Ihre Heimat ist der dichte Dschungel, hier sind sie perfekt getarnt und leben in aller Abgeschiedenheit – und doch sind sie gefährdet: Tiger. Die Wälder Thailands, vor allem aber die Nationalparks, sind eine der letzten Hochburgen wild lebender Tiger in Südostasien. Deshalb werden die Tiger und ihr Lebensraum geschützt. Offenbar mit Erfolg. Kamerafallen-Aufnahmen aus dem Mae Wong-Nationalpark zeigen eine bisher unbekannte Tigerin mit ihrer Beute. Sie könnte den Grundstein für Tigernachwuchs in der Region legen.

Am 29. Juli ist Welt-Tiger-Tag - ein guter Anlass den Blick nach Südostasien zu richten. In den letzten 25 Jahren sind Tiger in Kambodscha, Laos und Vietnam ausgestorben. Auch in Malaysia und Myanmar sind die Zahlen rückläufig. Im Gegensatz zu den erfolgreichen Ländern Indien, Nepal und Russland, wo die Tigerzahlen kontinuierlich steigen, leiden die Tiger im Südostasien weiterhin stark unter Bedrohungen wie Schlingfallen-Wilderei, illegalem Handel mit Tigerteilen und Lebensraumverlust. Einziger Hoffnungsschimmer für die Tigerpopulationen in Südostasien ist Thailand.

Warum Tigerschutz in Thailand so wichtig ist.

Aufmerksame Ranger:innen des Mae Wong-Nationalparks kamen der Tigerin auf die Spur. Bei einer Patrouille fanden die Wildhüter:innen den Kadaver eines Sambar-Hirsches. Den Spuren in der Umgebung zufolge wurde das tote Tier bis zu 100 Meter weit durch das Dickicht geschleift. Ein Vorgehen, das die Ranger:innen schnell auf einen Tiger schließen ließ. Um ihren Verdacht zu bestätigen, installierten die Ranger:innen in der Nähe des Kadavers eine Kamerafalle – und warteten.

Kamerafallenaufnahme eines Tigers mit Beute im Mae Wong-Nationalpark in Thailand © DNP / WWF
Kamerafallenaufnahme eines Tigers mit Beute im Mae Wong-Nationalpark in Thailand © DNP / WWF

Zwei Tage später werteten die Wildhüter:innen zusammen mit Mitarbeiter:innen des WWF Thailand die Videoaufnahmen der Kamerafalle aus. Sie hatten wirklich recht: Auf den Aufnahmen ist ein Tiger zu sehen! Um das Tier zu identifizieren und zu prüfen, ob es sich um ein bereits bekanntes Tier handelt, wurden die Bilder mit der Datenbank der Khao Nang Ram Wildlife Research Station abgeglichen. Dazu verglichen die Mitarbeiter:innen die Aufnahmen mit denen bekannter Tiere. Die Streifen der Tiger sind so individuell wie ein menschlicher Fingerabdruck – so können Tiger zweifelsfrei identifiziert werden.

Tiger wandern zwischen den Schutzgebieten

Das Ergebnis: Es handelt sich um ein im Mae Wong-Nationalpark bisher unbekanntes Tiger-Weibchen, das aus dem Huai Kha Khaeng Wildlife Sanctuary in den Mae Wong-Nationalpark eingewandert war. Beide Gebiete gehören zu Thailands Westlichem Waldkomplex, der Kernstück der Tiger-Schutzbemühungen des Department of National Parks, Wildlife and Plant Conservation (DNP) ist.

​​​​​​​„Die Tatsache, dass ein Tiger aus einem anderen Gebiet eingewandert ist, ist ein Beweis dafür, dass der Mae Wong-Nationalpark reich an Biodiversität und damit das Land der Hoffnung für den Erhalt des Tigers in dieser Region ist.“

Neramit Songsaeng, Leiter des Mae Wong-Nationalparks

Schutzbemühungen zahlen sich aus

Seit 2012 arbeitet der WWF Thailand zusammen mit dem DNP an der Erforschung und dem Schutz des Tigers in den Mae Wong Khlong Lan-Nationalparks. Zuletzt haben sie sich dafür eingesetzt, dass es genug Beutetiere für Tiger gibt. Das aktuelle Kamerafallenmaterial ist ein weiterer Beweis dafür, wie wichtig es ist, einerseits die Landschaft und damit den Lebensraum der Tiger weiterhin zu schützen und andererseits auch den Lebensraum für Beutetiere zu verbessern, damit die Tiger Nahrung finden können. 

Gute Bedingungen für Tiger in Thailand

Die Sichtung zeigt „das Potenzial für den Erhalt des Tigers in Thailand. Sie zeigt, dass sich Tiger unter den richtigen Bedingungen erholen können“, freut sich Dr. Rungnapa Phoonjampa, Direktorin des Tigerschutzprogramms beim WWF Thailand.

Und so ist auch die Hoffnung der Ranger:innen und WWF-Mitarbeiter:innen, dass die Tigerin in ihrem neuen Einzugsgebiet irgendwann einen Partner finden, Nachwuchs gebären und so zum Erhalt der Tigerpopulation in Südostasien beitragen wird.

 

Machen Sie sich für den Tigerschutz stark

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