Das Terai ist das fruchtbare Tiefland am Fuße des Himalajas. Es erstreckt sich von den beiden Flüssen Brahmaputra im Osten und Yamuna (einem der wichtigsten Zuflüsse des Ganges) im Westen durch die drei Länder Indien, Nepal und Bhutan. Die Ökoregion ist geprägt von Grasländern, Savannenlandschaften, Feuchtgebieten und Flusslandschaften und deren jährlichen Überschwemmungsdynamiken. Die globale Bedeutung der dort vorkommenden Arten und Ökosysteme hat dazu beigetragen, dass die Gegend vom WWF in die Liste der weltweit wichtigsten 200 Ökoregionen aufgenommen wurde.

Panzernashorn im Chitwan Nationalpark, Nepal © Michel Gunther / WWF
Panzernashorn im Chitwan Nationalpark, Nepal © Michel Gunther / WWF

Ein zentraler Teil des gesamten Terai ist die sogenannte „Terai Arc Landschaft“ (TAL), die sich entlang der Grenze zwischen Nepal und Nordwest-Indien über eine Strecke von 700 Kilometer erstreckt und ein Gebiet von 49.600 Quadratkilometern umfasst, eine Fläche etwa so groß wie die Slowakei. Hier leben nicht nur Tiger, auch Panzernashörner, Asiatische Elefanten, Wildhunde, Lippenbären sowie der vom Aussterben bedrohte Ganges-Flussdelfin sind hier beheimatet – viele davon leben in einem der 13 Wildtierreservate oder Nationalparks.

Wandernde Nashörner und Tiger

In der Terai Arc arbeiten die Regierungen von Nepal und Indien mit Gemeinden und Umweltorganisationen wie dem WWF grenzübergreifend im Artenschutz zusammen. Das Ziel: die Biodiversität über politische Grenzen hinweg zu erhalten und die räumlich getrennten Schutzgebiete durch Korridore zu verbinden.

Erste Erfolge sind bereits sichtbar: Schon wandern Tiger, aber auch deren Beutetiere und Nashörner zwischen den Schutzgebieten der Region umher, um neue Reviere zu erobern und Partner:innen für die Paarung zu finden. Nur wenn das gewährleistet ist, können sich die großen Säugetiere ausreichend vermehren und sich deren Populationen dauerhaft erholen.

Ein Paradies für den Tiger

Bengaltiger © Richard Barrett / WWF-UK
Bengaltiger © Richard Barrett / WWF-UK

An keinem Ort der Erde gibt es mehr Tiger als in der Terai-Arc-Landschaft. Hier bieten weite Flussauen, Wiesen und subtropische Wälder einer großen Vielfalt von Arten eine Heimat – und damit den majestätischen Großkatzen ausreichend Nahrung. 683 Bengaltiger leben hier etwa derzeit. Tendenz steigend.

Terai Arc ist die größte Hoffnung für die Zukunft der Tiger. Das große Ziel: bis 2022 soll sich ihre Zahl dort um mindestens 100 Tiere erhöhen.

Eine Landschaft gerät unter Druck

Doch die Erfolge sind fragil. Denn nicht nur einige der ikonischsten Arten besiedeln neue Lebensräume, das Gebiet ist auch geprägt von einem starken Bevölkerungswachstum. Landnutzung und menschliche Siedlungen haben das fruchtbare Land geformt, aber damit auch Waldstücke zerschnitten oder sie in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt.

Der wachsende Bedarf nach Feuerholz treibt entwaldete Flächen immer weiter in den Lebensraum der Tiger hinein. Ihnen wird der Weg abgeschnitten und auch ihre Beutetiere finden keine Nahrung mehr. Sambahirsch und Co. werden knapp, der Tiger sucht nach Alternativen – oft sind das Nutztiere des Menschen.

Konflikte zwischen Mensch und Tier

Durch die Überschneidung des Lebensraumes von Mensch und Tier kommt es unweigerlich zu Konflikten und es gilt, die für beide Seiten gefährlichen Begegnungen zu verhindern.

Der WWF fördert feste Straßenbeleuchtung in den Dörfern sowie mit Rinderdung betriebene Biogasanlagen und -öfen. So müssen die Frauen nicht mehr zum Feuerholzsammeln in den Wald. Und die Menschen treiben auch die Rinder nicht mehr in Schutzgebiete oder in die Wanderkorridore, sondern halten sie in Dorfnähe zusammen. In der Folge treffen Mensch und Tier seltener aufeinander, weniger Vieh wird von Tiger oder Leopard gerissen. Auch der zusätzliche Nutzen ist enorm: Es wird weniger Wald für Feuerholz abgeholzt und bleibt als Lebensraum und Rückzugsort für gefährdete Arten erhalten.

Freiwillige Naturschützerinnen © Gary Van Wyk / The Ginkgo Agency / Whiskas / WWF-UK
Freiwillige Naturschützerinnen © Gary Van Wyk / The Ginkgo Agency / Whiskas / WWF-UK

Trotz aller Vorsicht kann es dennoch zu Mensch-Tier-Konflikten kommen. Deshalb hat der WWF bereits Eingreiftruppen aufgestellt, die sofort vor Ort sind, wenn es zu Schäden kommt oder ein Tiger sich auffällig verhält. Ein Fonds soll außerdem die Bauern finanziell unterstützen, wenn Tiere gerissen werden. Er hilft auch, wenn Menschen von Tigern verletzt werden.

Freiwillige Naturschützer:innen sorgen dafür, dass Kleinbauern, deren Rinder von Tigern getötet wurden, Kompensationszahlungen erhalten; und sie unterstützen die wissenschaftliche Arbeit von Biolog:innen durch Wildtierzählungen oder das Aufstellen von Kamerafallen. Viele junge Menschen begeistern sich so stark für diese ehrenamtliche Arbeit, dass sie später auch Berufe im Naturschutz ergreifen.

Der Kampf gegen die Wilderei

Aber auch die Wilderei ist eine große Bedrohung in Terai Arc, die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen ist es das mangelnde Bewusstsein für die Bedeutung des Artenschutzes bei der Bevölkerung vor Ort, zum anderen die unzureichende Durchsetzung der Strafverfolgung und die oft schlechte grenzübergreifende Zusammenarbeit der Behörden. Die Grenzen in der Region sind „durchlässig“, weshalb Wilderer die Region nutzen, um Tiere und deren „Produkte“ in benachbarte Länder zu schmuggeln.

Um den Kampf gegen die Wilderei dauerhaft zu sichern und auf die gesamte Terai Arc Landschaft auszuweiten, unterstützt der WWF verstärkt die grenzübergreifende Zusammenarbeit der Behörden in Strafverfolgung und Gesetzesvollzug – mit gemeinsamen Trainings, neuen Einsatzbüros und Kontrollposten.

Bessere Lebensbedingungen für die Menschen

Homestay in Nepal © Emmanuel Rondeau / WWF-US
Homestay in Nepal © Emmanuel Rondeau / WWF-US

Damit auch die Menschen vor Ort vom Tigerschutz profitieren können – und für diesen einstehen, anstatt etwa selbst zu Wilderern zu werden –, hilft der WWF dabei, alternative Einkommensquellen zu generieren.

Ökotourismus zum Beispiel kann eine wichtige Säule für den Artenschutz sein. In den lichten Wäldern und den Grasländern von Terai Arc ist es leichter, als in dichten tropischen Wäldern, Tiger, Nashorn und Elefant zu entdecken. Der WWF entwickelt deshalb Konzepte, die die Errichtung von Beobachtungstürmen und private Unterkünfte (Homestays) für Touristen umfassen, die mitten im Tigergebiet liegen – so können die Gäste die Natur hautnah erleben.

Terai Arc erhalten und schützen

Trotz und wegen aller Herausforderungen soll die Tigerzahl in Terai Arc bis 2022 auf 780 Tiere wachsen. Dazu müssen sich die Tiger in den Schutzgebieten vermehren, über Grenzen hinweg wandern und neuen Lebensraum erobern können. Mit Ihrer Spende helfen Sie uns dabei, das große Potenzial der Terai Arc Landschaft als Tigerland zu nutzen.

So können Sie helfen

  • Panzernashorn im nepalesischen Chitwan Nationalpark © Michel Gunther / WWF Mensch, Nashorn und Tiger in Gefahr

    Sechs Jahre lang war im Chitwan-Nationalpark in Nepal nicht mehr gewildert worden. Nun wurden zwei Nashörner und ein Kalb getötet. Die Not ist groß am Fuße des Himalajas. Weiterlesen ...

  • Himalaja © Shutterstock / Olga Danylenko / WWF Himalaja-Region - das Dach der Welt

    Der Himalaja ist die höchste Gebirgskette der Welt und die großen Flüsse Asiens entspringen hier. Die Region gehört zu den kontrastreichsten Lebensräumen weltweit mit großem Artenreichtum. Weiterlesen...