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Stand: 23.05.2019

Ostsee-Preis für Jochen Lamp

Er hat Salzwiesen renaturiert, ein Schutzgebietsnetz mitaufgebaut und dazu beigetragen, dass die Schifffahrt mehr Rücksicht auf die Umwelt nimmt: Jochen Lamp hat für die Ostsee eine Menge erreicht. Dafür erhielt der Leiter des WWF-Ostseebüros im Mai 2019 den „Baltic Sea Award“ der finnischen Stiftung Östersjöfonden.

Ostsee © Christoph Poss / WWF
Ostsee © Christoph Poss / WWF

„Natürlich gilt der Preis auch meinen Mitarbeitern, meinen Kollegen und denen, die meine Nominierung eingereicht und gefördert haben. Wir haben zusammen eine Menge errungen“, sagt Lamp bei der Preisverleihung. Als ersten Erfolg nennt er die Anerkennung der Ostsee als „besonders empfindliches Seegebiet“ durch die Internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO. „Auf dieser Grundlage konnten Umweltverbesserungen im Schiffsverkehr verbindlich festgelegt werden. Zum Beispiel, dass Passagierschiffe ihre Abwässer nicht mehr einfach so ins Meer ablassen dürfen.“ Das gelang nur durch jede Menge Überzeugungsarbeit.

Die Kraft des langen Atems

Jochen Lamp © Östersjöfonden
Jochen Lamp © Östersjöfonden

„Als Naturschützer braucht man einen langen Atem“, sagt Lamp. Und den hat er. Vor allem, wenn es um Großes geht. Als Lamp 1991 die Leitung des neuen WWF-Ostseebüros in Stralsund übernahm, hatte die letzte DDR-Regierung ein Jahr zuvor noch rasch formal neue Nationalparks an der Küste geschaffen. Doch militärische Nutzung und Freizeithäfen standen dem Naturschutz entgegen. Erst nach sehr vielen Runden Tischen und jeder Menge Beharrlichkeit auf Seiten der Naturschützer gelang ein Umdenken und schließlich Umlenken.In zwei Jahren wird nun der alte Militärhafen am Darßer Ort im Herzen des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft endgültig zu einem Strandsee renaturiert sein. „Die Bauweise entspricht etwa der, die der WWF 1997 vorgeschlagen hatte und die zu dieser Zeit vehement verworfen wurde“, so Lamp.

Nationalparkzentrum Königsstuhl

Etwas schneller konnten Lamp und sein Team mit vielen Mitstreitern die Idee umsetzen, aus dem DDR-Grenzbeobachtungsposten am Königsstuhl auf Rügen ein modernes Besucherzentrum für den Nationalpark Jasmund zu machen. Seit der Eröffnung 2004 kamen bereits mehr als drei Millionen Menschen.

Wiederbelebte Salzgraswiesen

Salzwiesen © WWF
Salzwiesen © WWF

Lamp hatte sich schon in den 80er Jahren für die Salzwiesen am Wattenmeer eingesetzt. Ein Beispiel einer Ausdeichung von Salzgrasland bei Greifswald war Ansporn, an der Ostseeküste mehr Polder für die Ostsee zurückzugewinnen. In nur wenigen Jahren gewann die Natur dort ihren alten Artenreichtum zurück. Zugleich bremsen nun die renaturierten Salzgraswiesen bei Sturmflut hohe Wellen. „Nach gründlichen Vorbereitungen werden in diesem Sommer in zwei weiteren Gebieten die Bagger anrollen, um Deiche landeinwärts zu verlegen und auf 200 Hektar wieder Salzwiesen und Küstenlebensräume entstehen zu lassen. Ich freue mich schon auf die Veränderungen im nächsten Jahr“, sagt Lamp.

Aufbau eines Schutzgebietsnetzes

Auch auf internationalem Parkett schmiedet Lamp strategische Allianzen, vor allem seit 1992 beim Aufbau eines Netzes von Ostsee-Schutzgebieten. Die Verhinderung eines Werftbaus in einem geschützten Küstengebiet auf Rügen geht ebenfalls auf den Leiter des WWF-Ostseebüros und die Mitstreiter vor Ort zurück.

Geisternetz-Bergung © Wolf Wichmann / WWF
Geisternetz-Bergung © Wolf Wichmann / WWF

Kampf gegen Geisternetze

Seit 2013 kümmern sich Lamp und sein Team auch um das Problem der Geisternetze, die herrenlos und unkontrolliert im Meer umhertreiben und eine tödliche Gefahr für Fische, Meeressäuger und Seevögel darstellen. Seitdem spielen die Kollegen von der Ostsee in der ersten Liga, wenn es um Geisternetze, deren Ortung, Bergung und Recycling geht.

Deutsche Ostseestiftung

Im Fall der ersten Nord Stream-Pipeline wiederum konnte Lamp mit Mitstreitern wie dem BUND erreichen, dass sich Nord Stream über die Auflagen der Genehmigungbehörde hinaus verpflichtete, Baggergut an Land zu verbauen, statt in der Ostsee zu verklappen und zusätzlich zwei Stiftungen auszustatten, die 35 Jahre lang Ostseenaturschutz fördern. Der Deutschen Ostseestiftung steht Jochen Lamp als Vorstandsvorsitzender vor. Sie hat seit 2011 mit rund 3 Millionen Euro Eigenanteil Naturschutzvorhaben für rund 24 Millionen Euro auf den Weg gebracht.

Nachhaltige Entwicklung

Seit einigen Jahren engagiert sich Lamp außerdem verstärkt in der internationale Meeresraumplanung und für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung im Ostseeraum. „Mit sauerstofffreien Todeszonen in der Ostsee will ich mich nicht abfinden. Die überschüssigen Düngemittel aus der Landwirtschaft, die sie auslösen, müssen drastisch reduziert werden“, sagt Lamp.

Und was wünscht er sich noch für die Zukunft? „Wir müssen es schaffen, dass die Meeresschutzgebiete nicht bloße „Papierparks“ bleiben, sondern dass in den Schutzgebieten Naturschutz absoluten Vorrang hat vor Nutzungen wie Fischerei oder Bau von Leitungen oder Windparks. Die Schutzgebiete sind das Rückgrat einer gesunden Ostsee und Kerne für ihre Erholung“.

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