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Stand: 16.08.2018

500 Meter langes Geisternetz vor Warnemünde geborgen

Vor wenigen Tagen holten Taucher im Auftrag des WWF ein 500 Meter langes Geisternetz aus der Ostsee. Das Netz stand zum Teil noch aufrecht in den Gewässern vor Warnemünde und wurde dort zur tödlichen Gefahr für viele Meeresbewohner: Bis zu 70 Fischkadaver und zwei erstickte Kormorane fand das Team in dem Netz.

Entdeckt hatte das Geisternetz ein Mitarbeiter der Universität Rostock, der den Fund dem WWF meldete. Die Umweltorganisation engagiert sich seit 2013 aktiv gegen verlorene Fischereinetze in der Ostsee und weltweit. Das Problem ist immens: Nach neueren Studien besteht etwa ein Drittel des weltweiten Plastikmülls, der sich im Meer befindet, aus verlorenem Fischereigerät. Die herrenlosen Netze werden langfristig zur tödlichen Gefahr für Meeresbewohner: 400 bis 600 Jahre dauert es, bis sich ein Netz aus Kunststoff im Meer zersetzt. Viele der Netze liegen am Meeresgrund und zersetzen sich dort sehr langsam zu Mikroplastik. Solange sie an der Oberfläche bleiben oder in der Wassersäule stehen, fischen die Geisternetze weiter.

Tödliche Falle für Fische und Seevögel

Das vor Warnemünde geborgene Netz war ein sogenanntes Stellnetz. Bei dieser Methode des Fischfangs werden Netzwände, die ein bis zwei Meter vom Meeresboden in die Wassersäule aufragen, mit Gewichten am Meeresgrund gehalten. Eine Leine aus Schwimmkörpern zieht die Netzwände vom Boden aus wie einen Vorhang nach oben. „Das Geisternetz stand in großen Teilen noch aufrecht am Meeresboden“, berichtet Andrea Stolte, Projektmanagerin für Geisternetze beim WWF in Stralsund. Die Taucher entdeckten vor der Bergung 60 bis70 Kadaver von Scholle, Flunder, Steinbutt und Dorsch, die sich in dem Netz verfangen hatten. Etwa 20 lebende Plattfische konnten vor der Bergung bereits von dem Finder befreit werden. Auch zwei Kormoranen war das Netz zum Verhängnis geworden. Sie verhedderten sich bei der Jagd nach Fisch in den Maschen und erstickten qualvoll.

Kennzeichnung ist Pflicht

Berufsfischer müssen ihre Netze mit Bojen und Fähnchen am Netzanfang und -ende kennzeichnen; unter den Bojen ist das Netz am Boden verankert. Das vor Warnemünde geborgene Geisternetz war jedoch nicht markiert. “Ein Netz ohne Markierung zu stellen, wäre illegal“, erklärt Andrea Stolte. „Wären die Bojen noch befestigt gewesen, hätten wir den Fischer informiert und er hätte sein Netz zurückholen können“. Doch hier beginnt bereits das Problem: Die Markierungen können durch Sportboote abgefahren werden oder im Sturm abreißen und das Netz treibt im Meer ab. Für den Fischer bedeutet dies einen hohen Verlust. Einige Tausend Euro kann so ein Netz kosten, wenn es verloren geht. Der WWF arbeitet deshalb daran, Methoden zu entwickeln, die es Fischern und auch Meeresschützern erleichtern sollen, die Netze wiederzufinden und aus dem Meer zu bergen.

Ein unerwartetes Problem stellt die Entsorgung von Geisternetzen dar. Es wurde für dieses Netz kein guter Entsorgungsweg gefunden. „Es wird jetzt zusammen mit den anderen vom WWF geborgenen Geisternetzen gelagert, bis wir einen besseren Weg als die Sondermüll-Deponierung gefunden haben,“ erläutert Andrea Stolte. Gerade das Blei in der Sinkleine ist ein wertvoller Rohstoff, der leicht wiederverwertet werden kann, wenn Netz und Algen entfernt sind.

 

Mitte April trafen sich Wissenschaftler, Firmen, Ämter, Taucher und Sonarexperten in Stralsund, um in zwei großen Workshops die größten Schwierigkeiten bei der Lösung des Geisternetze-Problems anzugehen. Sie untersuchten neue Methoden zur Ortung der Netze und Ideen, wie sich die geborgenen Netze recyclen lassen.

Unser herzliches Dankeschön gilt dem Finder, der uns das Netz rasch gemeldet hat. So konnte weiterer, langfristiger Schaden verhindert werden. Wer unter Wasser Netze oder Netzteile sieht, kann diese unter geisternetze(at)wwf.de melden. Stellt das Netz möglicherweise eine Gefahr dar, wenden Sie sich am besten gleich an die örtliche Wasserschutzpolizei.

   
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