Sie bringen bis zu 3.500 Kilo auf die Waage, wetteifern um den größten Kothaufen, sprinten zur Not auch mal mit um die 50 Kilometer pro Stunde über die Savanne und gehören trotz ihres beeindruckenden Aussehens zu den schutzbedürftigsten Tieren dieser Erde. Nashörner werden brutal verfolgt und gewildert. Denn ihr Horn ist eines der wertvollsten illegalen Wildtierprodukte der Welt.

Nashorn mit Kalb © Martin Harvey / WWF
Nashorn mit Kalb © Martin Harvey / WWF

Kolosse aus der Urzeit

Nashörner leben schon seit über 50 Millionen Jahren auf unserem Planeten. Sie haben Eiszeiten überlebt und sind – mit fünf Metern Körperhöhe und 20 Tonnen Gewicht - einst die größten Tiere der Erde gewesen. Heute gibt es noch fünf lebende Arten: neben den zwei afrikanischen leben noch drei Nashorn-Arten in Asien. Drei der fünf Arten sind akut vom Aussterben bedroht.

Reinliche Riesen

Nashörner lieben Schlammbäder: Das pflegt ihre Haut und sie werden Insekten und andere Parasiten los. Außerdem kühlt ein Schlammbad den großen Körper – bei den heißen Temperaturen der afrikanischen Savanne eine angenehme Abkühlung. In der Trockenzeit, wenn es keine Schlammbäder gibt, wälzen sich Nashörner im Sand.

Nashorn-Horn zum Verkauf in Vietnam © Robert Patterson / WWF
Nashorn-Horn zum Verkauf in Vietnam © Robert Patterson / WWF

Mythos vom heilenden Horn

Das Nashorn-Horn besteht aus Keratin, einer extrem festen Hornmasse. Wird das Horn unter natürlichen Umständen verletzt oder bricht es ab, dann wächst es wieder nach. Vom Menschen werden heute vor allem die afrikanischen Nashorn-Arten erbarmungslos gejagt, weil ihren Hörnern medizinische Wirkung nachgesagt wird, wie Fiebersenkung oder sogar die Heilung von Krebs, und es sich aufgrund seines hohen Wertes zu einem Statussymbol entwickelt hat. Dabei besteht ein Nashorn-Horn – wie menschliche Fingernägel – nur aus Keratin.

Madenhacker im Nashorn-Ohr, Südafrika © Tristan Cooley
Madenhacker im Nashorn-Ohr, Südafrika © Tristan Cooley

Putzende Alarmanlage

Nashörner und Madenhacker – ein kleiner Vogel – führen eine symbiotische Beziehung. Der Madenhacker sitzt auf dem Nashorn-Rücken und pickt dort Parasiten und kleine Insekten auf. Wenn der Madenhacker Gefahr bemerkt, flattert er mit den Flügeln. So ist das Nashorn gewarnt. Auf Kisuaheli heißt der rotschnäbelige Madenhacker deshalb auch „Askari wa Kifaru“ – übersetzt etwa „Wächter des Nashorns“.

Gemeinschaftstoiletten zum Informationsaustausch

Nashörner kommunizieren über ihre Hinterlassenschaften und markieren so zum Beispiel ihre Reviergrenzen oder geben Auskunft über ihr Geschlecht, Alter und ihren Gesundheitszustand. Breitmaulnashörner sind die sozialsten unter allen Nashörnern, und das zeigt sich auch bei ihren Toilettengewohnheiten: die Tiere nutzen eine Art Gemeinschaftstoilette, wobei stattliche Haufen entstehen können: Immerhin produziert ein Nashorn am Tag rund 23 Kilo Dung – solche Toiletten könne daher schon mal drei Meter breit und größer werden.

Breitmaulnashörner in Südafrika © Bo Dabi
Breitmaulnashörner in Südafrika © Bo Dabi

Rasante Dickhäuter

Nashörner sind wahre Kolosse und nach den Elefanten die zweitgrößten Landsäugetiere der Erde. Überraschend ist, wie schnell diese großen, massigen Tiere rennen können: Ein Spitzmaulnashorn erreicht ein Tempo von bis zu 55 Kilometer pro Stunde, ein Breitmaulnashorn schafft immerhin 50 Kilometer. Die Tiere können dabei sehr rasch die Richtung wechseln und sogar Raubtieren, die ihnen zu nahe kommen, einen ordentlichen Schrecken einjagen.

Hauptsache vegan

Ein Breitmauln­ashorn frisst am liebsten Gras, das es mit seinem breiten, flachen Maul optimal erreichen kann. Das Spitzmaulnashorn rupft meist Blätter, aber auch Zweige, Äste und Rinde von kleinen Bäumen und Büschen. Sie können dabei sogar sehr dornige Pflanzen fressen oder solche, die hoch giftig für viele andere pflanzenfressende Säuger sind. Dank seines großen Blinddarms kann es diese jedoch entgiften, sodass sie für das Spitzmaulnashorn ungefährlich sind.

Schlechte Sicht, gutes Ohr

Nashörner können sehr gut hören und riechen, aber nur schlecht sehen. Wenn der Wind günstig steht, nehmen sie Gerüche aus mehreren hundert Metern Entfernung wahr. Nashörner verständigen sich außerdem durch verschiedene Laute, wie grunzen, schnauben, seufzen oder brüllen und zumindest von Breitmaulnashörnern weiß man, dass sie – ähnlich wie Elefanten – via Ultraschall kommunizieren können.

Breitmaul- (links) und Spitzmaulnashorn (rechts) © Ann Marie DiLorenzo / Michel Terrettaz / WWF
Breitmaul- (links) und Spitzmaulnashorn (rechts) © Ann Marie DiLorenzo / Michel Terrettaz / WWF

Spitzmaul und Breitmaul

Die Form ihrer Oberlippe gibt den afrikanischen Nashornarten ihren Namen. Das Spitzmaulnashorn hat eine fingerförmige, spitze Oberlippe, mit der es greifen und Blätter von Büschen und Bäumen zupfen kann. Das Breitmaulnashorn hat eine breite, gerade Lippe, mit der es Gras abweidet. Wegen ihrer Futtervorlieben sind beide beim Fressen oft schon von weitem gut zu unterscheiden: Spitzmaulnashörner tragen den Kopf oft hoch erhoben, um Blätter in Büschen oder Bäumen zu fressen. Breitmaulnashörner ziehen beim Grasen mit gesenktem Kopf über die Savanne.

Übrigens: Im Englischen heißen die Arten White and Black Rhino, dabei sind beide grau. Man glaubt, dass der Name von einem Übersetzungsfehler herrührt, bei dem aus dem Afrikaans das Wort “wyd” für “breit” ein “white” wurde.

Bedrohte Giganten

Weltweit gibt es heute noch fünf Nashornarten. Von den drei asiatischen Arten (Panzer-, Java- und Sumatra-Nashorn) sind zwei – das Java- und das Sumatra-Nashorn – fast ausgerottet, von ihnen gibt es nur noch sehr wenige Tiere. Auch das afrikanische Spitzmaulnashorn gilt als akut vom Aussterben bedroht, von ihm leben nur noch rund 5.500 Tiere. Die meisten Individuen gibt es vom Breitmaulnashorn, allerdings sind die Bestände der Art in den letzten Jahren aufgrund des anhaltenden Wildereidrucks massiv zurückgegangen: zwischen 2015 und 2017 von 20.000 auf 18.000 Tiere – und es ist leider anzunehmen, dass sich seitdem der negative Trend weiter fortgesetzt hat.

Wilderei ist und bleibt Bedrohung Nummer 1

In den vergangenen zehn Jahren wurden mehr als 9.000 Nashörner in Afrika gewildert – gut 8.000 davon in Südafrika. Das sind nur die entdeckten Fälle. In großen Gebieten wie dem Krüger Nationalpark vermuten Experten eine hohe Dunkelziffer. Südafrika ist damit Nashorn- und Wilderei-Hotspot: 75 Prozent aller Nashörner in Afrika leben in Südafrika. 90 Prozent aller Wildereivorfälle passieren hier.

Spitzmaulnashörner – genau wie Tiger – haben einen dramatischen Bestandseinbruch erlebt. Zwischen den 1970er und 1990er Jahren ist die Zahl der Tiere um 96 Prozent gefallen! Von etwa 65.000 auf nur noch etwas mehr als 2.400. Seitdem versucht man, die Art vom Aussterben zu retten und erzielt zum Glück auch Erfolge: Heute gibt es wieder gut 5.500 Tiere. Die Bestände wachsen aber wesentlich langsamer durch den anhaltenden Wildereidruck der letzten Jahre.

  • Spitzmaulnashörner auf Ebene © Philippe Oberle / WWF Nashörner

    Nashörner gehören mit zu den 'Alten' auf unserem Planeten. Heute umfasst die Familie der Nashörner nur noch fünf Arten. Weiterlesen ...