Das Chepalungu-Waldreservat in Kenia war einst voller Leben. Dicht standen die Bäume, und Flüsse durchströmten das Gebiet. Doch er wurde seit den 1970ern intensiv abgeholzt und fiel schließlich den politischen Unruhen 2007/08 zum Opfer. Die Folge: Tiere flohen, Flüsse versiegten, Böden erodierten. Seit 2019 setzt der WWF gemeinsam mit der Bevölkerung und lokalen Behörden ein groß angelegtes Wiederaufforstungsprojekt um.

Joseph Arap Towet, Vorsitzender des Gemeinde-Waldverbandes Chepalungu Apex Community Forest Association (CFA), ist von Anfang an maßgeblich beteiligt und blickt mit Stolz auf das bisher Erreichte. „Dieser Wald war 2008 am Ende“, sagt er leise und mit bewegter Stimme. Er steht am Rand des Chepalungu-Waldreservates und blickt auf Bäume, die inzwischen schon über fünf Meter hoch gewachsen sind.

„Schuld daran waren wir. Wir haben unseren Wald zerstört.“ Als Vorsitzender des Gemeinde-Waldverbandes, dem Zusammenschluss der am Chepalungu-Waldreservat beteiligten lokalen Gemeinden, spricht Towet nicht nur als Wegbereiter, sondern auch als Zeuge. Und er erzählt von Fülle, von Verlust – und nun von Erneuerung.

In den 1970er-Jahren war Chepalungu auf eine Weise lebendig, die heute kaum noch vorstellbar ist. Towet erinnert sich an einen so dichten Wald, dass er fast schwarz wirkte, voller Wildtiere und durchzogen von Flüssen. „1978 war dieser Ort voller Tiere. Das Wasser strömte frei dahin. Es war friedlich“, erzählt er. Dann änderte sich alles.

Wie das Chepalungu-Waldreservat zerstört wurde

Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Wiederaufforstung im Chepalungu Wald © WWF Kenia
Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Wiederaufforstung im Chepalungu Wald © WWF Kenia

Jahrzehnte der Abholzung, verschärft durch die Gewalt nach den Wahlen 2007/08, entblößten das Land und raubten seine Ressourcen. Bäume fielen. Flüsse versiegten. Wildtiere verschwanden. Als sich der Staub gelegt hatte, war Chepalungu verstummt.

Die Folgen zeigten sich schnell, und sie waren unerbittlich. Ursprünglich hatte das Land rund um die Wälder Chepalungus zwei ausgeprägte Jahreszeiten mit zwei Regenzeiten. Diese wurden plötzlich unzuverlässig.

Weil der Wald fehlte, versiegten auch die Quellen und Bäche. Ernten scheiterten. Hunger breitete sich aus. Die Wege zum Trinkwasser wurden immer weiter. Familien packten zusammen und zogen an Orte wie Mauche und Tinet im Nakuru County – nur um dort denselben Kreislauf der Zerstörung zu wiederholen.

Wie Mitverwaltung den Wiederaufbau des Waldes ermöglichte

Was für ein Erfolg: Die Kraniche sind im Chepalungu Wald zurück © WWF Kenia
Was für ein Erfolg: Die Kraniche sind im Chepalungu Wald zurück © WWF Kenia

„Wir hatten keinen Frieden“, sagt Towet. „Wir haben gelitten.“ Doch eine entscheidende Erkenntnis wurde zum Anfang von etwas Neuem: „Wir wissen heute, wo wir falsch lagen.“

Im Jahr 2005 trat der sogenannte Forest Act in Kraft. Er schuf unter anderem die Grundlage für eine stärkere Beteiligung von Gemeinden an der Waldbewirtschaftung. Im Rahmen der Mitverwaltung erhielten Gemeinden in Waldnähe Nutzungsrechte und wurden zugleich mit der Pflege und dem Wiederaufbau der Wälder betraut. Towet und seine Nachbarn erkannten die Bedeutung dieses Moments: eine zweite Chance.

2012 gründeten sie den Chepalungu-Gemeinde-Waldverband. Der Anfang war alles andere als leicht. Mitglieder gingen von Haus zu Haus, führten schwierige Gespräche und baten die Menschen, Verantwortung für ein Land zu übernehmen, das sie einst ausgebeutet hatten. „Heute sind wir 600 Mitglieder im Chepalungu-Siongiroi-Block“, sagt Towet mit stillem Stolz.

„Denn wenn man den Wald zerstört und ihn nicht schützt, zerstört man sich selbst.“

Joseph Arap Towet, Vorsitzender des Gemeinde-Waldverbandes Chepalungu Apex Community Forest Association (CFA)

Gemeinden übernehmen Verantwortung

Ein Baumsetzling im abgerodeten Chepalungu-Wald.
Ein Baumsetzling im abgerodeten Chepalungu-Wald © WWF Kenia

In den ersten Jahren ging es nur langsam voran. Einen Wald ohne Wurzeln zu heilen, braucht Zeit. Dann, im Jahr 2019, kam Unterstützung in Form des WWF.

Die Partnerschaft markierte einen Wendepunkt. Als die Setzlinge Wurzeln schlugen, folgten weitere Organisationen: das Green Zones Development Support Project (umgesetzt vom Kenya Forest Service), die Kenya Electricity Transmission Company Limited (KETRACO), die Imarisha Savings and Credit Cooperative Society, das Tenwek Hospital, die Smark Foundation und die County-Regierung von Bomet. Jede übernahm Abschnitte des Waldes und verpflichtete sich mit Ressourcen, Arbeitskraft und Überzeugung.

Messbare Erfolge der Renaturierung im Mau-Mara-Ökosystem

Ein Mann steht im Chepalungu Wald, inmitten der herrlichen Natur.
Messbare Ergebnisse, wie der Wald sich erholt © WWF Kenia

Das Ausmaß der Erholung von Chepalungu ist inzwischen messbar, sagt Peter Muigai, Landschaftskoordinator des Ökosystems Greater Mau-Mara, zu dem auch Chepalungu gehört. „Bisher wurden etwa 660.000 Bäume gepflanzt“, erklärt Muigai. „Das entspricht etwa 275 der insgesamt 400 Hektar, die durch unterstützte Regeneration wiederhergestellt werden sollen.“

Der Ansatz verbindet den Schutz natürlich regenerierender Flächen mit ergänzenden Pflanzungen. Der Wald darf sich selbst heilen, während dort beschleunigt nachgeholfen wird, wo die Zerstörung besonders schwer war. „Die Ergebnisse zeigen, dass Wiederherstellung schneller und nachhaltiger gelingen kann, wenn Gemeinschaften befähigt und unterstützt werden“, fügt Muigai hinzu.

Einer, der den Wandel aus nächster Nähe erlebt hat, ist Josh Patel: Er betreut als Stationsleiter Chepalungus 4.800 Hektar. „Als wir diesen Wald abholzten, flohen die Tiere“, erinnert er sich. „Ich glaube, ein Teil der Wildtiere, die man heute in der Masai Mara sieht, stammt ursprünglich von hier. Jetzt, da der Wald zurückkehrt, finden sie ihren Weg nach Hause.“

Wie sich das Chepalungu Waldreservat ökologisch erholt

Zwei Vögel sitzen auf einem Baum im Chepalungu-Wald.
Die Vögel kehren nach Chepalungu in Kenia zurück © WWF Kenia

Heute beherbergt Chepalungu wieder 89 Vogelarten – darunter Kronenkraniche, die einst verschwunden waren und nun zurückkehren. Sie sind ein Indiz dafür, dass sich auch die Feuchtgebiete langsam erholen.

Auch Hyänen, Dikdiks, Hasen, Erdferkel, Warzenschweine und sogar drei Meter lange Schlangen, so dick wie ausgewachsene Baumwurzeln, erobern ihren Lebensraum zurück. Patel ist überzeugt, dass der Wald innerhalb von fünf Jahren eine Deckung von 75 Prozent erreichen kann, wenn die aktuelle Dynamik aufrecht erhalten werden kann. Für einen Wald, der einst als verloren galt, wirkt diese Prognose beinahe wie ein Wunder.

Für manche Anwohner:innen misst sich die Auferstehung des Waldes jedoch nicht in Zahlen und Statistiken, sondern in dem, was er Tag für Tag zu ihrem Lebensunterhalt beiträgt.

Einer von ihnen ist Nicholas Kiprotich. Er hält mehrere Bienenvölker zwischen den Bäumen. „Die Bäume kommen zurück und mit ihnen die Bienen und ihr Honig“, sagt Kiprotich schlicht. „Dieser Wald gibt uns Leben.“

Auf Kreisebene zieht Chepalungu inzwischen größere Aufmerksamkeit auf sich. Charles Korir, Direktor für Tourismus und Wildtiere im Bomet County, sieht das Potenzial des Waldes für Ökotourismus. „Mit der steigenden Zahl an Vogelarten und Säugetieren wird dieser Wald zu einer Attraktion“, erklärt er. „Und das Ökotourismuszentrum, das wir einrichten, wird sicherstellen, dass die Gemeinschaft noch stärker davon profitiert.“

„Dieser Wald hat unsere Kinder ernährt. Er bezahlt das Schulgeld. Er schenkt uns Medizin. Er versorgt uns mit frischer Luft.“

Sharon Jepkemoi, Anwohnerin des Chepalungu-Waldes

Einkommen, Bildung und nachhaltige Waldnutzung

Geschnittenes Gras dient der Frau zum Lebensunterhalt.
Geschnittenes Gras dient der Frau zum Lebensunterhalt © WWF Kenia

Der vielleicht deutlichste Beweis für Chepalungus Wiedergeburt liegt in der Geschichte von Sharon Jepkemoi, einer Mutter von vier Kindern, deren Leben eng mit der Zukunft des Waldes verwoben ist.

Sharon verdient ihren Lebensunterhalt, indem sie in ausgewiesenen Bereichen des Waldes Gras schneidet und verkauft. Dieses Privileg ist durch strenge Regeln geschützt und Mitgliedern des Gemeinde-Waldverbandes vorbehalten. „Ich muss meine CFA-Karte vorzeigen, um davon zu profitieren.“

Ihr Sohn war in der Lage, die Schule bis zum Abschluss der zehnten Klasse zu besuchen, da seine Mutter ihn ohne Schwierigkeiten unterstützen konnte. „Das Geld, das ich mit dem Grasschneiden verdiene, hat unser Leben verändert. Ich verdiene 700 Kenia-Schilling pro Tag“, sagt sie. „Früher haben die Tiere alle Setzlinge zerstört. Heute bewachen wir die Bäume wie unsere eigenen Kinder.“

Einen Moment lang hält sie inne und blickt auf die jungen Bäume, die sich sanft im Wind wiegen. „Ich ermutige alle, sich um die Bäume zu kümmern“, sagt Sharon leise. „Denn sie kümmern sich um uns.“

Der einst verstummte Chepalungu-Wald findet seine Stimme wieder: im Gesang der Vögel, im Rauschen des Wassers und in den Menschen, die sich entschieden haben, nicht wegzugehen, sondern zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und Wiedergutmachung zu leisten.

  • Flusspferd im Selous in Tansania © Michael Poliza / WWF Kenia und Tansania

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