Stellen Sie sich einen Ort vor, an dem weit über 10.000 Pflanzenarten wachsen und die Fauna genauso reich ist wie die Flora. Einen Ort, der rund 200 Säugetierarten, mehr als 800 Vogelarten, 1.200 Arten von Fischen, 150 Amphibienarten, 180 Reptilienarten und 90.000 Insektenarten beherbergt. Einen solchen Ort gibt es nicht? Doch: Der brasilianische Cerrado, die artenreichste Savanne der Welt.

Zwei Millionen Quadratkilometer ist der Cerrado groß, das entspricht einer Fläche von Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien zusammen. Im Norden grenzt er an den Amazonas-Regenwald, im Süden an die Mata Atlântica. Fünf Prozent aller Arten weltweit sind in den Graslandschaften mit ihren knorrigen Büschen und Bäumen, in den Feuchtgebieten, den Wäldern und den ausgedehnten Plateaus des Cerrado zu Hause. Rund die Hälfte der Pflanzenarten und zahlreiche der Tierarten sind endemisch, sie kommen nirgendwo sonst auf der Welt vor.

Zahlreiche Arten sind bedroht

Trotz dieser immensen ökologischen Bedeutung ist der Cerrado eine der am wenigsten geschützten Regionen Brasiliens. Nicht einmal zehn Prozent seiner Fläche haben Schutzgebietsstatus und weniger als drei Prozent sind streng geschützt. Jährlich werden im Cerrado rund 100.000 Hektar intakte Natur in landwirtschaftliche Nutzfläche umgewandelt und so die Habitate unzähliger Arten zerstört. Mit der Folge, dass das Überleben von mindestens 137 Tierarten in Gefahr ist – darunter so ikonische Spezies wie Jaguar, Riesengürteltier, Flachlandtapir, Großer Ameisenbär und Mähnenwolf, die auch als „Big Five“ des Cerrado gelten.

Sojaproduktion zerstört Lebensräume

Schon jetzt haben wir vor allem durch Sojaproduktion und Rinderzucht die Hälfte des Cerrado ganz verloren. Weitere 30 Prozent sind degradiert. Wenn wir nicht sofort eine Kehrtwende einleiten, laufen wir Gefahr in wenigen Jahren auch die letzten 20 Prozent, die bereits stark fragmentiert sind, zu verlieren. Denn Brasiliens Sojaproduktion wächst nicht nur, sie explodiert – etwa die Hälfte davon entfällt auf den Cerrado. Allein in den ersten sieben Monaten von 2022 stieg die Entwaldungs- und Umwandlungsrate im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent!

Diese Zerstörungsrate macht den Cerrado zu einem der am stärksten gefährdeten Ökosysteme der Erde. Vernichten wir dieses Biodiversitätsjuwel, verlieren wir ein unersetzliches Biom, das für den Erhalt der Artenvielfalt und die Bewältigung der Klimakrise von zentraler Bedeutung ist.

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