„Die Leute sterben, überall herrscht Angst“, zitiert der „Indian Express“ den Arzt Dr. V. K. Sharma. In Indien wütet die Corona-Pandemie in erschreckendem Ausmaß. Das Virus erreicht auch entlegene Dörfer. Mehr als 300.000 Todesfälle verzeichnet das Land inzwischen.

Betroffen sind auch Ranger:innen, die in Schutzgebieten im ganzen Land arbeiten, viele davon sind abgelegen, medizinische Versorgung ist schwierig. Der Naturschutz in ganz Südasien, besonders in Indien und Nepal, ist im Ausnahmezustand.

Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf die Schutzgebiete © Richard Barrett / WWF-UK
Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf die Schutzgebiete © Richard Barrett / WWF-UK

Die Covid-19-Pandemie fordert Menschenleben. Und sie hat Auswirkungen auf den Naturschutz auf der ganzen Welt. Denn das Corona-Virus nimmt keine Rücksicht auf Landesgrenzen, keine Rücksicht auf Menschenleben und es nimmt keine Rücksicht auf Naturschutzarbeit.

Die medizinische Versorgung in ganz Indien ist ein großes Problem, es mangelt an allem: Sauerstoff, Intensivbetten und auch die Impfungen gehen nur sehr langsam voran.

Ranger:innen besonders betroffen

Asien ist Heimat einiger der weltweit am stärksten bedrohten Arten: Tiger, Nashörner und Elefanten streifen noch durch die letzten Waldgebiete. In Schutzgebieten und vielen Projekten – auch vom WWF – arbeiten Ranger:innen hart daran, die Tiere vor Wilderern zu schützen und die Zerstörung ihres Lebensraums aufzuhalten.

Die Vorstellung, dass Ranger:innen in Indien aufgrund der Abgeschiedenheit ihres Arbeitsplatzes keinem besonderen Risiko ausgesetzt sind, ist falsch: Das Virus hat längst die ländlichen Regionen erreicht. Die Entlegenheit erschwert die dringend nötige medizinische Versorgung.

Entsprechend schockierend sind die Zahlen: 400 Rangerinnen und Ranger starben seit Juli 2020 allein in Indien. Zum Vergleich: der globale jährliche Durchschnitt unter Ranger:innen liegt bei 100 Todesfällen pro Jahr. Die Dunkelziffer ist dabei wahrscheinlich um Einiges höher – viele Gemeindemitglieder, die als Wildhüter:innen arbeiten, werden nicht in Statistiken erfasst. Diese Auswirkungen der derzeit dramatischen Todesfallzahlen sind nun auch über die Landesgrenzen hinweg in den umliegenden Nationen Pakistan, Nepal und Bhutan zu spüren.

Freie Bahn für Wilderer?

Bewohner:innen von abgelegenen Dörfern erhalten Hilfe von Ranger:innen © Global Warming Images
Bewohner:innen von abgelegenen Dörfern erhalten Hilfe von Ranger:innen © Global Warming Images

Die Ranger:innen in diesen Ländern kämpfen aber nicht nur gegen das Virus. Sie müssen gleichzeitig mit einer zunehmenden Zahl von illegalen Aktivitäten in den Schutzgebieten und Projekten fertig werden. Denn aufgrund der Lockdowns und der damit verbundenen eingeschränkten Verdienstmöglichkeiten sehen sich Teile der lokalen Bevölkerung gezwungen, ihre Versorgung anders sicher zu stellen: wie etwa durch die Jagd auf Wildtiere oder das Sammeln von Feuerholz in Schutzgebieten.

Hinzu kommt, dass viele Ranger:innen auch Aufgaben im Zusammenhang mit der Pandemie-Bekämpfung wahrnehmen müssen: Sie werden auf Patrouille entlang der Grenzen geschickt, um Grenzübertritte und damit die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, sie liefern wichtige Güter wie Lebensmittel und Medikamente in abgelegene Gemeinden, sie schaffen ein Bewusstsein für die Gefahr, die von Covid-19 ausgeht und erklären den Menschen wichtige Hygieneregeln. Das alles sind wichtige Arbeiten – doch die Zeit fehlt im Naturschutz.

Hilfe ist dringend erforderlich

Die Ranger:innen, die eigentlich Wildtiere beschützen und Naturschätze bewahren sollen, brauchen nun selbst dringend Hilfe. Wir müssen handeln und den Ranger:innen und ihren Familien durch diese Krise helfen. Mit Ihrer Spende können wir

  • die Familien und Angehörigen der Ranger:innen finanziell unterstützen.
  • Ranger:innen mit grundlegenden Dingen des täglichen Bedarfs ausstatten. Oft fehlt es am Nötigsten – in diesem Fall an Schutzausrüstung, um sich vor der Übertragung von Covid-19 zu schützen.
  • Ranger:innen medizinische Versorgung zukommen lassen. Viele Ranger:innen haben keinen ausreichenden Zugang zu medizinischer Behandlung und sind nicht versichert.
  • Ranger:innen bei der Impfung unterstützen. Ein großer Teil der Ranger:innen sind Aushilfskräfte, die auf der Prioritätenliste für Impfungen ganz unten stehen. Wenn der derzeitige Impfplan bestehen bleibt, könnte es bis zu drei Jahre dauern, bis die Bevölkerung im Land ausreichend geimpft ist.

Mit diesem Aufruf reagiert der WWF auf die aktuelle Krisensituation. Parallel arbeitet der WWF daran, wichtige politische Veränderungen voranzutreiben, um die Arbeitsbedingungen, den Gesundheitsschutz und die Sozialstandards für Ranger:innen auf der ganzen Welt zu verbessern. Denn ohne Ranger:innen ist Naturschutz nicht möglich, sie sind der Schlüssel zum Schutz der Wildtiere.

Unterstützen Sie die Ranger:innen und Communities: