Während die Politiker:innen dieser Welt über die Klimakrise diskutieren und konkretes Handeln wieder und wieder aufschieben, ist das Leben von Mensch und Tier im Norden Kenias ganz akut bedroht. Die Region erlebte zwei Jahre in Folge extreme Dürre – mit verheerenden Folgen. Wasserstellen sind ausgetrocknet, der Boden nur noch Staub: Giraffen und andere Wildtiere verdursten qualvoll. Auch das Vieh der Menschen ist betroffen.

Allein im September und November 2021 wurden im Bor’ana Gemeindeschutzgebiet mehr als 79 verendete Netzgiraffen gefunden – verdurstet. Die Menschen, die hier leben, sind größtenteils Viehzücher:innen. Auch sie leiden enorm und haben aufgrund der anhaltenden Dürre inzwischen mehr als 60 Prozent ihrer Tiere verloren.

Die Lage ist so ernst, dass der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta den nationalen Katastrophenfall ausgerufen hat. Und ein Ende der Dürre ist nicht in Sicht: Wetterprognosen zufolge wird die extreme Trockenheit auch Anfang 2022 noch anhalten.

Wie sollen Mensch und Tier überleben?

Viehhirte in Siana, Kenia © Austine Okande
Viehhirte in Kenia © Austine Okande

Es ist eine erschreckende Entwicklung. Die wenigen Niederschläge, die noch fallen, reichen nicht aus, um die Wasserstellen wieder aufzufüllen. Das stellt die Menschen vor Ort vor enorme Probleme, denn nicht nur ihr Vieh ist auf Wasser angewiesen, auch sie selbst brauchen Wasser zum Überleben.

Schätzungen zufolge sind etwa 20 Prozent der Bevölkerung im Bezirk Garissa im Norden Kenias von extremer Ernährungsunsicherheit betroffen. Das UN-Welternährungsprogramm geht davon aus, dass in Kenia rund 2,9 Millionen Menschen sogar von einer Hungersnot bedroht sind.

In der Folge nehmen Konflikte zwischen Menschen und Tieren zu: Weil Wildtiere knapp werden, greifen Löwen und andere Raubtiere das ohnehin schon geschwächte Vieh der Menschen an. Andere Wildtiere, darunter Giraffen, Gazellen und Warzenschweine, streifen auf der Suche nach Wasser und Weidegründen durch die Siedlungen der Menschen. Die wenigen verbleibenden Wasserquellen in den Siedlungen werden nun zum Konfliktpotential zwischen Menschen und Wildtieren.

Sofortige Hilfe für Menschen, Vieh und Wildtiere

Solarbetriebener Brunnen © WWF Deutschland
Solarbetriebener Brunnen © WWF Deutschland

Erst im März 2022 könnte sich die Lage wieder etwas entspannten, wenn hoffentlich die nächsten Regenfälle einsetzen. Bis dahin brauchen sowohl Menschen als auch Tiere Hilfe – und daran arbeitet der WWF Kenia bereits: Wasserstellen werden aufgefüllt und Heu und Akazienschoten im Bor’ana Gemeindeschutzgebiet verteilt, um dem Vieh und den Wildtieren durch die Dürre zu helfen.

Aber auch langfristig brauchen die Menschen Unterstützung: Bei der Entwicklung von Strategien wie sie sich an die verändernden klimatischen Bedingungen anpassen können. In den nächsten Monaten wird der WWF in der Region Wassertanks und Rohrleitungen errichten, solarbetriebene Brunnen installieren und neue Wasserbecken bauen. Diese Wasserbecken fangen während der Regenzeit Wasser auf, welches dann in Dürreperioden genutzt werden kann. Mit Hilfe dieser mittel- und langfristigen Initiativen sollen sich Menschen, Vieh und Wildtiere nach der Dürre besser erholen können.

Doch nicht nur Wassertanks und -stellen helfen: Der WWF unterstützt die Menschen vor Ort auch dabei, ihr Weideland nachhaltig zu bewirtschaften und wieder gesunde Böden zu erhalten, die Wasser besser speichern können. Besonders wichtig sind auch alternative Einkommensquellen, die die Hirtengemeinschaften in die Lage versetzen, künftige Krisen abfangen zu können und auch längere Dürreperioden zu überstehen.

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