge und Krankheiten schwächen die Ernteerträge. Darüber hinaus hat die Region eine unbeständige politische Situation erlebt, die die Herausforderungen noch verschärft.

Seit 25 Jahren gehen die Teekampagne und der WWF Indien diese Herausforderungen an und engagieren sich für den Schutz der ökologischen Vielfalt.

Die Schwerpunkte des Teekampagne-Projekts

Wiederaufforstung

Das Ziel des Projekts ist die Wiederaufforstung der degradierten und erdrutschgefährdeten Gebiete. Wälder helfen, den Abfluss des Regenwassers zu kontrollieren, Bodenerosion zu vermeiden und auch dabei, die Quellen wieder aufzufüllen. 

Wiederherstellung wichtiger Quellen

Die in den Bergen gelegenen Quellen sind die wichtigste Ressource zur Trinkwasserversorgung.

Rasches Bevölkerungswachstum, Abholzung, veränderte Niederschlagsmuster, Naturkatastrophen und nicht planvolle Verstädterung führen zu einem geringeren Wasserabfluss oder in einigen extremen Fällen sogar zum Versiegen dieser Quellen. Vor diesem Hintergrund ist die Wiederherstellung von Quellfassungen ein wesentlicher Bestandteil des Projekts in den Darjeeling-Bergen.

Umweltbildung

Schulung in Lama Apiary im Teekampagne-Anbaugebiet Darjeeling © Rikchen Zimba
Schulung in Lama Apiary im Teekampagne-Anbaugebiet Darjeeling © Rikchen Zimba

13 Schulen arbeiten mit dem WWF-Projekt zusammen. Zu den Aktivitäten gehören unter anderem Exkursionen in die Natur, Vogelbeobachtungen und die Organisation von Ausstellungen und Workshops zum Thema Plastikmüll, bedrohte Vogelarten oder Heilpflanzen.

Diese Workshops sollen der lokalen Bevölkerung helfen, diese Ressourcen kennenzulernen und zu nutzen. Um die Wassersicherheit in der Region zu gewährleisten, gehörte auch die Vermittlung von Auffangtechniken für Regenwasser zum Programm.

Nachhaltiger Tourismus

In zwei Dörfern im Neora Valley Nationalpark initiierte der WWF Indien verantwortungsvollen Tourismus. Der Nationalpark ist Lebensraum für den Roten Panda. Ein nachhaltiger und gemeindebasierter Tourismus hilft der Bevölkerung dabei, den Lebensraum des Roten Pandas besser zu verwalten und schult das Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Ressourcen.

Der Ökotourismus wird außerdem zur wichtigen alternativen Einkommensquelle für die Dorfbewohner:innen.

Zero Waste

In verschiedenen Workshops werden den Gemeinden Zero-Waste-Prinzipien vermittelt, zum Beispiel die Möglichkeit, organisches Material zu kompostieren.

Die Plattform „Zero Waste Himalaya“ arbeitet daran, die Himalaja-Region vor einer Vermüllung zu bewahren und initiierte dazu am 26. Mai 2018 gemeinsam mit der „Integrated Mountain Initiative“ den Himalaya Cleanup. Mehr als 15.000 Freiwillige nahmen an mehr als 300 Aufräumaktionen teil, um das Problem des Plastikmülls in den Bergen in den Griff zu bekommen.

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  • Himalaja © Shutterstock / Olga Danylenko / WWF Himalaja-Region - das Dach der Welt

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