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Stand: 10.10.2018

Ölunfall im Walschutzgebiet

Vor Korsika hat sich nach der Kollision zweier Frachtschiffe mittlerweile ein 20 Kilometer langer Ölteppich gebildet. Naturschützer fürchten besonders um die Meeressäuger. Denn der Unfall ereignete sich ausgerechnet im einzigen Walschutzgebiet des Mittelmeers.

Pottwal © Robert Delfs / WWF-Canon
Pottwal

Zwischen Korsika, Sardinien und italienischem Festland liegt das Pelagos-Schutzgebiet, eine Meeresregion größer als Österreich. Dort sind riesige Finn- und Pottwale genauso zu Hause wie Grindwale, Orcas oder verschiedene Arten von Delfinen.

 

Das von Frankreich, Monaco und Italien vereinbarte Pelagos-Schutzkonzept sieht bereits seit 1999 vor, alle Einflüsse zu verringern, die Wale und Delfine schädigen, von Schadstoffen über Unterwasserlärm und Beifang bis zu Zusammenstößen mit Schiffen. Doch noch immer passiert ein Drittel des gesamten Schiffsverkehrs im Mittelmeer das Pelagos-Schutzgebiet. Das sind im Jahr rund 200.000 Bewegungen von Handelsschiffen, hinzukommen viele Fähren und Jachten. Die Folge sind häufig Kollisionen mit Walen und anderen Schiffen.

Schutzkonzept verbessern

Deshalb, sagt WWF-Walexperte Stephan Lutter, muss das Schutzkonzept des Pelagos-Gebiets dringend verbessert werden: „In einem Schutzgebiet sollen sich bedrohte Arten erholen und vermehren können. Deshalb müssen die verantwortlichen Anrainerstaaten Frankreich, Monaco und Italien endlich sicherstellen, dass die Gefahr von Kollisionen zwischen Schiffen sowie zwischen Schiffen und Walen deutlich verringert wird. Dafür machen wir auf politischer Ebene Druck.“

 

Bei Reedern und Schiffseignern wiederum wirbt der WWF für die satellitengestützte Echtzeit-Aufzeichnung von Walbewegungen durch den Einsatz des Systems REPCET (Real Time Plotting of Cetaceans). Damit können Schiffe einander über die Anwesenheit von Walen informieren, ihre Routen entsprechend ändern oder das Tempo drosseln. Erster Erfolg: „Für größere Schiffe unter französischer Flagge, die häufig im Schutzgebiet verkehren, ist das Antikollisionssystem seit 2017 bereits Vorschrift. Die Anzahl gemeldeter Wale hat sich daraufhin auf 927 pro Jahr annähernd verdoppelt.“

Weiteren Gefahren vorbeugen

Kurzfristig steht zu hoffen, dass der Ölteppich rasch eingegrenzt und abgepumpt werden kann. Langfristig jedoch muss der Schiffsverkehr im Schutzgebiet deutlich verringert werden. Darüber hinaus setzen wir uns auch gegen eine geplante Erdölförderung in benachbarten spanischen Gewässern ein. Denn Unterwasserlärm und Wasserverschmutzung hätten vermutlich noch ungleich schlimmere Folgen für Meeressäuger und die gesamte Meeresumwelt als ein Ölunfall zweier Schiffe.

 

Darüber hinaus bekämpft der WWF die Plastikflut im Mittelmeer. Dort schwimmen einer aktuellen Studie der Umweltstiftung zufolge auf einem Quadratkilometer ungefähr 1.000 bis 3.000 Tonnen Plastikmüll. Dazu kommen unzählige Mikroplastikteilchen. Nach WWF-Analysen haben Pelagos-Wale bereits eine hohe Belastung von giftigen Phthalat-Verbindungen in ihrem Fettgewebe.

   
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